Seit vierzig Jahren Stromer für die Gemeinde

Heute müsste Rolf Niederer drei verschiedene Berufe erlernen, vor vierzig Jahren war es ein einziger: Elektromonteur, landläufig als Stromer bezeichnet.

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Es ist die Technik, welche sich enorm verändert hat. Aus dem Elektromonteur wurden der Elektroinstallateur EFZ, Netzelektriker EFZ und Telematiker EFZ. Hatte man früher eine Steckdose, einen Lichtschalter und eine Lampe pro Zimmer, sind es heute verschiedene Beleuchtungskörper, mehrere Steckdosen und Zugänge zur Kommunikation mit der weiten Welt. Ausserdem ist Walzenhausen östlich von St. Gallen Vorreiter in Sachen Glasfaserkabel und damit schnellster Internetzugänge. Diese Sparte war vor vierzig Jahren, als Rolf Niederer bei Karl Fässler seine Lehre im Güetli begann, noch gänzlich unbekannt. Der Strom wurde über ein Freileitungsnetz ins Haus gebracht, Niederer zog diese im Birkenfeld und im Almensberg noch selbst ein, später wurde alles nach und nach in den Boden verlegt. Bis zur Pensionierung von Rolf Niederer sollten sämtliche Freileitungen abmontiert sein. Gänzlich verschwunden ist auch das aufwändige Vergiessen der Netzenden von Papierbleikabeln, mit einer heissen Teermasse. Heute sind die Verschlüsse aus Kunststoff und bedürfen nicht mehr der stundenlangen Bearbeitung.

Chefmonteur Netze
Heute arbeitet Rolf Niederer als Chefmonteur Netze. Dabei ist er zuständig für die Stromversorgung bis zum Gebäude sowie schnelle Internetleitungen aus Glasfaser. Er arbeitet mit bis zu zwölf Mitarbeitern, je nach grösse der Baustelle, und erledigt von der Installation bis zur Kontrollmessung sämtliche Jobs in diesen Bereichen. War die Branche nach der Lehre 1977 überlaufen und jeder froh, einen Arbeitsplatz zu haben, besteht heute ein grosser Mangel an Facharbeitern. Trotzdem bleibt Rolf Niederer der Gemeinde Walzenhausen und damit dem EW treu, der interessanten und äusserst vielseitigen Arbeit wegen. Ausserdem besteht ein von ihm geschätzte kurze Arbeitsweg, wohnt er doch im Leuchen. Die speziellsten Baustellen in den vergangenen vier Jahrzehnten waren die MZA, die Hermann AG sowie das Glasfasernetz der Gemeinden Rheineck und Walzenhausen, wobei in unserer Gemeinde bereits siebzig Kilometer davon verlegt wurden. Ausserdem stellte der Spannungsumbau von 10’000 auf 20’000 Volt im Netz eine besondere Herausforderung. Ziel eines jeden Stromers ist und bleibt die Versorgungssicherheit sowie der Unterhalt und die Erweiterung der Infrastruktur ohne Stromunterbrüche. «Am schönsten ist es, wenn der Kunde nicht merkt, dass wir gearbeitet haben», sind sich Frunz und Niederer einig.

Prioritäten setzen
EW-Leiter Daniel Frunz schätzt an seinem Elektromonteur vor allem seine Gabe, Prioritäten zu setzen, denn in diesem Beruf sollte man vielfach «sieben Sachen» miteinander machen. Was die Zukunft «strommässig» noch bringen wird ist unklar. Einzig der Wandel sei sicher. Bis zur Pensionierung von Rolf Niederer in neun Jahren wird das intelligente Strommetz, die Produktion nach Verbrauch und nicht umgekehrt, eine neue Herausforderung sein. Ausserdem wird die Marktliberalisierung gut beobachtet. Stünde er wie vor vierzig Jahren vor der Berufswahl, würde der Walzenhauser nochmals dieselbe Entscheidung treffen, denn er ist nach wie vor von der Vielfältigkeit, der Technik und der guten Walzenhauser Infrastruktur fasziniert. Zudem schätzt er den Kontakt zu Mitarbeitern, Kunden und der Bevölkerung. Sein Fazit: «Ich habe es nie bereut, ein Stromer zu sein!»

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  • (Symbolbild: hr)