Kein unnötiges Umsteigen mehr

Der starke Windsturm «Laseyer» zwingt die Appenzeller Bahnen (AB) regelmässig, den Bahnbetrieb im Schwendetal einzustellen und auf Busbetrieb zu wechseln. Verlässlichere Vorhersagen sollen künftig helfen, Umstellungen auf Busbetrieb zu reduzieren.

  • Ein Zug der Appenzeller Bahnen auf Höhe der Kirche Schwende. (Bild: zVg)

    Ein Zug der Appenzeller Bahnen auf Höhe der Kirche Schwende. (Bild: zVg)

Die Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH) und «MeteoSchweiz» haben zusammen mit den Appenzeller Bahnen einen Warnalgorithmus entwickelt. Ein Ampelsystem erleichtert die Entscheidung für Bahnersatz. Um das neue Windwarnsystem zu etablieren, sind Datenanalysen über mehrere Jahre notwendig.

Beim Streckenabschnitt Weissbad–Wasserauen treten vor allem zwischen November und März heftige lokale Windstürme, sogenannte «Laseyerwinde», auf. Dieser regionale Wind erreicht Spitzengeschwindigkeiten von über 200 Stundenkilometern. Pro Jahr muss an bis zu 25 Tagen der Bahnbetrieb aus Sicherheitsgründen auf Busbetrieb gewechselt werden.

Die AB stützen sich für den Entscheid auf Bahnersatz auf restriktive Entscheidungskriterien. Mit der konservativen Handhabung erfolgt die Umstellung auf Busbetrieb häufig auch dann, wenn sie rückblickend nicht notwendig gewesen wäre. Die präventive Umstellung von Bahn auf Bus ist für die Fahrgäste und für die AB mit Umtrieben und Unannehmlichkeiten verbunden.

Genauere Prognosen dank künstlicher Intelligenz

Die ETH Zürich erforschte die Zusammenhänge zwischen den Windvorhersagen, eintretenden Wettermodellen und effektiven Seitenwinden. Sie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler entwickelten auf Basis von «Machine Learning»-Methoden einen neuen Algorithmus, um den «Laseyerwind» aus herkömmlichen Wettermodelldaten zu berechnen. Auf Basis dieses Algorithmus und Wettermodelldaten der neusten Generation, entwickelte «MeteoSchweiz» zusammen mit den AB eine neue Warnlogik.

Seltenes Naturereignis erfordert lange Datenanalyse

Die neue Windlogik wurde im Herbst 2021 in die Fernwirkanlage der Appenzeller Bahnen implementiert. Erste Erfahrungen wurden während der «Laseyer»-Saison von November 2021 bis März 2022 gesammelt. Mit dem neuen Windwarnsystem kann sich die Fahrdienstleitung losgelöst von Wettergrafikinterpretationen neu auf ein Ampelsystem stützen.

Die ersten Tests mit dem neuen Algorithmus und der neuen Warnmethode zeigen, dass mit dem neuen Warnsystem die Anzahl unnötiger Umstellungen auf Bahnersatz leicht reduziert werden kann. In der Saison 2021/2022 gab es allerdings nur vier «Laseyer»-Ereignisse. Da es sich beim «Laseyerwind» um ein seltenes Naturereignis handelt, werden Daten über mehrere Jahre hinweg nötig sein, um das neue Windwarnsystem zu etablieren.

Parallelbetrieb im kommenden Winter

Das durch die Schweizerische Agentur für Innovationsförderung («Innosuisse») unterstützte Projekt «Neues Windwarnsystem» wurde offiziell im Sommer 2022 abgeschlossen. Die Auswertung der Daten und Überprüfung der Systemparameter läuft aber weiter. Regelmässige Auswertungen der Ereignisse sind wichtig, um Erfahrungen zu sammeln und Vertrauen in das neue System zu gewinnen. In der kommenden «Laseyer»-Saison von November 2022 bis März 2023 wird das neue Windwarnsystem angewendet und im Parallelbetrieb mit dem bisherigen System eingesetzt.

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