Zum Tag des Waldes: Natürliche Verjüngung 30 Jahre nach Sturm Vivian

Am Montag, 21. März, ist der internationale Tag des Waldes. Für die Gemeinde Herisau, welche ein besonderes Augenmerk auf Wald und Forst legt, ist dies Gelegenheit, auf ein spezielles Projekt aufmerksam zu machen: Im Gebiet Ergeten/Ramsen wurde nach dem Sturm Vivian zusammen mit Partnern eine Versuchsfläche ausgeschieden. Ziel ist die Wiederbestockung durch Naturverjüngung.

  • Liegengelassenes Sturmholz in der Ergeten bietet vielen Tieren und Pflanzen Lebensraum. (Bild: zVg)

    Liegengelassenes Sturmholz in der Ergeten bietet vielen Tieren und Pflanzen Lebensraum. (Bild: zVg)

Die Waldfläche von rund einem Hektar in der Ergeten zwischen Ramsen und Schachen wurde am 26. und 27. Februar 1990 vom heftigen Weststurm Vivian geworfen. Das Gebiet ist im Besitz der Gemeinde Herisau. Auf der Fläche ist eine Vielfalt an verschiedenen Baumarten vorhanden. Der vom Sturm schwer geschädigte Wald wurde für einen Langzeitversuch ausgewählt, um die Fähigkeit des Waldes zur Selbstregeneration beobachten zu können und eine interessierte Öffentlichkeit daran teilhaben zu lassen. Ziel ist die Wiederbestockung durch Naturverjüngung. Die Natur soll sich entfalten, es wird weder aufgeräumt, noch gepflanzt oder gepflegt. So sollen Baumarten wie Buche, Birke, Esche, Ahorn, Ulme, Kirschbaum, Stieleiche, Fichte, Aspe, Tanne und Vogelbeere wachsen. Wenige Lerchen sollen gezielte gepflanzt werden. Die Erwartung ist, dass sich eine zeitlich gestaffelte artenreiche Verjüngung ergibt.

«Unordnung» fördert die Artenvielfalt

Ein «ordentlicher», aufgeräumter Wald ist oft ein artenarmer und eintöniger Lebensraum. Je mehr Äste, Laub und Stämme liegenbleiben, je mehr Sträucher stehengelassen werden, desto mehr Kleinlebewesen fühlen sich in diesem Lebensraum wohl. Sie alle, von Insekten, Käfern, Würmern über Vögel und Siebenschläfer bis hin zu jungen Bäumchen, sind direkt oder indirekt auf dürre Bäume, vermoderndes Holz und Sträucher angewiesen. Beispielsweise der Specht, als wichtigster natürlicher Feind des Borkenkäfers, benötigt Bruthöhlen, für die ihm dürre Bäume dienen. Verfaulende Äste, Wipfel und Stämme tragen zur Humusbildung bei und schaffen ein ideales Keimbeet für junge Bäumchen.

Auf der Versuchsfläche in der Ergeten wird erwartet, dass liegengelassenes Holz langsam verfault und in sich zusammenfällt. Dies reduziert über Jahre die Bodenaustrocknung, da die Stämme über dem Boden als Windschutz wirken. Weiter erfolgt kaum Erosion, da Niederschläge gebremst werden. Schliesslich kommt es zu weniger Wildverbiss, weil die Fläche für das Rehwild schwerer zugänglich ist. Zusammen mit den verbliebenen Samenbäumen sind damit günstige Bedingungen für eine reichhaltige, natürliche Verjüngung mit verschiedensten Waldbäumen gegeben.

Versuchsfläche entwickelt sich gut

Auf der Versuchsfläche kann das Verfaulen des liegengelassenen Holzes deutlich festgestellt werden. Asthaufen und Restholze dienen diversen Tieren als Lebensraum. Markant haben sich im Gebiet auch Holundersträucher entfaltet. Verschiedene Jungbäume konnten festgestellt werden und die natürliche Verjüngung gelingt. Die Erkenntnisse, die so gewonnen werden, sind sehr interessant. Der Nutzen für die Biodiversität, deren Bedeutung für die Gemeinde nicht zuletzt das neue Biodiversitätskonzept zeigt, ist gross. Das Projekt braucht aber viel Geduld, denn eine Wald-Generation wird mindestens so alt wie drei Menschen-Generationen.

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