Hauptübung «plus» zum Abschied

«Action» am Samstagnachmittag mitten in Appenzell. Die Stützpunktfeuerwehr Appenzell führte ihre diesjährige Hauptübung durch, und weil Kommandant Andreas Fässler nach zehn Jahren diese Funktion abgeben wird, wurde nicht nur die Mannschaft sondern auch er als Einsatzleiter beübt.

  • Hunderte von Augenpaaren verfolgen das Geschehen auf dem Landsgemeindeplatz.  (Bilder: Josef Fritsche)

    Hunderte von Augenpaaren verfolgen das Geschehen auf dem Landsgemeindeplatz. (Bilder: Josef Fritsche)

  • Andreas Fässler verteilt Aufträge.

    Andreas Fässler verteilt Aufträge.

  • Impressionen der Hauptübung.

    Impressionen der Hauptübung.

Zehn Jahre lang stand Andreas Fässler an der Spitze der Stützpunktfeuerwehr Appenzell, und weil es die letzte Hauptübung in seiner Karriere war, wurden am Samstagnachmittag die Rollen getauscht. Statt als Übungsleiter stand er deshalb als Einsatzleiter auf dem Landsgemeindeplatz, wo es zu einem folgenschweren Verkehrsunfall bei der Einmündung der Marktgasse zum Landsgemeindeplatz gekommen war. Eines der Fahrzeuge war in Brand geraten und das Feuer drohte auf das Hotel Säntis überzugreifen. Und zu allem «Übel» befanden sich noch vier Personen in den beiden Autos sowie zwei in den oberen Etagen des Hotels, die Hilfe benötigten. Das war die Situation, die Mannschaft und Einsatzleitung nach der Alarmierung antrafen – zusätzlich zu einem überaus zahlreichen «Publikum» aus Einheimischen und auswärtigen Gästen, die entweder das spätsommerlich-warme Wetter für einen Ausflug nach Appenzell oder einen Besuch beim gleichzeitig stattfindenden Käse-Festival nutzten.

Adrenalin-trächtige «Überraschung»

Eine herausfordernde Situation, die es zu meistern galt. Die eingeschlossenen Personen mussten zielgerichtet und schnell gerettet und das Feuer wirkungsvoll eingedämmt, respektive gelöscht werden. Immerhin gilt das Hotel Säntis wegen seiner Holzbauweise im Feuerwehrjargon als «weiches» Objekt mit mehreren Ein- und Ausgängen und einer unklaren Anzahl anwesender Restaurant- oder Hotelgästen. «Erwartungsgemäss» wurde der Einsatzleiter der Situation Herr.

Doch dann – ganz so «einfach» sollte es Andreas Fässler nicht gemacht werden – hatte die Übungleitung noch eine «Überraschung» vorbereitet: Gerade, als sich männiglich mental darauf vorzubereiten begann, sich angesichts der herrschenden Temperaturen bald von der schweisstreibenden Ausrüstung etwas «erleichtern» zu können, sorgte das «Plus» dieser Hauptübung für weitere Schweissperlen bei allen Beteiligten. Vom Kanzleigebäude aus war nämlich ein «scharfer» Brandalarm ausgegangen, was ein sofortiges Eingreifen nötig machte. Was nur einige wenige Eingeweihte wussten: Auch das war Teil der Übung, dürfte jedoch bei Andreas Fässler einen zusätzlichen Adrenalinschub bewirkt haben. Als er dann jedoch vor Ort im Rauch die «entspannt» wirkenden eingeschlossenen Personen bemerkte, sei bei ihm «der Groschen gefallen», meinte er etwas später. Nichts desto trotz musste zuvor die gestellte Aufgabe «professionell» gelöst werden.

«Gut bis sehr gut»

«Gut bis sehr gut» seien die beiden Übungsteile bewältigt worden, stellte der als Übungsleiter fungierende Vize-Kommandant Markus Speck bei der anschliessenden Besprechung vor versammelter Mannschaft fest. Praktisch ausnahmslos sei von der Einsatzleitung bis hin zur Mannschaft gut gearbeitet worden – trotz zusätzlich erschwerenden Bedingungen im stark besuchten Dorfkern. Es seien nur wenige, nicht «dramatische» Minuspunkte feststellbar gewesen, konstatierten er und seine Übungsleitungsgehilfen, die verschiedene Aspekte des Einsatzes zu beurteilen hatten.

Und noch etwas war diesmal anders im Vergleich zu früheren Hauptübungen. Es gab nämlich noch einen zusätzlichen «Übungsstab», der die Arbeit des scheidenden Kommandanten beobachteten und beurteilten. Dieser bestand aus den beiden ehemaligen Kommandanten Valentin Inauen und Johann Hersche. Beide zeigten sich beeindruckt. Kurz zusammengefasst: Sie hätten eine sehr gute Truppen und einen sehr guten Chef zu «beurteilen» gehabt. «Du hast den Eintrittstest für sie alte Garde bestanden», meinte Inauen schmunzelnd.

Wichtige Freiwilligenarbeit

Romeo Premerlani als Mitglied der kantonalen Feuerwehrkommission und Vertreter der Feuerschaugemeinde überbrachte den Dank und die Anerkennung der Behörden. Mit verschiedenen statistischen Zahlen schweizweiter Feuerwehreinsätze im Jahr 2021 zeigte er auf, wie wichtig diese Freiwilligenarbeit zum Schutz der gesamten Bevölkerung ist. Und er freute sich auch über die grosse Einsatzbereitschaft sämtlicher Angehöriger der Feuerwehr. Sodann verabschiedete er drei Männer aus dem Feuerwehrdienst per Ende Jahr: Andreas Fässler, Alex Frischknecht und Stefan Inauen.
Er habe von dieser Hauptübung «viel erwartet», sagte schliesslich Andreas Fässler, aber «keine solche Überraschung». Er betonte aber, auch wenn diese Übung hauptsächlich ihm gegolten hatte, dass ein Kommandant ohne gutes Kader und einsatzbereite Mannschaft nichts ausrichten könne. Für ihn sei es stets interessant gewesen, sich in der Feuerwehr zu engagieren.

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