«Was ist euer Wundermittel?»

600 Jahre Kloster Grimmenstein: Am Sonntag, 9. Juni, haben die sechs Schwestern des Klosters Grimmenstein mit Bischof Markus Büchel, Seelsorgern und vielen Gästen Jubiläum gefeiert. «Was trägt eine Gemeinschaft durch sechs Jahrhunderte?», fragte Markus Büchel in seiner Predigt.

  • Die Schwesterngemeinschaft des Klosters Grimmenstein mit Bischof Markus Büchel. (Bilder: zVg)

    Die Schwesterngemeinschaft des Klosters Grimmenstein mit Bischof Markus Büchel. (Bilder: zVg)

  • Frau Mutter Maria Daniela Milz mit einer Kostprobe des Grimmensteiner Kräuterlikörs. Er ist nicht zum Einreiben …

    Frau Mutter Maria Daniela Milz mit einer Kostprobe des Grimmensteiner Kräuterlikörs. Er ist nicht zum Einreiben …

  • Alt Ständerat Ivo Bischofberger erzählte kurzweilig aus der Klostergeschichte.

    Alt Ständerat Ivo Bischofberger erzählte kurzweilig aus der Klostergeschichte.

  • Interessante Begegnungen und Gespräche.

    Interessante Begegnungen und Gespräche.

  • Am Jubiläumsfest bot sich den Anwesenden die seltene Gelegenheit, den herrlich angelegten Klostergarten zu besichtigen.

    Am Jubiläumsfest bot sich den Anwesenden die seltene Gelegenheit, den herrlich angelegten Klostergarten zu besichtigen.

  • Gebanntes Zuhören während des Referats von Ivo Bischofberger.

    Gebanntes Zuhören während des Referats von Ivo Bischofberger.

«Ihr hängt nicht alles an die grosse Glocke, was ihr wirkt für die Menschen und für die Kirche», sagte Bischof Markus Büchel im Festgottesdienst zum Jubiläum des Klosters Grimmenstein. Er zitierte aus dem Evangelium, das jeweils am Festtag des heiligen Franziskus gelesen wird und in dem es zusammenfassend heisst: Auch die Gelehrtesten sind klein und hilflos, wenn es darum geht, in das innere Geheimnis Gottes einzudringen. Gott offenbart sich, wem er will und wem er kann. «Er offenbart sich denen, die sich ihm öffnen und die ihn suchen», sagte Markus Büchel. Dieser Geist lebe in der franziskanischen Spiritualität. Der Bischof sprach ein wesentliches Thema an für die Kirche von heute und zitierte dazu Papst Franziskus: «Wir müssen uns mehr um die Substanz kümmern als um die Strukturen, um Inhalt anstatt um äussere Gestalt.» Worte, die im Kloster Grimmenstein auf fruchtbaren Boden fallen.

Anschliessend an den Gottesdienst waren alle zum Fest geladen, erstmals wurde dafür die Klausur für viele Gäste geöffnet, unter ihnen die Föderationsoberin der Kapuzinerinnen, Schwester Sabine Lustenberger, und Vertretungen aus der Politik wie Kastenvogt Roland Inauen, regierender Innerrhoder Landammann. Bei Speis und Trank gab es viele Begegnungen und Gespräche. Yannik Frei, Kirchenverwaltungsratspräsident und OK-Chef, war begeistert. Die Klosterkirche Grimmenstein ist zugleich die Kirche der Diasporapfarrei Walzenhausen, darum ist die Beziehung der Pfarrei zum Kloster traditionell eng. Auch der wunderschöne Klostergarten sowie der Kreuzgang mit einem Franziskus-Zyklus von Pater Hesso waren an diesem Tag ausnahmsweise geöffnet, viele nutzten die seltene Gelegenheit, sich im Blumen-, Gemüse und Kräuterparadies umzuschauen.

Kräuter haben für verschiedenste Klosterprodukte eine grosse Bedeutung. Dazu erzählte Frau Mutter Maria Daniela Milz eine heitere Episode: Eine Frau hatte angerufen und sich begeistert gezeigt vom Klosterlikör. Dieser war von der Kundin nicht eingenommen, sondern eingerieben worden. Dass das Wundermittel etwas klebrig gewesen sei, habe die Frau nicht gestört, es habe ihr enorm geholfen bei ihren Kniebeschwerden. Herzhaftes Gelächter der Gäste folgte auf diese amüsante Geschichte, alle durften eine Kostprobe des «Einreibemittels» mit nach Hause nehmen.

Der ehemalige Ständerat Ivo Bischofberger gab in einem Referat einen kurzweiligen Einblick in die lange Klostergeschichte. Am 22. April 1424 war die «Hofstatt und Hofraite des Walzenhausens in dem Gremenstein (…)» den darin wohnhaften Waldschwestern «ledig und los» übergeben worden. Es folgte eine wechselhafte Geschichte der Gemeinschaft. Die ehemaligen Beginen unterzogen sich Mitte des 16. Jahrhunderts der Regel des heiligen Franziskus und Dominikus, nach und nach wurden das geregelte Chorgebet und strenge Klausurvorschriften umgesetzt. Bis heute gehört das Kloster innerhalb der Mauern zu Innerrhoden, ausserhalb der Mauern zu Ausserrhoden, was mit den Wirren der Reformationszeit zu tun hat. Immer wieder sind Schutzbriefe für den Weiterbestand des Klosters abgeschlossen worden, mehrere energisch handelnde Frau Mutter des Klosters erwiesen sich als geschickte Diplomatinnen in eigener Sache. In der Klostergeschichte gab es weiter Brände und Neubauprojekte zu meistern. 1612 erschien erstmals der Name der Klosterpatronin Ottilia in einer Weiheurkunde. Ein Meilenstein war die definitive Klärung der Rechts- und Territorialverhältnisse der Frauenklöster – Wonnenstein ist betreffend die Kantonszugehörigkeit in derselben Situation wie Grimmenstein. Ivo Bischofberger schloss sein Referat mit den bei den Schwestern erfragten Wünschen zur vergangenen wie zur künftigen Ausrichtung des Klosters: «Treue zur katholischen Kirche, zur franziskanischen Ordensregel, die Liebe zur Anbetung (seit dem 3. Mai 1860) sowie die Sorge um die Kranken und Leidenden durch die Arbeit in der Apotheke.»

Mit Dankesworten von Frau Mutter Maria Daniela Milz wurde der Rückblick in der Kirche abgeschlossen. Es folgten weitere schöne Begegnungen bei einem feinen Dessertbuffet. Das Fest zu 600 Jahren Kloster Grimmenstein wurde fröhlich gefeiert, und die Geschichte ist noch nicht fertig geschrieben.

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