«Goldener Schemel» für Architekturwerkstatt

Die Sektion St. Gallen/Appenzell Innerrhoden des Schweizer Heimatschutzes verleiht jedes Jahr den «Goldenen Schemel» für gute Baukultur – eine 15 Kilo schwere, in Bronze gegossene Auszeichnung. Am Mittwoch ging diese Auszeichnung an die Architekturwerkstatt St. Gallen, eine Abteilung der Fachhochschule Ost.

  • Anna Jessen bedankt sich für den «Goldenen Schemel». (Bild: zVg/Heimatschutz SG/AI)

    Anna Jessen bedankt sich für den «Goldenen Schemel». (Bild: zVg/Heimatschutz SG/AI)

  • Studierende bei einer Analyse im Atelier der Architekturwerkstatt. (Bilder: zVg/Donato Caspari)

    Studierende bei einer Analyse im Atelier der Architekturwerkstatt. (Bilder: zVg/Donato Caspari)

  • «Handwerkliches» Geschick – wie hier am Modell eines Stadtplanes – gehört zur Ausbildung.

    «Handwerkliches» Geschick – wie hier am Modell eines Stadtplanes – gehört zur Ausbildung.

In seiner Laudatio blendete Architekt Carlos Martinez zuerst zurück: Während die Architekturbüros früher oft klagten, dass junge Leute aus der Ostschweiz, die ihr Architekturstudium in Winterthur oder Zürich absolvierten, nach der Ausbildung nicht mehr in die Region zurückkehrten, sei dies dank der Architekturwerkstatt heute deutlich anders. Inzwischen treten Absolventinnen und Absolventen der St.Galler Bildungsstätte in den regionalen Architekturbüros in Erscheinung und tragen ihr erworbenes Wissen in die Region hinaus. Sie seien die eigentlichen Botschafterinnen und Botschafter der Architekturwerkstatt.

Etwas «anderer» Studiengang

Dieser Erfolg ist nicht zuletzt dem politischen Engagement verschiedener St.Galler Kantonsparlamentarier und der damaligen Leitung der Fachhochschule St.Gallen zu verdanken. Seit der Gründung der Architekturwerkstatt leitet Anna Jessen vom Architekturbüro jessenvollenweider, Basel, den St.Galler Studiengang, der sich von anderen Ausbildungswegen in vielen Punkten unterscheidet. Die Studierenden lernen hier sehr rasch den Umgang mit Raum, Masse und Körper. Dazu sitzen sie unter anderem an Nähmaschinen oder stechen Linolschnitte mit Stadtgrundrissen. Diese haptische Ausbildung falle bei heutigen jungen Menschen auf fruchtbaren Boden – gerade weil sie hier einen Kontrast zur digitalen Welt erleben, in der sie sich sonst oft bewegen. Die Studierenden lernen aber auch die Herstellung von Materialien kennen, mit denen sie im Beruf später arbeiten, mit Besuchen in regionalen Textilbetrieben, in der Backsteinfabrik oder in einer Sägerei. Schliesslich legt die Architekturwerkstatt auch grossen Wert auf die Sozialkompetenz der Studierenden: Teamarbeit ist in der Ausbildung wichtig.

Ein Kompetenzzentrum geworden

In den Räumen in der St. Galler Hauptpost spüre man förmlich diese Atmosphäre und Begeisterung, lobte Carlos Martinez. Hier werde eine Baukultur gefördert, von der auch die regionalen Architekturbüros profitieren. Damit habe sich die Architekturwerkstatt innert kurzer Zeit als Kompetenzzentrum einen festen Platz «im Pantheon der Schweizer Architekturschulen» gesichert.

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  • (Symbolbild: fotolia)

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