Mehr als eine Brockenstube

Die Tage der Brockenstube Gais sind – so wie sie jetzt besteht – gezählt. Die Stiftung, der das Gebäude bei Zweibrücken gehört, schmiedet deshalb Zukunftspläne. Sie möchte den Treffpunkt erhalten, das Haus mit vielfältiger Nutzung lebendig halten.

  • Die Brockenstube ist wegen ihres vielfältigen Sortiments beliebt bei Sammlerinnen und Händlern. (Bilder: Monica Dörig)

    Die Brockenstube ist wegen ihres vielfältigen Sortiments beliebt bei Sammlerinnen und Händlern. (Bilder: Monica Dörig)

  • Der Stiftungsrat der Gaiser Brockenstube: Hülya Cetinkaya, Gret Rohrer und Daniel Waldmeier (von links).

    Der Stiftungsrat der Gaiser Brockenstube: Hülya Cetinkaya, Gret Rohrer und Daniel Waldmeier (von links).

1977 gründete Werner Lieberherr, ehemaliger Jugendarbeiter der Organisation Blaues Kreuz St. Gallen-Appenzell, die Brockenstube in Gais. Zweck war, Einnahmen zu erwirtschaften, um die Jugendarbeit für die Suchtprävention mitzufinanzieren. Mit den Erträgen konnten ausserdem die Ferien- und Lagerhäuser der Organisation – zum Beispiel «Hirschboden» bei Gais, das es seit bald 55 Jahren gibt – unterstützt werden.

Die Brockenstube war ursprünglich in der alten Drogerie an der Langgasse untergebracht; in den Achtzigerjahren «züglete» sie zum Bahnübergang Zweibrücken, in das Doppelhaus von Teppichhändler Tanner hinter dem «Adler». Mit dem damaligen Besitzer konnte ein Mietvertrag samt Vorkaufsrecht ausgehandelt werden. Nach dessen Tod wurde 1991 mit den Erben der Erwerb der Liegenschaft abgewickelt. Kurz darauf wurde der bisherige Verein, auch aus Rechtsschutzgründen, in eine Stiftung überführt: die Stiftung Blaukreuz Brockenstube Gais.

In der Region beliebte Brockenstube

«Ein starkes, sehr stabiles Frauenteam hat die Brockenstube betrieben», erinnert sich Gret Rohrer, Stiftungsrätin und Blaukreuz-Mitglied. Unter anderem war die Schwiegermutter von Stiftungsrat Daniel Waldmeier, der selber seit 1989 in der Administration mitwirkt, lange dabei. Die Brockenstube hat sich bald einen guten Ruf erworben, bei Brocante-Liebhaberinnen, Händlern – «und etwa Schallplattensammlern», wie Stiftungsratspräsidentin Hülya Cetinkaya ergänzt.
Der Stiftungszweck der Gaiser Brockenstube ist bis heute unverändert. Die Organisation Blaukreuz St.Gallen-Appenzell, die im Gebäude in Gais eingemietet ist, betreibt mehrere ähnliche Läden im Raum St.Gallen und im Rheintal, unternimmt Umzüge und Wohnungsräumungen. «Dadurch können Synergien genutzt werden, zum Beispiel Artikel bei Bedarf zwischen den Standorten getauscht oder umgelagert werden», erklärt Hülya Cetinkaya.

In Gais sind neben einem Vollzeit-Geschäftsführer zwei Personen im Teilpensum zu 30 und 40 Prozent angestellt, daneben kann man beim Zügeln, Räumen, Entsorgen und im Gaiser Betrieb auf die tatkräftige Hilfe von 16 Freiwilligen zählen.

Brockenstube als Treffpunkt

Vor einigen Monaten gab Blaukreuz St.Gallen-Appenzell bekannt, dass sie die Brockenstube ab August 2024 nicht mehr weiterführen will. Trotz günstiger Mietbedingungen wird der Schritt mit zu geringer Rentabilität begründet. Spricht man im Dorf darüber, hört man, der Laden sei stets gut besucht. Daniel Waldmeier erzählt: «Für manche Gaiser und Gaiserinnen und für Menschen aus der Umgebung war die Brockenstube auch ein Treffpunkt, ein Ort für soziale Kontakte».

Die Brockenstube ist beliebt, weil alles schön sauber und übersichtlich präsentiert wird. Die Kleider werden beispielsweise vor dem Verkauf gewaschen. Die drei Mitglieder des Stiftungsrates sind bei Überlegungen zur Zukunft des Gebäudes zum Schluss gekommen: «Wir hätten gern weiterhin eine Brockenstube, am liebsten kombiniert mit weiteren Angeboten» – wie zum Beispiel ein Blumenladen, eine Kaffee-Ecke, kleine Gewerbe- oder Dienstleistungsangebote fantasieren sie. «Ein Patchwork-Angebot» nennen sie es. Sie hoffen, dass sich Interessierte melden (bei Daniel Waldmeier: cim-dw@bluewin.ch). Die Ladenfläche über zwei Geschosse könne gut unterteilt werden, je nach Bedürfnis der künftigen Geschäftspartner, sagen sie.

Waldmeier informiert ausserdem, das verwinkelte Gebäude, in dem sich auch zwei Wohnungen befinden, werde im nächsten Jahr aussen komplett energetisch saniert, eine Wärmepumpenheizung werde installiert und eine PV-Anlage auf dem Dach.

Wer sich für die Geschäftsräume, Grüt 12 in Gais, interessiert, kann sich unverbindlich bei Stiftungsrat Daniel Waldmeier melden: cim-dw@bluewin.ch

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