Wenn Pfadis zu Praktikanten werden

Ein ungewohntes Bild am Sitzungstisch in der Redaktion des «Appenzeller Volksfreundes». Für einmal sassen dort nicht die Redaktoren der Zeitung, sondern interessierte Jugendliche zwischen elf und 15 Jahren, die sich eifrig Notizen über das Gehörte machten – und die Redaktorin des «Volksfreundes» mit Fragen löcherten.

  • Dort, wo üblicherweise die Redaktionssitzung stattfindet, erhielten die Pfadis Informationen, die sie zum Erlangen ihres sogenannten «Spez» in Journalismus benötigen. (Bild: Stephanie Langkau)

    Dort, wo üblicherweise die Redaktionssitzung stattfindet, erhielten die Pfadis Informationen, die sie zum Erlangen ihres sogenannten «Spez» in Journalismus benötigen. (Bild: Stephanie Langkau)

«Ihr seid heute alle Nachwuchsjournalisten und unter Journalisten sagt man sich ‹Du›. Ich bin Martina.» So wurden sechs Pfadis und ihre beiden Leiter am Donnerstagmorgen am Schalter des «Appenzeller Volksfreundes» begrüsst. Nach einer kurz gehaltenen Führung durchs Haus, vorbei an Empfang, Druckvorstufe und Redaktion, ging es an den Tisch, wo normalerweise Themen besprochen, Termine vergeben und Ideen gesammelt werden: an der Redaktionssitzung.

Der Weg zum Spezialitätenabzeichen

Die Redaktorin, welche die Nachwuchsjournalisten begleitet, findet sich plötzlich in einer ungewohnten Situation wieder. Nicht sie stellt Fragen, sie wird ausgequetscht. Denn die Pfadis wollen heute wissen, wie man einen Artikel schreibt. Und dieses Wissen später für einen Bericht über das Erlebte nutzen. Sie machen ihren Journalismus-Spez. Für Nicht-Pfadis: «Spez» sind Spezialitätenabzeichen, die sie erlangen, wenn sie sich mit einem Thema vertiefter auseinandersetzen. Und die später auf ihr Pfadi-Hemd genäht werden. Es gibt, das lernt die Redaktorin – eine Nicht-Pfaderin – heute, Abzeichen in ganz unterschiedlichen Bereichen. Küche, Kunst, Überleben in der Natur und – eben – Journalismus, sind nur einige Beispiele.

Zurück an die «Redaktionssitzung». Die Pfadi-Praktikanten erhalten wertvolle Informationen darüber, welche Funktionen es innerhalb einer Redaktion gibt, welche Textformen sich für welche Artikel eignen und wie eine Zeitung entsteht. «Heute ist es ruhig auf der Redaktion», entschuldigt sich die Redaktorin für das Fehlen weiterer Interviewpartner. Es ist Donnerstag, also der Tag in der Woche, an dem keine Zeitung produziert wird, da freitags keine erscheint. So löchern die Pfadis diejenige, die sie herumführt.

Grosses Interesse am Journalismus

«Dieses typische Bild eines Journalisten, der nur unangenehme und kritische Fragen stellt, entspricht das der Realität?», kommt die erste Frage wie aus der Pistole geschossen. Die Redaktorin muss schmunzeln und etwas relativieren: «Eigentlich sind wir ganz oft in der Rolle eines neutralen Berichterstatters, aber ja, wenn uns eine kritische Frage auf der Zunge liegt, dann stellen wir auch diese. Denn wenn wir eine Frage haben, können wir meistens davon ausgehen, dass die Antwort auch unsere Leserinnen und Leser interessiert.»

«Was ist das Ziel einer Zeitung?», lautet die nächste Frage. «Wir wollen informieren, unterhalten, spannende Lektüre bieten und hinterfragen.» «Wie schreibt man einen spannenden Artikel?», «Wie kommt ihr an interessante Geschichten heran?», «Was benutzt ihr für ein Programm, um die Zeitung zu stylen?». Die Fragen sind gut gewählt und das Interesse am Journalismus scheint gross. Erfreut darüber entlässt die Redaktorin die Jugendlichen nach einer Stunde und ist gespannt, wie die Pfadis das gesammelte Wissen in ihrem Text umsetzen.

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