Grosse Entscheidungen stehen an

Am Montagabend fand im Betreuungs-Zentrum Heiden (BZH) die Delegiertenversammlung der Vertragsgemeinden statt. Kernthema war das Budget 2024, das diskussionslos genehmigt wurde. Viel mehr zu reden gab die künftige Nutzung des Spitalareals.

  • Robert Diethelm (rechts) im Gespräch mit den Oberegger Vertretern Monika Rüegg Bless und Hannes Bruderer. (Bild: Rolf Rechsteiner)

    Robert Diethelm (rechts) im Gespräch mit den Oberegger Vertretern Monika Rüegg Bless und Hannes Bruderer. (Bild: Rolf Rechsteiner)

«Der Kanton will baldmöglichst aus der Verantwortung über das Spital Heiden entlassen werden», erklärte Robert Diethelm, Gemeindepräsident von Heiden und Vizepräsident des BZH. Er vertrat den Präsidenten, Markus Pfister, der aus gesundheitlichen Gründen auf eine Teilnahme verzichten musste. Man erinnert sich: die Schaffung einer Demenzabteilung auf dem 2. Stock des Spitalgebäudes war an obiger Prämisse gescheitert. Das BZH hätte eine Million in das Vorhaben investiert, wenn ein Mietvertrag über zehn Jahre ermöglicht worden wäre. Da der Kanton einen Verkauf des Gebäudes favorisiert, konnte nur ein Vertrag über fünf Jahre abgeschlossen werden. Deshalb ist nur die Nutzung der Spitalküche und die Energieversorgung des Betreuungs-Zentrums bis 2028 gesichert. Ob bis dahin ein eigenständiger Küchenanbau – ein entsprechendes Projekt ruht seit längerem in der Schublade – und eine eigene Heizzentrale realisiert werden müssen, bleibt offen.

Unklar ist auch, wie sich die Zukunft insgesamt entwickelt. Die absehbare Schliessung kleiner Heime im Vorderland, das Torfnest und Brenden machten den Anfang, schaffe neue Bedürfnisse. In der Diskussion wurde festgestellt, dass nicht nur eine Erhöhung der Bettenzahl im BZH, sondern auch die Schaffung betreuter Alterswohnungen geprüft werden müsse. Das Projekt «Älter werden in Oberegg» habe Bedeutung für das ganze Vorderland.

Wert der Anlagen

Der Austausch zwischen dem Kanton und der Gemeinde Heiden laufe gegenwärtig auf Hochtouren, betonte Robert Diethelm. Klar sei, dass der Kanton keinen Eigenbedarf habe, aktuell aber einen Geldabfluss reklamiere. Er wolle deshalb das ganze Areal (Spital, Dunant-Haus und alte Brauerei) baldmöglichst verkaufen. Ob die Übernahme durch öffentliche Körperschaften oder eine private Gesellschaft erfolge, sei offen, habe aber Einfluss auf den Verkaufspreis. Klar sei, dass die gegenwärtigen Nutzer MAiH und BZH ein wesentlicher Teil der Verhandlungsbasis bleiben werden. «Heiden hat für die Sicherstellung der Altersversorgung für das ganze Vorderland einen Vertrag erkämpft», so Diethelm. Aktuell gehe es in den Gesprächen um technische Fragen, also primär um die Feststellung der Sachwerte, die den Verkaufspreis bestimmen. Seitens Gemeinde Heiden sei gesetzt, dass das Areal raumplanerisch mit dem Schwergewicht Gesundheit-Alter-Schule belegt bleibe, dass also eine Umteilung in die (gewinnträchtigere) Kern- oder Wohnzone nicht vorgesehen sei, allenfalls mit Ausnahme der alten Brauerei. Im Übrigen sei das ganze Areal im Verwaltungsvermögen des Kantons angesiedelt und auf den Wert Null abgeschrieben.

Ist-Zustand und Budget

Ursina Girsberger, Geschäftsleiterin des BZH, gab ihrer Freude darüber Ausdruck, dass man bezüglich Einhaltung des Budgets 2023 auf Kurs sei. Ein absehbares Defizit – Ende August resultierte ein Fehlbetrag von 200’000 Franken – konnte dank hoher Belegung kontinuierlich aufgeholt werden. Ein Grund für den Einbruch lag in geringerer Pflegeintensität als erwartet. Schwer belastet war die Rechnung zudem durch temporäre Fachkräfte, die teuer eingekauft werden mussten. Frau Statthalter Monika Rüegg Bless (für Oberegg) regte an, einen Finanzpool anzulegen, aus dem eigene Leute mit einem Zustupf zum Einspringen in personellen Engpässen motiviert werden könnten.

Für 2024 rechnet das BZH mit 65 Betten, was eine Belegung von 93 Prozent bedeutet. Bei einem Aufwand von 8,474 Millionen Franken soll ein Gewinn von 61’000 Franken resultieren. Die Personalkosten erhöhen sich um 348’000 Franken, wovon knapp die Hälfte auf eine Erhöhung des Stellenetats entfällt. Zwar wird nur ein Prozent Lohnausgleich gewährt, doch eine Entschädigung der Umkleidezeit gleicht diese Delle teilweise aus.

In der Investitionsrechnung sind Ausgaben von 605’000 Franken vorgesehen, verteilt auf mehrere Projekte mit Priorisierung. Im März 2024 soll zudem die dringend gewordene Dachsanierung am 30-jährigen Gebäude anlaufen. Sie ist mit 1,5 Millionen Franken veranschlagt.

Mit einer schwarzen Null rechnet der dem BZH angegliederte Bestattungsdienst Vorderland bei Einnahmen von rund 160’000 Franken. Festzustellen sei, dass der Dienst inzwischen auch am KSSG und am Spital Herisau etabliert ist. Der Aufruf, den eigenen Dienst zu beanspruchen, sei in den Vorderländer Gemeinden gut gehört worden.

Wahlen

Die Gesamterneuerungswahlen warfen keine grossen Wellen. Zwar hat Markus Pfister per Ende Mai 2024 seinen Rücktritt als Gemeinderat von Walzenhausen eingereicht, doch behält er das Mandat als Delegierter der Gemeinde im BZH. So war er als Präsident des Vorstandes nicht nur wählbar, sondern auch unbestritten. Er mache mit viel Herzblut einen ausgezeichneten Job, lobte Robert Diethelm. Auch die Bisherigen im Vorstand wurden einstimmig wiedergewählt: Enza Welz, Wald; Linda Grünenfelder, Reute; Robert Diethelm, Heiden; Gino Pauletti, Wolfhalden. In der Kontrollstelle ergab sich ein Wechsel. Für Markus Keel aus Rheineck nahm Susanne Yavuz, Leiterin Finanzen der Gemeinde Heiden, Einsitz. Conny Mettler aus Schachen bleibt Präsidentin, Sepp Raimann vertritt weiterhin Oberegg.

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  • Symbolbild: bigstock

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