Junge Musiktalente konzertierten bravourös

Gut geschult und souverän im Auftritt – Solistinnen und Solisten der Talentklasse Musik der Kantonsschule Trogen sorgten am Wochenende für Aufsehen. Das Appenzeller Kammerorchester unter Leitung von Jürg Surber bot ihnen eine wohlklingende Plattform.

  • Die Akteure des Abends (von links): Lorena Frey, Florence Dubois, Lisa Müller, Noemi Weber, Florian Kofmehl, Mira Frischknecht, Lea Ceccinato und Dirigent Jürg Surber. (Bild: Rolf Rechsteiner)

    Die Akteure des Abends (von links): Lorena Frey, Florence Dubois, Lisa Müller, Noemi Weber, Florian Kofmehl, Mira Frischknecht, Lea Ceccinato und Dirigent Jürg Surber. (Bild: Rolf Rechsteiner)

  • Florence Dubois setzt spannende Akzente auf ihrer Geige.

    Florence Dubois setzt spannende Akzente auf ihrer Geige.

  • Das Solistenquartett (von links): Noemi Weber, Mira Frischknecht, Lea Ceccinato und Florian Kofmehl.

    Das Solistenquartett (von links): Noemi Weber, Mira Frischknecht, Lea Ceccinato und Florian Kofmehl.

  • Lorena Frey bewährt sich mit ihrem Saxophon.

    Lorena Frey bewährt sich mit ihrem Saxophon.

  • Die Pianistin Lisa Müller sorgt für Furore.

    Die Pianistin Lisa Müller sorgt für Furore.

Musikschulen pflegen das gemeinsame Musizieren vor Publikum im Wissen um den Motivationsschub, der von einem gelungenen Auftritt ausgeht. Die Kantonsschule Trogen tut mehr: Sie fördert Talente, indem sie ihnen unter anderem eine Zusatzstunde pro Woche auf dem Hauptinstrument gewährt oder hoffnungsvolle Sängerinnen und Sänger durch Stimmbildung und gezielte Schulung in Gesangstechnik zu Höhenflügen anstachelt. Mustergültige Kostproben wurden am Samstag in der Kirche Rehetobel (Bericht) und am Sonntag im Pfalzkeller St.Gallen zu Gehör gebracht.

Anspruchsvolles Programm

Dirigent Jürg Surber hat mit sicherer Hand ein Programm entwickelt, das keine Wünsche offenliess. Er bot den jungen Talenten die Möglichkeit, ihr Können zu zeigen und dabei ihre Grenzen auszuloten. Kunstvoll und mit Engagement gesungen wurden Arien aus Opern von Georg Friedrich Händel in Originalsprache – beileibe keine simple Literatur. Dabei kam die emotionale Gestaltung von Leid, Schmerz und Triumph ausgezeichnet zur Geltung. Mustergültig geriet das Duett Son nata a lagrimar aus der Oper «Giulio Cesare», gefühlvoll interpretiert von Lea Ceccinato (Sopran) und Mira Frischknecht (Alt). Aus demselben Werk sang Florian Kofmehl Svegliatevi nel core mit einem gehörigen Schuss Italianità, und Noemi Weber wagte sich an die Arie Tornami a vagheggiar aus «Alcina», die einer jungen Sopranstimme in den Koloraturen einiges abfordert. Für den Schlusschor Ritorni ormai nel nostro core aus «Giulio Cesare» erntete das Quartett begeisterten und wohlverdienten Applaus.

Verblüffend selbstsicher

Drei junge Frauen präsentierten ihr erlesenes Können auf ihrem Lieblingsinstrument. Florence Dubois verblüffte das Publikum mit einem Satz aus dem Violinkonzert Nr. 2 d-Moll op. 22 von Henrik Wieniawski, indem sie souverän und mit energischem Bogenstrich der zahlenmässigen Übermacht der Streicher trotzte. Ein formvollendetes Glissando am Ende ihres Vortrags bereitete sichtlich Freude auch im Ensemble. Lorena Frey spielte den Solopart im Konzert für Saxophon und Streicher Es-Dur op.109 von Alexander Glasunow mit eindrücklicher Sicherheit.
Zum Höhepunkt des Abends geriet der erste Satz (Allegro molto moderato) aus dem Konzert für Klavier und Orchester a-Moll op.16 von Edvard Grieg. Lisa Müller hieb in die Tasten, als hätte sie nicht demnächst die Matura, sondern das Konservatorium erfolgreich absolviert. Ihre Einsätze zeugten von emotionaler Reife, und im Soloteil mit turbulenten Läufen wuchs sie förmlich über sich hinaus. Ein Grossteil des Publikums quittierte diese Glanzleistung mit einer Standing Ovation.

Dem Wohlklang geweiht

Es wäre verfehlt, die Leistung des Orchesters an dieser Stelle nicht zu würdigen. Der Name Appenzeller Kammerorchester darf als schlichte Untertreibung bezeichnet werden, denn das rund vierzigköpfige Ensemble zeigte sich wendig und in Bestform. Das mag daran liegen, dass Jürg Surber unaufgeregt und ohne grosse Pose dirigiert, was er mit den Musikerinnen und Musikern erarbeitet hat. Er verlässt sich auf sie. Das Konzert von anderthalb Stunden in Rehetobel bot jedenfalls ungeteilten Hörgenuss.

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