Wenn die Alpzeit zu Ende geht…

Gerade erst war es doch noch Frühling und die Sennen sind auf Ihre Alpen gezogen – und bereits steht wieder der Herbst vor der Tür.

  • Am Samstag sind die ersten Schwägalp-Sennen wieder zurückgekehrt auf ihre Höfe im Tal.  (Bilder: Monika Schmid)

    Am Samstag sind die ersten Schwägalp-Sennen wieder zurückgekehrt auf ihre Höfe im Tal. (Bilder: Monika Schmid)

Es ist Samstagmorgen früh um 6 Uhr, ein goldener Sonnenaufgang kündigt einen herrlichen Spätsommertag an. Paradiesisch ruhig ist es, auf der Potersalp trippelt ein Schöppeli Geissen zum Brunnen, in dem die frischgemolkene Milch in den Kannen zum Kühlen steht. Vor dem Stall wird derweil das Melkgeschirr gewaschen.

Auf der anderen Seite der Chammhalde die gleiche wunderbare Ruhe, jedoch sind schon «geeli Hose ond rooti Liibli» auszumachen. Man macht sich bereit fürs «Öberefahre» nach Hause ins Tal. Jeder Handgriff sitzt, ohne Hektik, man geniesst auch das Paratmachen. Ein Zäuerli wird angestimmt, was augenblicklich die Tiere von den Weiden heranlockt. Die älteren, erfahreneren Kühe spürten jeweils schon einige Tage vorher, dass es bald nach Hause gehe, erzählt einer der Alpsennen. Dann kämen sie immer mal wieder heran und guckten mit ihren grossen, treuen Augen, als wollten sie fragen, wann es denn losgehen wird.
Kaum machen sich die beiden Sennen mit den drei Senntumsschellen auf den Weg, folgen ihnen die Tiere. Die Geissen lustig voran, begleitet und geführt von «Gässmäätli ond Gässbueb». Die Kühe kommen ruhiger, die Kälber etwas überstellig mit erhobenen Schwänzen fast im Galopp.

«E schös Luege», sind sich der Seniorbauer und seine Frau einig. Auf die Frage, wie es einem an diesem Morgen gefühlsmässig gehe, überlegen sie: Naja, traurig oder wehmütig nicht direkt, man freue sich ja auch wieder auf Daheim. Und was man auf hochdeutsch nicht ausdrücken kann trifft man einmal mehr punktgenau im Dialekt: «Aagriiefig» sei es jeweils, sagt Marieluise – und augenblicklich sieht man Tränchen glitzern…

Aber die sind rasch weggeblinzelt wenn man sieht, wie sich die drei «Schönsten» gerne die grossen Schellen um den Hals legen lassen. Gleich darauf formiert sich der Zug – auch die Kälber haben sich inzwischen wieder beruhigt und so geht es wohlklingend talwärts. Je näher man Urnäsch kommt, umso mehr nimmt der Strassenverkehr zu. Kolonnenweise stehen die Autos und Motorräder am Strassenrand, Handys werden gezückt. Im Dorf säumen viele Einheimische und natürlich auch unzählige Touristen den Weg. Das Postauto kommt, zwei Cars wollen auch passieren, Velofahrer schlängeln sich durch.

Ein Polizist sorgt für reibungsloses Durchkommen und man merkt – die Ruhe der Alpen liegt jetzt definitiv hinter einem. Dafür ist man bald zu Hause, die Tiere spüren das und marschieren zügig voran. Es scheint, als geniessen Mensch und Tier die letzten wenigen Kilometer nach Zürchersmühle, Waldstatt und Hundwil auf die jeweiligen Höfe noch so richtig, was mit Singen und Zauren von Herzen kundgetan wird.
Dankbar für einen guten Alpsommer und die glückliche Heimkehr freut man sich aber bereits schon auf den nächsten Frühling – möge der Winter gemütlich und rasch vorüber gehen…

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