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Max Eugster: «Das Legislaturprogramm dient uns als Messlatte»

Alle vier Jahre erstellt der Herisauer Gemeinderat ein Legislaturprogramm. Gemeindepräsident Max Eugster erklärt den Sinn dahinter und sagt, ob es überhaupt gelesen wird.

  • Gemeindepräsident Max Eugster beim Durchblättern des Legislaturprogramms 2023 – 2027.

    Gemeindepräsident Max Eugster beim Durchblättern des Legislaturprogramms 2023 – 2027.

Max Eugster, der Gemeinderat hat Ende Januar dem Einwohnerrat das Legislaturprogramm 2023 – 2027 unterbreitet. Auf dem Titelblatt ist die Skizze eines Kompasses zu sehen. Warum?
Die Grundidee mit dem Kompass kam im Laufe unserer Klausurtagung letzten Sommer auf. Wir wollten weniger von den Aufgaben der sieben Ressorts ausgehen, sondern ganzheitlichere, ressortübergreifende Schwerpunkte setzen. Deshalb fand der Gemeinderat das Bild des Kompasses mit den vier Himmelsrichtungen sehr passend: N(ord) steht für Nachhaltigkeit, O(st) für Orientierung, S(üd) für Standort und W(est) für Wirtschaftlichkeit. Auch zum Bild, dass wir zusammen auf dem Weg sein wollen, passt der Kompass gut.

Wozu dient das Legislaturprogramm?
Es dient als Kompass für den Gemeinderat. Wonach richtet er seine Arbeit aus, welchen Kurs, welche Schwerpunkte verfolgt er in den nächsten vier Jahren? Daraus ergeben sich, über das Tagesgeschäft hinaus, die Ziele. Diese sollten nicht zu hochgesteckt sein, sondern gut umsetzbar und nachhaltig. Es stehen jetzt schon grosse Investitionen an, deshalb wollten wir keine Visionen formulieren, die zusätzlich viel kosten.

Wie entsteht ein Legislaturprogramm?
Wir brauchten mit dem Gemeinderat insgesamt zweieinviertel Tage dafür. Zunächst haben wir uns grundsätzlich über die Führung der Gemeinde unterhalten, inklusive Zusammenarbeit zwischen den Ressorts sowie zwischen Gemeinderat und Verwaltung. Auch das alte Legislaturprogramm haben wir ausgewertet und erst dann das neue entwickelt. Nach der anderthalbtägigen Klausur haben wir das Ganze nochmals durchgedacht und vervollständigt. Schliesslich führten wir eine Vernehmlassung bei den Abteilungsleitern durch.

Lohnt sich dieser Aufwand?
Auf jeden Fall. Dank des Legislaturprogramms schauen wir von Zeit zu Zeit, ob die Schwerpunkte unserer Arbeit stimmen. Und wir diskutieren bei der Erarbeitung losgelöst vom Alltagsgeschäft, was auf uns zukommt. Das ist nicht nur sachlich sinnvoll, sondern auch für die Zusammenarbeit im Gemeinderat. Wir haben uns bei diesem Prozess als gute Truppe weiterentwickelt.

Interessiert das Legislaturprogramm irgendwen in der Bevölkerung?
Ich glaube, es ist wichtig für die Bevölkerung, Transparenz darüber zu haben, wo wir in den nächsten vier Jahren Schwerpunkte setzen. So wird der Gemeinderat nicht nur fassbar, sondern seine Arbeit auch messbar. Das dürfen unsere Einwohnerinnen und Einwohner erwarten. Wir haben auch gelegentlich Anfragen, und das Dokument wird auf der Webseite angeschaut.

Welches Legislaturziel liegt Ihnen persönlich am Herzen?
Sehr am Herzen liegt mir, ein neues Gefäss zu suchen, damit wir zugänglicher und näher bei den Leuten sind. Das können fixe Begegnungsmöglichkeiten mit den Einwohnerinnen und Einwohnern sein, aber auch ein neues Kommunikationskonzept soll dabei helfen. Im Übrigen bin ich überzeugt: Wenn es uns wohl ist, ist es auch anderen wohl in Herisau. Wir dürfen mit einem gesunden Selbstbewusstsein zu Herisau stehen.

Wird sich 2027 noch jemand an das Legislaturprogramm erinnern?
Ich hoffe schon, weil wir doch einige Schritte gemacht haben werden, Stichworte Ortsplanung, Energieversorgung, Biodiversität, Standortattraktivität, Kundenfreundlichkeit. Vielleicht werden sich die Leute nicht ans Legislaturprogramm selbst erinnern, sondern an die Massnahmen, die wir umgesetzt haben werden. Und natürlich dient es in vier Jahren wieder als Basis, auch uns und dem Einwohnerrat Rechenschaft abzulegen.

Ein Wort zum Schluss?
Wir müssen an zwei Dingen arbeiten. Auf der einen Seite gegen aussen daran, dass wir weiterhin eine Vielfalt an guten Leistungen erbringen und dies auch wahrgenommen wird. Auf der anderen Seite gegen innen: Wir spüren den Fachkräftemangel, und in den nächsten zehn Jahren werden etwa 75 Personen, also ein Drittel der Belegschaft, pensioniert. Wir müssen attraktiv bleiben, damit die Leute überhaupt bei uns arbeiten wollen und damit sie dies gerne tun. Dann erbringen sie auch sehr gute Leistungen für die Bevölkerung.

Eine Publikation der Gemeinde Herisau.

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  • Symbolbild: bigstock

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