Feuerwehr Appenzell kann Fahrleitungen im Bahnnetz künftig selbst erden

Die Stützpunktfeuerwehren der Kantone Appenzell Ausserrhoden und Innerrhoden können Fahrleitungen im Bahnnetz künftig selbst erden, das macht sie in Notfällen flexibler und schneller handlungsfähig. Bisher war diese Verantwortung der Appenzeller Bahnen vorbehalten.

  • Wird die Fahrleitung beschädigt, muss sie zuerst geerdet werden, damit man auf der Unfallstelle arbeiten kann. (Bild: pd)

    Wird die Fahrleitung beschädigt, muss sie zuerst geerdet werden, damit man auf der Unfallstelle arbeiten kann. (Bild: pd)

«Ein Zug der Appenzeller Bahnen kollidiert mit einem Auto.» Sobald eine entsprechende Alarmmeldung eintrifft, weiss die zuständige Feuerwehr, dass spezifisch ausgebildete Feuerwehrleute aufgeboten werden müssen. Alle vier Stützpunktfeuerwehren übernehmen die Verantwortung in ihrem Einsatzgebiet. Es sind dies die Regionale Feuerwehr Heiden-Grub-Eggersriet-Wolfhalden, die Regionale Stützpunktfeuerwehr Teufen-Bühler-Gais, die Stützpunktfeuerwehr Herisau und die Feuerwehr Appenzell – für die Linien Gossau-Appenzell-Wasserauen, Trogen-St.Gallen-Appenzell, Altstätten-Gais und Rorschach-Heiden. Die Stützpunktfeuerwehren der Kantone Appenzell Ausserrhoden und Innerrhoden sind mittlerweile in der Lage, die Fahrleitungen selbst zu erden. Das hat den Vorteil, nicht auf die Experten der Appenzeller Bahnen (AB) warten zu müssen und bei einem Unfall unverzüglich Hilfe leisten zu können.

Entscheidende Minuten

Wird die Fahrleitung beschädigt, muss sie zuerst geerdet werden, damit man auf der Unfallstelle arbeiten kann. Die Grösste Gefahr dabei: der Strom. Die Fahrleitungen der AB stehen unter 1500 Volt Spannung. Dies ist höchst gefährlich, wenn man bedenkt, dass bereits 120 Volt tödlich sein können. Bisher war es Aufgabe der AB, für einen sicheren Einsatz am Gleis zu sorgen. Da sich das AB-Netz über ein grosses Gebiet erstreckt, kann es schon mal 45 Minuten dauern, bis eine Fachperson der Bahn am Einsatzort eintrifft. «Bei einem Unfall können dies sehr entscheidende Minuten sein», sagt Walter Hasenfratz, Feuerwehrinspektor der Kantone AR/AI und Leiter Intervention der Assekuranz AR. Deshalb suchte er nach einer besseren Lösung.

Mehr Sicherheit auf dem Bahnnetz

Die Idee, Feuerwehrleute in der Erdungsmessung von Fahrleitungen auszubilden, fand bei den Verantwortlichen der Appenzeller Bahnen grossen Anklang. Schliesslich bedeutet dies auch für sie Entlastung und mehr Sicherheit auf dem Bahnnetz. Mittlerweile haben 32 Feuerwehrleute die Ausbildung absolviert; jedes Jahr werden weitere Kurse stattfinden, damit genügend Kapazitäten in der Einsatzleitung der Feuerwehren bestehen. Die Ausbildung dauert 2,5 Tage – 2 Tage werden die Feuerwehrleute an der ifa (International Fire Academy) in Balsthal explizit instruiert, wie man an Bahnanlagen arbeitet. An einem weiteren halben Tag üben die Einsatzkräfte praktisch am Gleis, zusammen mit Experten der AB. Die Ausbildungs- und Ausrüstungskosten werden von der Assekuranz AR sowie den Appenzeller Bahnen übernommen.

Erdungs-Kit mit Spannungsmesser

Jede Stützpunktfeuerwehr verfügt über ein Erdungs-Kit. Darin enthalten ist ein Spannungsmesser; mit diesem wird überprüft, ob der Strom auf dem entsprechenden Streckenabschnitt der Unfallstelle wirklich ausgeschaltet wurde. Ist dieser im grünen Bereich, können die Einsatzkräfte loslegen. Es folgt die eigentliche Erdung, um sicherzustellen, dass keine Restspannung vorhanden ist, denn diese kann schnell mal 400 Volt betragen. Danach werden zwei Klammern an den Schienen und ein Haken an der Fahrleitung angebracht, allesamt durch einen massiven Kupferleiter verbunden. Erst dann können die Einsatzkräfte gefahrenfrei arbeiten. «Durch diese Ausbildung können die Feuerwehren bei einem Notfall viel schneller eingreifen und im besten Fall wertvolle Minuten gewinnen», so Hasenfratz.

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