Sakristane des Bistums St.Gallen tagten in Brülisau

Am Mittwoch fand in Brülisau die 137. Hauptversammlung der Sakristaninnen und Sakristane des Bistums St.Gallen statt.

  • Die Neueintretenden: Lydia Hehli und Monika Dobler aus Schwende, Ida Wetter aus Gonten, Marlis Inauen aus Bernhardzell und Saman Khammu aus Wittenbach (von links). (Bilder: Monika Schmid)

    Die Neueintretenden: Lydia Hehli und Monika Dobler aus Schwende, Ida Wetter aus Gonten, Marlis Inauen aus Bernhardzell und Saman Khammu aus Wittenbach (von links). (Bilder: Monika Schmid)

  • Für 20 Jahre Mesmerdienst geehrt: Albert Manser aus Brülisau.

    Für 20 Jahre Mesmerdienst geehrt: Albert Manser aus Brülisau.

  • Impressionen von der Tagung in Brülisau.

    Impressionen von der Tagung in Brülisau.

Schon die Anreise war eine wahre Freude an diesem herrlichen Spätsommermorgen. Bei Kaffee und Gipfeli, gesponsert von der Kirchverwaltung Brülisau, herrschte schnell rege Wiedersehens- und Kennenlernfreude. Dadurch frisch gestärkt und vollends aufgeweckt, begab man sich in die Kirche. Dort begrüsste Standespfarrer Lukas Hidber erfreut die rund 160 Sakristaninnen und Sakristane, die Gäste und speziell Landammann Roland Inauen. Er schätze es sehr, dass der Landammann sich die Zeit für einen Besuch genommen habe und sogar noch einen Einblick in die Kirchengeschichte geben konnte, sagte Hidber.

Schlüsselfiguren

Pfarrer Hidber zelebrierte mit Roland Casutt (Präses der Sakristane im Fürstentum Lichtenstein) und Franz Kreissl (Pastoralamtsleiter des Bistum St.Gallen) einen feierlichen Gottesdienst. «Heute ist der Namenstag von Apostel Bartholomäus, der eine Schlüsselfigur im Glauben war. Und ebenso sind Sie alle Schlüsselfiguren», sprach er die Sakristaninnen und Sakristanen an. Sie würden nicht nur die Türen öffnen, sondern seien auch Schlüsselpersonen als erste Ansprechpartner zur Kirche. Früher habe man noch die riesigen Schlüssel mit Bart gehabt, heute gehe vieles elektronisch, dennoch brauche es die Sakristanen, um Türen und Tore von Kirchen und Kapellen zu öffnen – damit die Menschen die Möglichkeit haben, eine Kerze anzuzünden oder um einfach in der Ruhe zu verweilen. Dass dieses Bedürfnis da ist, könne man an den aufgelegten Fürbittenbüchern sehen. Und natürlich sei es mit Türen öffnen allein nicht getan, mit viel Umsicht würde für Sauberkeit und Ordnung sowie einen reibungslosen Ablauf an den Gottesdiensten gesorgt. Mit «Danke, dass ihr Schlüsselfiguren seid», schloss Lukas Hidber seine Predigt. Musikalisch wurde der Gottesdienst umrahmt von Andreas Mollet an der Orgel und mit «Liib ond Seel» sangen die Mesmerinnen und Mesmer textsicher mit – was wunderbar voll geklungen hat.

Ein Rückblick in die Geschichte

Spannend erzählte anschliessend Roland Inauen, dass praktisch die ganze Deutschschweiz bis vor 156 Jahren noch zum Bistum Konstanz gehört hatte: Mit 45’000 Quadratkilometern ein riesiges Gebiet mit rund 1700 Pfarreien. Das heutige Bistum Sankt Gallen zählt nur noch deren 142. In all den Jahrhunderten herrschte ständig ein Machtkampf zwischen Politik und Kirche und die Appenzeller gehörten dabei beim Bistum Konstanz nie richtig dazu. Um 1814 wurde das Bistum aufgelöst und die kirchlichen Verhältnisse waren dann lange nur provisorisch geregelt. Bei der Auflösung des Konstanzer Bistums erhielten die Appenzeller einen ansehnlichen Batzen. Dieses Geld sollte bei einem Beitritt in ein neues Bistum als «Mitgift» dienen. Weil aber «der Moritz» für die wachsende Bevölkerung inzwischen zu klein geworden war, wurde dieses Geld kurzerhand in den Neubau eines neuen Kirchenschiffs gesteckt. Mit nun wieder leerem Konto gehörte Appenzell dann auch beim neuen Bistum St.Gallen, welches 1847 gegründet worden war, lange Zeit nur provisorisch dazu. Bis vor zehn Jahren. «Seither sind wir vollständig integriert, bezahlen voll Beitrag, jedoch mit einem grossen Rabatt von 50 Prozent» schmunzelte Inauen.

Jubiläum für Albert Manser

In der Turnhalle mit festlich gedeckten Tischreihen stand zuerst die Hauptversammlung an. Marianne Roth begrüsste die Versammlung im Namen des Kirchenrates Brülisau mit einer in Dialekt verfassten Ansprache. Daraus erfuhr man zum Beispiel, dass die Kirchgemeinde Brülisau 430 steuerpflichtige Katholiken hat. Und dass in den 80er-Jahren praktisch täglich Gottesdienste stattgefunden haben, was man aber heutzutage aus Personalmangel und geringerer Nachfrage wacker reduzieren musste. Ja, einiges hat sich geändert in den letzten 100 Jahren und manchen Wechsel gab es in der Seelsorge. Mehr Kontinuität habe man dafür im Mesmeramt – in über 100 Jahren sind nur zwei Wechsel zu verzeichnen, somit ist man mit Albert Manser also beim dritten Mesmer. Weil ein Pfarrer nicht mehr jederzeit erreichbar ist, sei der Mesmer die erste Ansprechperson für kirchliche Angelegenheiten – «me goht efach wädli em Mesme go froge, de wäässt da scho!»
Danach führte Präsident Patrik Stillhart zügig durch die Traktandenliste. Alle Kommissionsmitglieder stellten sich für ein weiteres Jahr für ihr Amt zur Verfügung und wurden mit Applaus bestätigt.
Neueintretende wurden willkommen geheissen und Dienstjubilare geehrt, darunter ist auch der Brülisauer Albert Manser für seine 20 Jahre Mesmerdienst. Er hatte zudem die diesjährige Hauptversammlung organisiert, wofür er ebenfalls mit Applaus belohnt wurde!
Bei einem feinen Mittagessen liess man die 137. Hauptversammlung gemütlich ausklingen und freut sich bereits auf die nächste, die dann in Altstätten stattfinden wird.

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