Vier Namen – vier Mal Genuss: Adventskonzert in Herisau

Am Freitag, 1. Dezember, machte das Appenzeller Kammerorchester in der reformierten Kirche Herisau den Auftakt zu drei Konzertabenden. Am kommenden Wochenende tritt es mit dem gleichen Programm unter dem Titel «concertare» in Speicher und Gais auf.

  • Das Kammerorchester debütierte mit dem Programm «concertare» in Herisau. (Bild: Martin Hüsler)

    Das Kammerorchester debütierte mit dem Programm «concertare» in Herisau. (Bild: Martin Hüsler)

Zufriedene Gesichter reihum und allenthalben ein «Isch da schöö gsee!» Das Konzertpublikum trat beglückt in die Herisauer Dezembernacht hinaus. Anderthalb genussvolle Stunden hatte es eben erlebt, ermöglicht dank des Appenzeller Kammerorchesters, das unter der vortrefflichen Leitung von Jürg Surber beseelt und begeisternd musizierte.

Beginn mit Barock

Was für ein zauberhafter Einstieg! Nur schon die Largo-Einleitung zum viersätzigen Concerto e-Moll für Traverso und Blockflöte von Georg Philipp Telemann (1681 – 1767) liess des Tages allfällige Mühen sogleich in den Hintergrund rücken. Das im Stehen spielende Orchester wurde in der Folge über das Allegro und das zweite Largo bis hin zum energiegeladenen Presto, das am Ende des Konzerts als Zugabe nochmals ertönte, zum akkuraten Begleiter der beiden in den Mittelpunkt rückenden Solistinnen. Annina Stahlberger mit der Blockflöte und Renate Sudhaus mit der Traversflöte, beide absolut auf der Höhe ihrer Aufgabe, verliehen dem doppelten Solopart die erforderliche Innigkeit und liessen in ihrer Zwiesprache viel Subtilität erkennen. Wenn es eines weiteren Beweises bedurft hätte, dass der Block- und der Traversflöte ein gleichwertiger Platz in der Instrumentenfamilie gebührt, hier wurde er geliefert. Mit dem Concertino Pastorale des Briten John Ireland (1879 – 1962) nahm das Appenzeller Kammerorchester das Publikum in eine andersgeartete Klangwelt mit. Der Komponist orientierte sich in seinem dreisätzigen Werk an der Idylle, wie man sie gerne mit Hirten in Verbindung bringt. Aber Hirten sind auch vor Unbill nicht gefeit, so dass ihnen Anlass zu Seufzern gegeben ist. Im mittleren, mit «Threnody» überschriebenen Satz wurde diese wehklagende Stimmung trefflich herausgearbeitet. Gelegentlich erinnert Irelands Musik ganz entfernt an jene Edward Elgars. Jedenfalls erweist sich dieses rhythmisch gerade in der abschliessenden Toccata anforderungsreiche, von vielen Pizzicati gekennzeichnete Concertino als eine lohnende Aufgabe für ein Kammerensemble.

Selten gehörtes Cellokonzert

Wären sie doch bekannter, all diese Kleinmeister, wie man sie etwas despektierlich nennt. Zu ihnen gehört Johann Wilhelm Hertel (1727 – 1789). Er hinterliess ein beachtliches Oeuvre, ist aber, wie so viele, in Vergessenheit geraten. Umso verdienstvoller, dass Jürg Surber mit seinem Orchester solche Kleinmeister immer wieder in die Gegenwart herüberholt. Aktuell ist es Hertels Konzert a-Moll für Cello und Streicher, das Marie-Louise Dähler am Cembalo ergänzt. Die dreisätzige Komposition darf sich wahrhaftig hören lassen und wärmt das Herz. Bettina Messerschmidt, der man unter anderem auch in den Konzerten der J.S. Bach-Stiftung begegnen kann, gab dem Solopart wunderbare Ausformung.
Den Abschluss des Konzertes bildete die kurze Pastorale «per la notte di natale» von Johann David Heinichen (1683 – 1729), Musik von lieblicher Schlichtheit, die unwillkürlich weihnachtliche Stimmung aufkommen liess. Und wohl jede und jeder dachte bei sich: Dieses Appenzeller Kammerorchester ist ein Glücksfall für das Appenzellerland.

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