Unglaublech bunt und unglaublech groovy

Am Samstagabend startete «UnglauBlech», die achtköpfige Schweizer Blechbläserformation mit hervorragendem Ruf, ihre Geburtstagstournee. Seit zehn Jahren begeistern die virtuosen Profimusiker mit vielschichtigen, erfrischend anderen, bunten Programmen – so auch am open air-Konzert am Platteneck in Appenzell.

  • So bunt wie ihre Anzüge waren die Darbietungen von «UnglauBlech».  (Bilder: Monica Dörig)

    So bunt wie ihre Anzüge waren die Darbietungen von «UnglauBlech». (Bilder: Monica Dörig)

Zu Beginn der sommerlichen Serenade von «Unglaublech» am Platteneck in Appenzell dominierten komplexe jazzige Kompositionen. Die gegen hundert Zuhörenden kamen in den Genuss einer Aufführung der Auftragskomposition, die Claudia Döfflinger, Dozentin für Jazz an der Luzerner Hochschule, zum zehnten Geburtstag der achtköpfigen Formation aus Blechbläsern geschaffen hat. Die Suite, bestehend aus 16 Teilen, evoziert nach einem sphärisch dunklen Intro vielfarbige Stimmungen, in denen die virtuosen Instrumentalisten brillieren – Markus Graf, Marc Jaussi und Thomas Roth (Trompeten), Florentin Setz, David Rufer (Posaunen), Christian Plaschy (Bassposaune), Sepp Zürcher (Tuba), Michael Süess (Schlagzeug).

Drei Trompeten, drei Posaunen und eine Tuba sowie ein Drumset gestalten die vielschichtige Klangkapitel mit beeindruckender Klangvielfalt: Die Musiker beherrschen sowohl den lyrischen Ton als auch den treibenden Groove und die Klangfarben dazwischen. Man merkte, im Publikum gab es Liebhaberinnen und Kenner: Intermezzi und Soli ernteten Zwischenapplaus. Das Werk wird auf der Jubiläums-CD zu hören sein, die im Herbst herauskommt, wie Sepp Zürcher bestätigte. Er und Markus Graf kommen aus Gonten und sind wie ihre Bandkollegen aus anderen Teilen der Schweiz Profimusiker. In Appenzell startete am Samstag ihre kleine Jubiläumstournee, die in den Thurgau, ins Luzernische und ins Bernbiet führt. 

Vor zehn Jahren hat Sepp Zürcher «UnglauBlech» gegründet und seither treten die in Orchestern und Bands mitwirkenden und an Musikschulen tätigen Musiker mit anspruchsvollen und begeisternden Programmen über ein Dutzend Mal pro Jahr auf. Auch während der Coronazeit erfreuten sie Menschen mit unkonventionellen Auftritten. Im Lauf der Dekade habe sich das Repertoire natürlich verändert, so Sepp Zürcher. «Es gab vor sechs Jahren einen grösseren personellen Wechsel und wir werden demnächst in neuer Besetzung spielen. Die Gründe dafür sind vor allem private Veränderungen», antwortete er. «Jeder Musiker bringt sein Talent und neue Impulse ein. Wir komponieren und arrangieren; die individuellen Einflüsse prägen unser Programm.»

Die zweite Hälfte des Platzkonzerts mit Kollekte – das Kulturamt Appenzell Innerrhoden hat es unterstützt – bot melodiösen Arrangements von Hits von Gloria Estefan oder Herbie Hancock. Flinke Wechsel von Toarten und Tempi kitzelten die Ohren. Da war ein bisschen Balkanbrass herauszuhören, Swing, Bebop und Funk; die Bläser fanden sich zu sattem Bigbandsound zusammen und sinfonischer Dichte etwa in der zauberhaften Interpretation von «Kiss From A Rose» (Seal). So bunt wie ihre Anzüge waren die Darbietungen: Den Abschluss machte ihr grösster Youtube-Hit, wie Moderator Markus Graf verriet: Die Titelmusik der Trickfilmserie «Flintstones». Das Publikum erklatschte sich rhythmisch zwei hinreissende Zugaben. 

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