Neuchristen wechseln vom Appenzellerland ins Toggenburg

An aussichtsreicher Traumlage hoch über Rehetobel thront der Hauptsitz der Neuchristen-Vereinigung. Nachdem ihr Erweiterungsbauvorhaben nicht bewilligungsfähig ist, plant die Gemeinschaft den Umzug in das ehemalige Hotel Kapplerhof in Ebnat-Kappel.

  • Ein markantes Kreuz dominiert den heutigen Sitz der Neuchristen in Rehetobel.  (Bilder: Peter Eggenberger)

    Ein markantes Kreuz dominiert den heutigen Sitz der Neuchristen in Rehetobel. (Bilder: Peter Eggenberger)

  • Zu den Informationen im Aushängekasten am Eingang zur Fernsicht gehört auch ein Porträt des Gründers, Schwert-Bischof Nikolaus.

    Zu den Informationen im Aushängekasten am Eingang zur Fernsicht gehört auch ein Porträt des Gründers, Schwert-Bischof Nikolaus.

«Aus für Sektenprojekt», hiess es in der «Appenzeller Zeitung» vom 20. Juli. Bereits einen Tag später doppelt das «Toggenburger Tagblatt» mit der Schlagzeile «Sekte kauft den Kapplerhof» in Ebnat-Kappel nach. Hier wird der Neuchristen-Hauptsitz eingerichtet, während der Standort Rehetobel als Aussenposten bestehen bleiben soll.

«Kampf dem Satan»

Wer aber sind die katholisch ausgerichteten Neuchristen, die sich 1984 mit dem Namen «Kampf dem Satan» in der ehemaligen Pension Fernsicht in Rehetobel niedergelassen haben? 2011 hat das appenzellische Jahrbuch das Thema «Religiöse Landschaft Appenzell» aufgegriffen. Eingegangen wird auch auf die Neuchristen. Jahrbuch-Mitautor Hanspeter Spörri: «Nikolaus Schneider, 1937 in Oberriet geboren, steht als ‹Schwert-Bischof› an der Spitze der Neuchristen.»

Von der katholischen Kirche getrennt

Spörri weiter: «Die Neuchristen sind von der römisch-katholischen Kirche getrennt, betrachten sich jedoch als Teil der katholischen Kirche. Der Schwert-Bischof bedient sich auch des Internets, um seine religiöse Sicht zu verbreiten. Diese erinnert an einen sehr konservativen Katholizismus. Beispielsweise lehnt Nikolaus die darwinistische Lehre ab. Wer behaupte, der Mensch stamme vom Affen ab, sei kein Christ mehr und müsste nach altem Recht der Kirche eigentlich exkommuniziert werden, denn er sei ein fauler Apfel, der die anderen anstecke. Die Sünde der Welt sei gewaltig geworden. Und sie sei noch gewaltiger geworden, nachdem homosexuelle und lesbische Ehen gesetzlich erlaubt würden.»

Von Gott auserwählt

Weiter erinnert Hanspeter Spörri im Jahrbuch an die 1991/92 in der «Appenzeller Zeitung» publizierte Artikelserie «Von Freikirchen bis zu den Sekten». Damals erzählte der heute 86-jährige Schwert-Bischof Journalistin Regula Lendenmann aus seiner Jugend. Ihm sei als drittältestem Kind einer zwölfköpfigen Rheintaler Familie angekündigt worden, dass er dereinst zum Auserwählten Gottes werden sollte. «Ich hörte innerlich Stimmen und war den katholischen Priestern in Diskussionen schon damals weit überlegen.»

Ehemaliger Schweizergardist

Schneider habe keinen weltlichen Beruf erlernt. Drei Jahre lang sei er Schweizergardist in Rom gewesen. «Ich weiss also, was faul ist im Vatikan!», wird der Schwert-Bischof zitiert, der als 28-jähriger vom insgeheimen Wunsch Priester zu werden abgelassen habe. Und wieder habe sich eine innere Stimme gemeldet: «Wenn sie dich nicht in der Kirche wollen, dann werde ich dich selbst zur Kirche machen.»

Schwestern in blauen Ordensröcken

«Manchmal begegnet man in der Umgebung der «Fernsicht» den Schwestern in blauen Ordensröcken», heisst es weiter im Appenzeller Jahrbuch. «Sie grüssen freundlich, wirken zurückhaltend, lassen sich kaum in Gespräche verwickeln. An Sonntagen sind bei der ‹Fernsicht› viele Autos von Besuchern parkiert. Die Nummernschilder zeigen, dass Anhänger des Schwert-Bischofs (gemäss Angaben der Gemeinschaft sind es rund 1000) von weither anreisen.»

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