Zukunft mit gesundem Menschenverstand gestalten

Bei schönstem Wetter hatten sich die Leute zahlreich zur 1.-August-Feier des Bezirks Appenzell auf dem Kronengartenplatz eingefunden.

  • Der Glarner Regierungsrat Andrea Bettiga war Gastredner bei der 1.-August-Feier in Appenzell. (Bild: Myriam Schaufelberger)

    Der Glarner Regierungsrat Andrea Bettiga war Gastredner bei der 1.-August-Feier in Appenzell. (Bild: Myriam Schaufelberger)

In seiner Festrede erinnerte der Glarner Regierungsrat Andrea Bettiga an die gemeinsamen Werte und rief dazu auf, eine Zukunft mit Respekt und Vertrauen dem andern gegenüber, mit gesundem Menschenverstand gemeinsam zu gestalten. Nach musikalischen Darbietungen und dem Hierigtanz schloss der offizielle Teil mit dem gemeinsamen Singen der Nationalhymne, danach genossen Jung und Alt das gemütliche Beisammensein.

Nach einem musikalischen Auftakt der Bläser der Jungmusikanten der Harmonie Appenzell und der Stegreifgruppe der Musikgesellschaft Harmonie Appenzell begrüsste Grossratspräsident Alfred Koller die Anwesenden und freute sich, mit Regierungsrat Andrea Bettiga einen Gastredner aus dem Kanton Glarus vorzustellen, einem Kanton, der ähnliche Werte wie Appenzell Innerrhoden teile. Dies bestätigte auch Andrea Bettiga, erfreut darüber, den Festanlass in Appenzell mit seiner Rede mitgestalten zu dürfen. Obwohl er von weiter weg komme, sei es für ihn ein kleines Heimspiel, denn Appenzeller und Glarner hätten die selbe DNA: Bodenständig, zurückhaltend, mehr zuverlässiges Schaffen, weniger grosse Sprüche. Traditionen würden hochgehalten, und vor allem die Landsgemeinde, ein demokratisches Mittel, um das uns die ganze Welt beneide, ein Zeichen von Respekt und Vertrauen, das man Bürgerinnen und Bürgern zugestehe.

Die wichtigen Themen anpacken

«Was für ein Kontrast zum Geschehen, das aktuell nur 1600 Kilometer östlich von uns abläuft!», fuhr Bettiga fort. Fassungslos verfolge der Westen die Geschehnisse in der Ukraine, da stelle sich die Frage, ob der Mensch wirklich die Krone der Schöpfung sei. «Eine solche Barbarei, in einer Zeit der zivilisatorischen Hochblüte.»

Man könne nun sagen, wir hätten auch unsere Probleme, Klimawandel, Strommangellage, die uns im nächsten Winter einholen werde. Aber neben echten Problemen beschäftigten wir uns vor allem mit Dingen wie mit Hunderten von Empfehlungen zum gendersensiblen Sprachgebrauch, oder in der Debatte um weisse Berner Reggae-Sänger, deren Konzert abgebrochen wurde, was die Tücken der hypersensiblen Gesellschaft zeige. «Lösen wir uns von dieser Kultur der Empörung und wenden wir uns hin zu den wahren Problemen, zu den wichtigen Themen unserer Gesellschaft. Geben wir dem gesunden Menschenverstand den Platz, den er verdient!»

Bettiga erinnerte an 1891, die erste 1.-August-Feier als Symbol für eine stolze, unabhängige Schweiz, dann 1939 die Landi, in der wir in der damals schwierigen Situation zeigten: «Wir stehen voller Selbstbewusstsein und Freude für unsere Werte – und das dürfen wir auch.» Denn im 19. Jahrhundert sei die Schweiz noch das Armenhaus Europas gewesen, ressourcenschwach, doch durch Fleiss, Weitsicht und Innovationskraft habe man sich emporgearbeitet und «wir dürfen stolz sein auf das, was wir erreicht haben». So hätten wir seit 1939 jedes Jahr den 1. August gefeiert, «bis ein kleiner Virus Anfang 2020 auftauchte und unser politisches, wirtschaftliches und kulturelles Leben knebelt.»

Demut, Respekt und Solidarität

Bis vor wenigen Jahren hätten wir gedacht, unbesiegbar zu sein, dank ungeheurem Fortschritt in Wissenschaft, Medizin und Technik. «Vor uns stand die goldene Zukunft», fuhr Bettiga fort. «Die Corona-Krise hat uns mit einem Schlag aus dieser Selbstüberschätzung herausgerissen.» Doch vielleicht sei dies ein Wink, stattdessen mehr Demut, Respekt und Solidarität zu leben – gegenüber unseren Mitmenschen und der Natur. Gerade in unserer Gesellschaft, in der immer mehr Computer und Maschine, und weniger der Mensch im Mittelpunkt steht, brauche es genau dies.

«Lassen Sie uns unsere Zukunft gemeinsam gestalten, eine Zukunft mit Respekt und Vertrauen dem anderen gegenüber und mit gesundem Menschenverstand.» Oder wie Alfred Koller an der Grossratspräsidenten-Feier gesagt habe: Mit beiden Beinen auf dem Boden bleiben – miteinander kutschieren.

«Hören wir zu, was jemand sagt, nicht wie laut er schreit. Lassen Sie uns unsere Werte stolz vertreten, nicht nur, wenn die Nationalmannschaft spielt oder am Nationalfeiertag, sondern immer», schloss Bettiga und wünschte allen einen tollen Nationalfeiertag. Mit einem konzertanten Stück übernahm die Kapelle Sondewend und leitete über zum Hierig, getanzt von Jolina Ulmann und Luan Iten, welche mit ihrer Darbietung bei Einheimischen und vor allem auch bei den Feriengästen für Begeisterung sorgten. Nach rassigen, aber auch besinnlichen Stücken spielten die Musikanten der Harmonie dann die Nationalhymne zum gemeinsamen Singen, um dann den Abend bei geselligem Beisammensein ausklingen zu lassen.

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  • Symbolbild: bigstock

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