Vor 100 Jahren verstarb Alfred Tobler

Am 9. September 1923 verstarb mit Dr. h.c. Alfred Tobler in Heiden der bedeutendste Appenzeller Volkskundler. Unvergessen bleibt er dank seiner Bücher, und mit dem Titel «Der Appenzeller Witz» ist ihm ein Meisterwerk gelungen.

  • Der vor 100 Jahren verstorbene Dr. h.c. Alfred Tobler, Heiden, hat sich intensiv mit dem Gesang, der Musik und dem Witz in beiden Appenzell befasst. (Bildrepro: Peter Eggenberger)

    Der vor 100 Jahren verstorbene Dr. h.c. Alfred Tobler, Heiden, hat sich intensiv mit dem Gesang, der Musik und dem Witz in beiden Appenzell befasst. (Bildrepro: Peter Eggenberger)

«Den Bräuchen im Appenzellerland ist niemand so gründlich und liebevoll nachgegangen wie der Vorderländer Alfred Tobler. Er widmete sich in seinem ganzen Leben der Volkskunde, um die er sich grosse Verdienste erwarb. 1914 zeichnete ihn die Universität Zürich mit dem Ehrendoktorat aus», schreibt Historiker Walter Schläpfer im Buch «Geschichte von Appenzell Ausserrhoden».

Theologe und Konzertsänger

1845 in Teufen als Sohn eines Schulmeisters geboren, studierte Tobler in Basel Theologie. «Als Prediger nicht gerade erfolgreich, wandte er sich der Musik zu, als er durch Heirat mit einer wohlhabenden Zürcherin Gesangsstudien in Stuttgart und Frankfurt absolvieren konnte. Bis 1889 hatte er schöne Erfolge als Konzertsänger», würdigt Schläpfer seinen Landsmann Tobler. Nach dem Tod seiner Frau zog er nach Wolfhalden und später nach Heiden, wo er sich nun voll auf volkskundliche Studien konzentrierte.

Förderer der Streichmusik

Als erstes volkskundliches Buch erschien 1890 «Kühreihen, Jodel und Jodellied in Appenzell». Als ausgebildeter Sänger kannte er das Zauren und Ruggusserle in all seinen Versionen in Ausser- und Innerrhoden. Ebenfalls 1890 publizierte er das Werk «Sang und Klang aus Appenzell», und 1903 erschien die Abhandlung «Das Volkslied im Appenzellerland». Dazu Walter Schläpfer: «Tobler dürfte zudem einer der ersten Volkskundler gewesen sein, der die Schönheiten der heute wieder so geschätzten Streichmusik erkannte.» 

Zum «Witzologen» geworden

Intensiv befasste sich Tobler aber auch mit dem Kulturgut Appenzeller Witz. Walter Schläpfer: «Das berühmteste, am häufigsten gelesene und am meisten geplünderte Buch Toblers ist jedoch die Sammlung ‹Der Appenzeller Witz›. Er versah das Buch mit einer lesenswerten Einleitung, die von seiner grossen Liebe zu Land und Leuten zeugt.» Das Buch erschien 1902 im Nebelspalter Verlag und wurde mehrmals nachgedruckt.

Heiden als Witz-Zentrum geprägt

Tobler begründete Heidens Ruf als Zentrum des guten Appenzeller Witzes. Er förderte mit dem Heidler Mundart-Dichter und Humoristen Jakob Hartmann alias «Chemifeger Bodemaa» (1876-1956) seinen Nachfolger. Mit Lehrer Ruedi Rohner (1923-2009) war ein weiterer Einwohner Heidens der von Tobler vorgegebenen Linie verpflichtet, wobei Rohners Witzbücher nach wie vor erhältlich sind.

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