Feststimmung bei «Ausgezeichnet 2023!»

Am Mittwochabend wurde in Heiden gefeiert. Die Ausserrhodische Kulturstiftung lud zur öffentlichen Vergabe der Werkbeiträge an acht Kunstschaffende und ein «Art in Residence»-Stipendium. Die Erwartungen an ihr künftiges Schaffen sind hoch.

  • Jonas Jud (rechts) begeisterte in Arien mit seinem sonoren Bass. (Bilder: Rolf Rechsteiner)

    Jonas Jud (rechts) begeisterte in Arien mit seinem sonoren Bass. (Bilder: Rolf Rechsteiner)

  • Matthias Weishaupt (links) beglückwünscht den Stipendiaten Marcel Hörler.

    Matthias Weishaupt (links) beglückwünscht den Stipendiaten Marcel Hörler.

  • Die neuen Kunstschaffenden, die einen Werkbeitrag oder ein Stipendium erhielten; es fehlt Yeshe Gyaltag, da sie für einen Auftritt in New York ist. (Bild: zVg / Hannes Thalmann)

    Die neuen Kunstschaffenden, die einen Werkbeitrag oder ein Stipendium erhielten; es fehlt Yeshe Gyaltag, da sie für einen Auftritt in New York ist. (Bild: zVg / Hannes Thalmann)

Werkbeiträge sind keine Preise für bereits Geleistetes. Nicht weniger als 39 Gesuche um eine finanzielle Unterstützung anstehender Projekte waren eingegangen, wie Matthias Weishaupt, der Präsident der Ausserrhodischen Kulturstiftung, vor grossem Publikum verkündete. Sie wurden von den Fachgremien der Stiftung auf Herz und Nieren geprüft. Acht Projekte wurden ausgewählt und schliesslich mit je 10’000 Franken Anschubfinanzierung bedacht. Im Kreis der acht Kunstschaffenden sind sowohl Newcomer als auch bereits etablierte Personen, die hoch auf der Karriereleiter Neues wagen wollen.

Wichtige Plattform

Die öffentliche Vergabe der Werkbeiträge sei eine wichtige Plattform nicht nur für die Kunstschaffenden, sondern auch für die Ausserrhodische Kulturstiftung, die nicht verwechselt werden soll mit dem Amt für Kultur. Sie beziehe einen Grossteil ihres Finanzbedarfs vom Kanton, arbeite aber auch eng mit anderen Stiftungen zusammen, um Unterstützung zu bieten, wo Mittel für zukunftsträchtige Projekte fehlen. Glücklicherweise habe man die Coronakrise überwunden; der Nothilfefonds habe geschlossen werden können, freute sich Matthias Weishaupt. Man habe Unterstützungen im Betrag von 270’000 Franken leisten können.

Grosse Freude

Die Werkbeiträge gingen dieses Jahr an Selina Lutz (*1979), Maria Tackmann, (*1982) Reinhart Tobler (*1992), Jonas Jud (*1997), Tenzin Yeshe Gyaltag (*1984), Eva Roth (*1974), Dominic Nahr (*1983) und Georg Gatsas (*1978). Ihr Schaffen in den Bereichen Bildende Kunst, Musik und Fotografie wurde von Mitgliedern der Fachjury in den Laudationes vorgestellt und vom Publikum eifrig beklatscht.

In einem kurzen Interview stellte sich Marcel Hörler (*1988), der «Art in Residence»-Stipendiat 2023, dem Publikum vor. Über einen Zeitraum von acht Monaten möchte er sich mit Themen wie Gender, Identität und Sexualität beschäftigen, besonders interessieren ihn queere (Un-)Sichtbarkeiten sowie die Performance von Queerness. Ausgangspunkt seiner kreativen Auseinandersetzung soll Oberegg sein. Den grössten Teil seines achtmonatigen Atelierstipendiums wird Marcel Hörler in Berlin verbringen. Seine Arbeit bleibt ergebnisoffen; es sollen Geschichten entstehen zur Frage: wie erotisch ist das Appenzellerland? Die Betrachtung aus grosser Distanz dürfte spannend werden.

Zielstrebigkeit

Als Ausnahmetalent präsentierte sich der Sänger Jonas Jud gemeinsam mit dem Pianisten Fernando Loura auf der Kursaal-Bühne. Er eröffnete die Feierlichkeiten mit der Arie «In diesen heiligen Hallen» aus Mozarts Zauberflöte und beeindruckte mit seinem raumgreifenden Bass, der einst an der Kanti Trogen entdeckt und gezielt gefördert wurde. Er strebt eine Opernkarriere an und ist bereits Preisträger mehrerer internationaler Wettbewerbe. Zu seinen Qualitäten zählen Talent, Hingabe und Zielstrebigkeit, wie Samuel Forster in seiner Laudatio lobte. Er verfolge hartnäckig und mit grosser Leidenschaft sein Ziel – den Sprung aufs internationale Parkett. Das Duo schloss den offiziellen Anlass mit einer Arie aus der Oper Sonnambula vom Vincenzo Bellini.

Per Videobotschaft meldete sich die Sängerin Tenzin Yeshe Gyaltag aus New York, wo sie derzeit mit einer Performance gastiert. Eingespielt wurde eines ihrer mystisch anmutenden Musikvideos, das am Seealpsee gedreht wurde. Aufgewachsen im Kinderdorf Pestalozzi, vereint sie ihre tibetischen Wurzeln eindrücklich mit der neuen Heimat. Ihre Mutter nahm die Urkunde mit sichtlicher Freude entgegen.

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