Ostschweizer Unternehmen sehen Teuerungsausgleich vor

Die Ostschweizer Unternehmen planen für das kommende Jahr im Schnitt mit einer Lohnerhöhung von 1,9 Prozent – und somit mit einem weitgehenden Teuerungsausgleich. Das zeigt die IHK- und AGV-Lohnumfrage 2023, an der sich über 800 Ostschweizer Unternehmen beteiligten.

  • (Symbolbild: Bigstock)

    (Symbolbild: Bigstock)

In der Industrie dürfte die Anpassung mit 1,8 Prozent leicht unterdurchschnittlich ausfallen. Vor allem die Metallindustrie (+1,5%) sowie die Kunststoff- und Glasindustrie (+1,6%) rechnen mit geringeren Anpassungen. Auch in den Bereichen Verkehr und Logistik (+1,4%) sowie im Gesundheits- und Sozialwesen (+1,6%) dürfte die Lohnentwicklung leicht unter der erwarteten Inflation von 1,9 (SECO) bis 2,2 Prozent (SNB) für das kommende Jahr liegen, teilte die IHK St.Gallen-Appenzell mit.
Zahlreiche Branchen planen indes mit Lohnsteigerungen von zwei Prozent und mehr. Überdurchschnittlich stark dürften die Löhne in Gastronomie, Beherbergung und Tourismus (+2,4%), in der ICT-Branche sowie im Baunebengewerbe (je +2,3%) steigen. Damit reagieren die Unternehmen in jenen Branchen, die besonders vom Fach- und Arbeitskräftemangel betroffen sind, mit monetären Anreizen.

Überrissene Gewerkschaftsforderungen

Markus Bänziger, Direktor der IHK St.Gallen-Appenzell, zeigt sich überzeugt: «Angesichts der konjunkturellen Herausforderungen – allen vorab in der Exportindustrie – und der geopolitischen Unsicherheiten sind die Lohnforderungen seitens Gewerkschaften von bis zu 5 Prozent klar zu hoch angesetzt.» Er verweist in diesem Zusammenhang auch auf die langfristige Lohnentwicklung: Die Reallöhne sind im Zeitraum von 2000 bis 2022 schweizweit um rund 13 Prozent gestiegen.
Jérôme Müggler, Direktor der IHK Thurgau, betont denn auch: «Das am besten geeignete Instrument gegen den Kaufkraftverlust ist die Preisstabilität.» Dieses Ziel dürfte gemäss Prognosen der Schweizerischen Nationalbank mittelfristig erreicht werden. «Die nun geforderten Lohnerhöhungen würden die Entwicklung der Konsumentenpreise stark überkompensieren und die Inflation damit unnötig wieder anheizen», erklärt Müggler.

Arbeitskräftemangel und Frankenstärke

Die Lohnumfrage zeigt auch: Der Fach- und Arbeitskräftemangel bleibt die dominante Herausforderung für die Ostschweizer Unternehmen. Die Suche nach Arbeitskräften gestaltet sich für sieben von zehn Betrieben schwierig bis sehr schwierig. Besonders schwer fällt die Rekrutierung von Ingenieuren und vergleichbaren Fachkräften. Auch die Frankenstärke macht den Unternehmen zunehmend zu schaffen: Jeder fünfte Betrieb zählt diese zu den top drei Herausforderungen – in der Industrie sind es gar zwei von fünf Unternehmen.

Chancenseitig nennen die Unternehmen den technologischen Fortschritt am häufigsten, gefolgt von der Nachhaltigkeit und der digitalen Transformation.

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