Welturaufführung einer musikalischen Velotour

In der «sinfonischen Stobete» der Geschwister Küng und des Sinfonischen Orchesters Arbon wurde die Komposition «Von Appenzell nach Arbon» von Roland Küng erstmals aufgeführt.

  • Das Sinfonische Orchester Arbon und die Original Appenzeller Streichmusik Geschwister Küng gestalteten eine wunderbare «Sinfonische Stobete»: mit Volkmusik für grosses Orchester arrangiert und der Uraufführung der Komposition «Von Appenzell nach Arbon» von Roland Küng. (Bilder: Monica Dörig)

    Das Sinfonische Orchester Arbon und die Original Appenzeller Streichmusik Geschwister Küng gestalteten eine wunderbare «Sinfonische Stobete»: mit Volkmusik für grosses Orchester arrangiert und der Uraufführung der Komposition «Von Appenzell nach Arbon» von Roland Küng. (Bilder: Monica Dörig)

Die musikalische Reise hat der Innerrhoder Volksmusiker, Komponist, Hackbrettvirtuose und Schulmusiker in einem bildhaften Tongedicht erzählt. Von Arbon nach Appenzell reiste das Sinfonische Orchester Arbon, um es am Samstagabend uraufzuführen. Weitere Aufführungen fanden am Sonntag im ausverkauftem Presswerk in Arbon statt. Das Publikum nahm das vielschichtige Werk begeistert auf. Und auch die folgenden für Orchester bearbeiteten Volksmusikstücke liessen es jubeln.

Zu erleben, wie Volksmusik klingen kann, wenn sie statt von ein Handvoll Instrumenten von 60 Geigen, Celli, Kontrabässen und einem breiten Sortiment von Holz- und Blechblas- sowie vielfältigen Perkussionsinstrumenten gespielt wird, ist wahrlich ein Ereignis. Vor allem wenn die Noten der Stücke von den Arrangeuren nicht einfach vervielfacht, sondern um unerwartete Klangfarben erweitert wurden, wenn Motive durch überraschende Instrumentierung betont werden und wenn musikalische Ideen die Gehörgänge kitzeln. Volkstümliche Kompositionen erklingen zwar immer noch mit dem typischen Etwas, aber tiefgründig schillernd wie romantische klassische Musik, wenn die Musizierenden – in diesem Fall das semiprofessionelle Sinfonische Orchester Arbon – nicht einfach Noten spielen, sondern sich in die Mentalität einfühlen.

Roland Küng hat eigene und traditionelle Appenzeller «Stöckli» für das Orchester arrangiert. Die Geschwister Küng (Clarigna Küng und Philomena Schumacher, Violinen, Cellist Matthieu Gutbub, Bassist Peter Kosak und Roland Küng am Hackbrett) spielten sie als Solisten mit dem Sinfonischen Orchester – eine hinreissende Kombination.

Das Arboner Orchester spielte beeindruckend feinfühlig: Der Dirigent gibt den Instrumenten Raum, so dass selbst hauchzarte Geigentöne sich entfalten können und das Vibrieren der Basssaiten zuhinterst im Saal ankommt. Er lässt den Interpreten und der Musik Zeit:  Zeit kontemplative Klänge wirken zu lassen; Zeit träumerische Streicherpassagen sich auszubreiten und virtuos gespielte Klarinetten- und Flötenkadenzen in den Klangraum steigen zu lassen. Der Chor der Blechbläser darf strahlend aufspielen; immer wieder funkeln einzelne Stimmen im sinfonischen Gewirk. Die fabelhaften Perkussionisten verliehen den Werken Pfeffer und Herzklopfen.

Auch die von Florian Walser für das Tonhalle-Orchester Zürich bearbeiteten Schweizer Volksmusik-Ikonen in der Suite Swiss Roots bekamen Tiefe und Fülle. Weil sein Projekt für grosses Orchester und Chor gedacht ist, verstärkten die wie stets exzellent aufspielenden Geschwister Küng den Klangkörper, damit dieser auch als Chor agieren konnte. Das Publikum wurde ebenfalls eingespannt: Drei traditionelle Lieder wurden mit Orchesterbegleitung gemeinsam gesungen – herzanrührend schön. Die Zuhörenden wurden Teil der einzigartigen «sinfonischen Stobete».

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