Stääner Dorferkundung der Lesegesellschaft

Irina Bossart, Historikerin und Pfarrerin der Gemeinde Stein, wusste in ihren Bann zu ziehen und mitzureissen. Die etwa 50 Mitwanderer, welche dem Aufruf der Steiner Lesegesellschaft gefolgt waren, kamen zur kultur-historischen Steiner Dorferkundung, organisiert durch Bettina Bernhardsgrütter.

  • 50 Personen waren bei der Stääner Dorferkundung mit historischen Bildtafeln dabei. (Bilder: Marlies Longatti)

    50 Personen waren bei der Stääner Dorferkundung mit historischen Bildtafeln dabei. (Bilder: Marlies Longatti)

Die Zeitreise begann beim Rössli am Dorfplatz, ehemals Wirtschaft und Bäckerei, dem Gründungsort der Steiner Lesegesellschaft vor 170 Jahren als ältester Verein der Gemeinde, welche ihrerseits als jüngste Gemeinde des Kantons vor 275 Jahren ihren Ursprung fand. Die wichtigsten Punkte in der Geschichte verfolgend, führte die Route via Heubauernhaus (Gremplerei, wo Alpkäse gelagert wurde), zur alten Post (Gemeinderat regte 1893 die Errichtung einer Poststelle an), weiter zur Brauerei (Brauereibetrieb von 1858 bis 1910). Dann zum Heidenhaus im Horgenbühl, wo die Zuhörer viel Wissenswertes über den Flachsanbau seit dem 15. Jahrhundert, der Ablösung durch die importierte Baumwolle ab 1720, bis zur Herstellung von Mousseline durch mehrere Steiner Fabrikanten erfuhren.

Ein weiterer Höhepunkt für viele, denen nur der Doppelmord auf dem Säntis ein Begriff ist, gipfelte in der gruseligen Schilderung zum Steiner Doppelmord. Ein Raubmord im Horgenbühl um 1817, welcher nie restlos aufgeklärt wurde. Mutmasslicher Hintergrund war ein Vulkanausbruch in Indonesien 1815, dem zufolge der Sommer 1816 nicht stattgefunden hatte und eine grosse Hungersnot mit bitterer Armut und grossem Leiden nach sich zog. Kultureller und kulinarischer Schlusspunkt war der Ausklang im Sonder.

Ein Dank geht an Irina Bossart und der Lesegesellschaft Stein, deren Ziel zwar heute nicht mehr das gemeinsame Lesen ist, jedoch weiterhin das Vermitteln von Informationen beinhaltet. In der heutigen Zeit würde man die Lesegesellschaft als Kulturverein bezeichnen. So werden zum Beispiel Theater-Abende, Führungen durch Baustellen wie auch Buchvorstellungen organisiert. Und: Das Programm bestimmen die Mitglieder.

3
0

Weitere Artikel

  • Psychiatrische Zentrum Appenzell Ausserrhoden (PZA) Krombach

Schreibe einen Kommentar