Pakete für Menschen in Moldawien

117 800 Pakete wurden in den letzten Wochen von den vier Schweizer Hilfswerken LiO (Licht im Osten, Winterthur), COM (Christliche Ostmission, Worb), AvC (Aktion für verfolgte Christen, Safern) und HMK (Hilfe für Mensch und Kirche) gesammelt. Auch im Appenzeller Mittelland wurden eifrig Pakete zusammengestellt.

  • Strahlende Kinderaugen konnte man beim Überreichen der Pakete durch lokale Mitarbeiter des Hilfswerk LiO sehen. (Bilder: zVg)

    Strahlende Kinderaugen konnte man beim Überreichen der Pakete durch lokale Mitarbeiter des Hilfswerk LiO sehen. (Bilder: zVg)

  • Jon, der schwerstbehinderte Mann, freut sich über das Paket.

    Jon, der schwerstbehinderte Mann, freut sich über das Paket.

Vom 16. bis 23. Dezember halfen drei Schweizer-Gruppen beim Verteilen der Pakete in Moldawien tatkräftig mit. Die Gruppen waren mit ortsansässigen Partnern des Hilfswerks LiO unterwegs; eine Gruppe war nördlich von der Hauptstadt Chisinau unterwegs.

Land in Armut

In Moldawien, nur gerade zweieinhalb Flugstunden von der Schweiz entfernt, herrscht grosse Armut. Viele ausgebildete junge Leute kehren dem Land den Rücken, da sie im Ausland bessere Verdienstmöglichkeiten haben. So fehlen viele wertvolle Arbeitskräfte, die das eigene Land so dringend nötig hätte. Mehrfach trafen wir Lehrpersonen an, die über das Pensionsalter am Arbeiten sind, da ihre Rente zum Leben nicht reicht. In allen besuchten Kindergärten und Schulen nahmen die Kinder und Jugendlichen voll Freude die Weihnachtsgeschenke entgegen, die von den sieben Schweizern zusammen mit der Übersetzerin und den moldawischen Freunden überreicht wurden.

Unterwegs mit der Bürgermeisterin

Seit sechs Jahren ist Georgia* mit Leib und Seele Bürgermeisterin von Stefanesti, einer sehr weitläufigen Gemeinde von rund 25 Quadratkilometer Fläche. Sie kennt ihre etwa 2100 Einwohner sehr genau, weiss, wo die einzelnen Leute der Schuh drückt und begleitete das Schweizerteam einen Nachmittag lang.
Der Besuch bei dem 91-jährigen Wanja* und der 88-jährigen Natalia, war sehr wohltuend. Die beiden sind seit 70 Jahren verheiratet und «vertragen sich immer wieder aufs Neue» – wie sie mit einem Schalk in den Augen sagten. Sie haben fünf Kinder, von denen drei in Moldawien leben und zwei im Ausland. Eines davon wohnt mit der Familie in Russland. Die Enkelin der beiden rüstigen Leute sagte offenbar zu ihrer Mutter: «Du bist selbst schuld, dass du in Russland lebst und du deine Familie nicht bei dir hast!»
Ganz besonders betroffen machte der Besuch bei der 71-jährigen Yeva* und ihrem 34-jährigen Sohn Jon. Er ist seit Geburt schwerstbehindert, liegt den ganzen Tag im Bett, kann sich kaum bewegen, ist kleinwüchsig und hat zudem verkrüppelte Gelenke mit grossflächigen Ekzemen. Das Sprechen fällt ihm schwer, er kann sich nur undeutlich ausdrücken. Was für eine riesengrosse Aufgabe für die Mutter, die ihn tagtäglich pflegt! Auch weitere Besuche machten die Schweizer sehr, sehr nachdenklich. Neben all dem Schweren waren sie sich einig, dass diese Bürgermeisterin ihren Job sehr vorbildlich versieht. Die psychisch kranke Mutter Ludmilla mit ihrem 14-jährigen Sohn Emanuel* trafen wir vor ihrem Haus auf dem holperigen, abenteuerlichen Fahrsträsschen an. Ob diese Frau wohl ihren Mutteraufgaben nachkommen kann? Der Vater war noch mit den Schafen unterwegs.

Vielfältigste Not

Vasili, 55-jährig, ist ein vom Leben gezeichneter Mann. Er sass im Rollstuhl und berichtete aus seinem Leben: «Ich hatte keine Perspektive in Moldawien. Zigeuner versprachen mir Arbeit in Russland. So zog ich dorthin und wurde von diesen Banditen all meines Geldes beraubt. Dann hatte ich noch einen Unfall und verlor ein Bein. Ja, das Leben ist hart!» Er lebt zusammen mit der Familie seines Bruders, dessen vierjähriger Sohn mit dem überreichten Paket still vergnügt im Garten auf einem Stein sass.

Julia, psychisch angeschlagen, wohnt mit ihren vier Kindern auf einem Hügel mit wunderschöner Aussicht. Was diese junge Frau zu tragen hat: Drei ihrer Ehemänner sind verstorben und der vierte hat die Familie verlassen. Von ihren vier Kindern ist die vierzehnjährige Svetlana, die Älteste, schwerstbehindert. Auch das jüngste Kind ist nicht gesund. Dazu ist auch noch die Waschmaschine defekt. Was für eine Aufgabe und Herausforderung. Dima, 50-jährig, lebt mit seiner 83-jährigen Mutter Sofia* unter dem gleichen Dach. Vor drei Jahren verlor er bei einem Brandunfall auf einem Hügel beide Beine. Seither sitzt er zuhause und traut sich kaum ins Freie, da er befürchtet, dass er verachtet werden könnte. Seine Frau arbeitet seit 15 Jahren in Italien als Pflegerin. Die beiden sehen sich pro Jahr nur während eines Monats, da sie die restliche Zeit in Verona am Arbeiten ist.

Nicolai*, 49-jährig, sitzt blind in einem Rollstuhl und freut sich über jeden Besuch. Tagsüber ist er allein, da seine Frau in der Schule als Küchenhilfe arbeitet.

*alle Namen sind geändert

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  • (Symbolbild: fotolia)

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