Kantonalbank wirkt positiv auf den Kanton

Eine unabhängige Studie der Hochschule Luzern unterstreicht die positive Wirkung der Appenzeller Kantonalbank (APPKB) auf Region und Staatsfinanzen, zeigt aber auch die Risiken, die mit ihrer Grösse gemessen an der Wirtschaftsleistung des Kantons einhergehen.

  • Verlangte 2021 eine Risikoeinschätzung der APPKB: Reto Inauen. (Bild: Andrea Richle)

    Verlangte 2021 eine Risikoeinschätzung der APPKB: Reto Inauen. (Bild: Andrea Richle)

Die Grossräte Reto Inauen (Appenzell) und Bruno Huber (Rüte) haben an der Session des Grossen Rates vom 29. März 2021 eine Risikoeinschätzung gewünscht. Diese lag an der Session des Grossen Rats vom Montag nun vor. Gemäss Botschaft der Standeskommisson an den Grossen Rat fusste die Abklärung auf einem Fachbeitrag von Prof. Dr. Christoph Lengwiler zum Thema «Staatsgarantie bei Kantonalbanken als Chance und Risiko für die Kantone» , erschienen in der IFZ-Retailbanking-Studie 2016 der Hochschule Luzern. Dass keine aktuellere Studie herangezogen worden ist, verwunderte Reto Inauen. Säckelmeister Ruedi Eberle verwies darauf, dass die Studie dafür unabhängig war und nicht als Gefälligkeitsgutachten unter Verdacht geraten könnte.

Die Bank sei grundsolide, versicherte Landammann Roland Dähler, der selbst im Bankrat sitzt: «Das Risikomanagement ist bei jeder Bankratsitzung ein Thema.» Dähler erinnert daran, dass die APPKB vielleicht ab und zu Kredite spreche, die sonst nicht gewährt würden, weil die Bank die Risiken, die sie dabei eingehe, aus der Nähe kenne. Die APPKB ist tatsächlich sehr gut kapitalisiert: Für Banken der «Kategorie 4», zu denen sie zählt, gilt gemäss Nationalbank ein minimal erforderlicher Eigenmitteldeckungsgrad von 11.2 Prozent. Die APPKB wies 2015 einen Deckungsgrad von 19,2 Prozent auf und lag damit im obersten Viertel aller Kantonalbanken. Reto Inauen würdigte die erfreulichen Zahlen, schlug aber dennoch 16 Prozent vor, um einen Sicherheitspuffer bei der Kapitalisierung zu haben.

Als Worst Case Szenario gilt ein Abschreiber von fünf Prozent auf den gesamten Kundenforderungen. Gemäss Botschaft der Standeskommission besteht der grösste Teil der Kundenforderungen aus grundpfandgesicherten Hypothekarforderungen mit «vertretbarer Belehnung und stetig erfolgten Wertberichtigungen». In einem solchen schlimmsten Fall müsste der Kanton Appenzell Innerrhoden zusätzliches Eigenkapital im Umfang von 60 Prozent der Fiskalerträge (2015: 30 Millionen Franken) einschiessen.

Die Botschaft stellt der APPKB insgesamt dennoch ein positives Zeugnis aus: Unter anderem zeugten das hohe Eigenkapital von 338 Millionen Franken, die Erhöhung des Eigenkapitals im Gleichschritt zur Bilanz, der Verzicht auf eigene Börsenspekulationen und die sehr begrenzten Aktivitäten im nahen Ausland von einer verlässlichen Geschäftspolitik. Kanton und Bevölkerung würden von ihrem Geschäft profitieren. Nichts spreche dagegen, das heutige System der Staatsgarantie beizubehalten. Der Grosse Rat genehmigte den Geschäftsbericht der APPKB inklusive Gewinnverwendung grossmehrheitlich.

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