Versuchen, den «richtigen Ton» zu finden

Das Gelöbnis der Vorfahren vor langer, langer Zeit liess dieses Jahr am zweiten Sonntag im Monat Mai wieder wie gewohnt viele Appenzellerinnen und Appenzeller früh aufstehen. Sie taten dies aber nicht nur, um das Versprechen der Vorfahren einzulösen, sondern auch, um sich selber etwas Gutes zu tun.

  • In Erinnerung an die Schlacht von 1405 findet jedes Jahr eine Gedenkwallfahrt von Appenzell zum Stoss statt. (Bilder: Josef Fritsche)

    In Erinnerung an die Schlacht von 1405 findet jedes Jahr eine Gedenkwallfahrt von Appenzell zum Stoss statt. (Bilder: Josef Fritsche)

  • Vom Sammelplatz in Meistersrüte aus zogen die Appenzeller damals in die Schlacht.

    Vom Sammelplatz in Meistersrüte aus zogen die Appenzeller damals in die Schlacht.

  • Ratschreiber Markus Dörig verliest den «Schlachtbrief», worin auch das damalige Geschehen beschrieben ist.

    Ratschreiber Markus Dörig verliest den «Schlachtbrief», worin auch das damalige Geschehen beschrieben ist.

  • Über die «Möser» geht's an Gais vorbei Richtung Stoss.

    Über die «Möser» geht's an Gais vorbei Richtung Stoss.

  • Standespfarrer Lukas Hidber bei seiner Predigt; im Vordergrund die Behördemitglieder.

    Standespfarrer Lukas Hidber bei seiner Predigt; im Vordergrund die Behördemitglieder.

Stosswallfahrt bedeutet nämlich, sich in den frühen Stunden eines – diesmal zwar frischen, aber regenfreien – Sonntagvormittags zu Fuss von Appenzell auf den Weg Richtung Sammelplatz zu machen, sich dort bewusst zu werden, aus welchem Grund man überhaupt gemeinsam mit andern unterwegs ist, sich dann über die Möser auf den Weg Richtung Stoss zu begeben, um dort einem Gottesdienst mit einer kurzen Predigt beizuwohnen und…

Vieles war, wie es immer war. Und doch gibt es auch bei solchen Anlässen immer wieder kleine Neuerungen. Die Teilnehmerzahl ist immer schwankend, aber heuer war es wieder eine recht grosse Schar, die sich die Stosswallfahrt nicht entgehen liess. Bei den offiziellen Vertretern an der Spitze des Zuges war die Gruppe der Bezirkshauptleute erstmals seit 150 Jahren um ein Paar kleiner, weil Schwende und Rüte nicht mehr vier, sondern seit letztem Sonntag nur noch zwei Hauptleute haben.

Die Musikgesellschaft Harmonie Appenzell spielte wie gewohnt schon vor dem Abmarsch vor dem Rathaus, begrüsste den Wallfahrtszug danach beim Sammelplatz und dann auch wieder beim Stoss, begleitete den Gottesdienst und spielte nach dem Gottesdienst beim Stoss noch eine etwas grössere Anzahl an Stücken, weil das Gasthaus Stoss diesmal geschlossen blieb und sich alle – diesmal auch die Standeskommission, das Kantonsgericht und die Hauptleute – draussen im Freien mit Wurst und Brot verpflegten.

Der Standespfarrer Lukas Hidber erhielt sogar noch ein Geburtstagsständchen, nachdem er für seine kurze Predigt für sich selber und als Symbol für seine Predigtworte die Stimmgabel angeschlagen hatte. Er zeigte auf, wie wichtig es sei, selber auch immer wieder den richtigen Ton zu finden und immer wieder darauf zu achten, welche Stimmen einem als Mensch, aber auch als Gemeinschaft weiterbringen. Er wünschte, dass diejenigen Stimmen am meisten Beachtung bekommen, welche Geborgenheit und Vertrauen versprechen.

Die meisten Wallfahrer nahmen um 09.40 gerne im ersten Extrazug Platz, um sich im geheizten Wagen – nach dem frostigen Wind draussen – schon zeitlich am Vormittag wieder nach Appenzell zurückbringen zu lassen.

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