Deal steht: Locher übernimmt Mehrheit an Chopfab

Die Mitte Februar bekannt gewordenen Sanierungspläne der Chopfab Boxer AG durch die Locher Brauerei aus Appenzell konnte unter Dach und Fach gebracht werden. Grund dafür ist ein Schuldenschnitt und eine Nennwertreduktion für die bisherigen Aktionäre mit einer anschliessenden Mehrheitsbeteiligung der Appenzeller.

  • Die Locher Brauerei aus Appenzell übernimmt die Mehrheit bei Chopfab. (Bild: Hans Ulrich Gantenbein)

    Die Locher Brauerei aus Appenzell übernimmt die Mehrheit bei Chopfab. (Bild: Hans Ulrich Gantenbein)

«Man kann sagen, dass die Sanierung gelungen ist», erklärt Aurèle Meyer, Geschäftsführer von Appenzeller Bier gegenüber «appenzell24.ch». Der Schuldenschnitt gehe zwar nicht ganz so tief wie erhofft, aber er reiche aus. Auf Ansprüche verzichten mussten gemäss Meyer in erster Linie bestehende Aktionäre mit Blick auf ein ausstehendes Aktionärsdarlehen sowie Banken und andere Kreditoren.

Um die Sanierung zu ermöglichen, mussten die bestehenden Aktionäre zudem eine Nennwertreduktion hinnehmen, bei der das Kapital einer Gesellschaft um einen bestimmten Betrag herabgesetzt wird. Den Betrag wollte Meyer nicht nennen – auch sonstige Zahlen zum Deal nicht. Danach werden neue Aktien herausgegeben und Appenzeller Bier wird neu Mehrheitsaktionär sein von Chopfab Boxer.

Trennung von Verwaltungsrat und Geschäftsleitung

«Die bisherigen Aktionäre bleiben aber dabei, insbesondere bleibt Philip Bucher, bisheriger Geschäftsführer und Gründer von Chopfab an Bord», erklärt Meyer. Geschäftsleitung und Verwaltungsratspräsidium von Chopfab Boxer, die bisher beide in Personalunion von Bucher bekleidet wurden, sollen aber neu operativ und personell getrennt werden. Neu im Verwaltungsrat Einsitz nehmen werden Karl Locher als Verwaltungsratspräsident und Aurèle Meyer als Verwaltungsrat.

Dass die Appenzeller die ins Straucheln geratene Winterthurer Brauerei übernehmen könnten, wurde vor einem Monat bekannt. Danach hat es länger gedauert als damals erwartet. Selbst die Sanierungsexperten hätten unterschätzt, wie viel Aufwand betrieben werden musste und  Formalitäten mit zahlreichen  Parteien zu klären waren, bis alles juristisch wasserdicht über die Bühne gehen kann, erklärt dazu Meyer.

Keine Fusion oder Übernahme

Es handle sich nicht um eine Fusion, Produkte und Strategie würden dieselben bleiben wie bisher. Die beiden Unternehmen würden weiterhin unabhängig voneinander sein, betont Meyer. Aber natürlich werde man weiterhin Synergien nutzen, etwa bei der Logistik, wie man es schon seit längerem mit GOBA mache: Ein Getränkehändler im Wallis etwa wird einmal pro Woche beliefert, sobald er ein Minimumvolumen von zwei Palett bestellt – egal ob von Locher oder GOBA. Neu könnte auf dem Palett vielleicht bald schon auch Chopfab-Bier stehen, erklärt Meyer und sagt: «Den Detailhändlern gegenüber können wir so ein noch umfassenderes Portfolio anbieten.» Das sei für alle Beteiligten von Nutzen, auch für den Kunden, der alles aus einer Hand beziehen kann.

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