Wenn 64 Stimmen entscheiden

Bei einer Stimmbeteiligung von 49,09 Prozent lehnt Herisau am Sonntag den Kredit von rund 8,8 Millionen Franken zur Neugestaltung von Obstmarkt und Platz im Dorfzentrum ab. Die Entscheidung fällt hauchdünn – mit einem Unterschied von 64 Stimmen.

  • So hätte der sanierte Obstmarkt aussehen sollen. (Visualisierung: pd)

    So hätte der sanierte Obstmarkt aussehen sollen. (Visualisierung: pd)

«Die Enttäuschung ist riesig. Ein Traum ist geplatzt», sagt Peter Künzle. Er steht im Herisauer Gemeinderat dem Ressort Tiefbau/Umweltschutz vor und erklärt: «Es ist uns offensichtlich nicht gelungen, eine Mehrheit des Stimmvolkes von der Wichtigkeit und dem Sinn des Projekts zu überzeugen.» Der Gemeinderat und der Einwohnerrat hatten sich für eine Annahme ausgesprochen. Abgestimmt wurde über einen Verpflichtungskredit für die Sanierung Obstmarkt/Platz über 8’810’000 Franken. Bei einer Stimmbeteiligung von 49,09 Prozent waren 2365 Stimmberechtigte für die Vorlage, 2429 dagegen.

«Ich fühle einfach Leere»

Nur 64 Stimmen gaben also den Ausschlag. Macht dies das Ergebnis besonders bitter? «Das ist schwierig zu sagen. Ich fühle vor allem einfach Leere.» Künzle erzählt, man habe sich im Vorfeld der Abstimmung überlegt, welches die Knackpunkte sein könnten – die Kosten, die Aufhebung der Parkplätze, die Grösse des Projekts. «Aber diese Dinge lassen sich immer bringen.» Von einem «Herisauer Heiligtum» spricht er im Zusammenhang mit den Parkplätzen. Diese seien auch nach der Abstimmung vom Sonntag nicht «geschützt».

Eine grosse Chance verpasst?

Der Gemeinderat wird das weitere Vorgehen beraten. «Einige dringende Vorhaben sind wir nicht angegangen wegen des Gesamtprojekts», erklärt Künzle. Nun sei eine Auslegeordnung vorzunehmen und punktuell zu entscheiden: Was ist kurzfristig zwingend zu unternehmen? Was hat Zeit? Der Kanton steht zudem in der Pflicht, die Bushaltestellen behindertengerecht zu gestalten. In einer Mitteilung dankt das überparteiliche Komitee «Ja zu Obstmarkt und Platz» für die Unterstützung in den vergangenen Wochen. Es zeigt sich sehr enttäuscht über den Ausgang der Abstimmung und spricht davon, dass Herisau eine grosse Chance für die Aufwertung des Zentrums verpasst habe.

SVP-Präsident nicht überrascht

Gross ist dagegen die Freude bei Reto Sonderegger, dem Präsidenten der SVP Herisau. Seine Partei war die einzige, die sich offiziell gegen den Kredit stark gemacht hatte. Sonderegger meint: «Überrascht bin ich nicht vom Ergebnis. Es gab über die Partei hinaus Anzeichen von Ablehnung.» Diese habe er in Gesprächen und beim Blick in die sozialen Netzwerke gespürt. Mitentscheidend sei gewiss gewesen, dass das Projekt die Abschaffung der Parkplätze vorgesehen hatte. «Darauf lag ja unser Fokus im Abstimmungskampf.»

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