Es wird Zeit «zom Öberefahre»

Die Sennen ziehen wieder mit ihrem Vieh durch das Land. Es geht auf die Alp.

  • Impressionen von Alpaufzügen in Innerrhoden. (Bilder: Monika Schmid)

    Impressionen von Alpaufzügen in Innerrhoden. (Bilder: Monika Schmid)

Glücklich ist, wer in diesen Tagen frühmorgens von Schellen, Singen und Zauren geweckt wird – dieses Glück hat jetzt Hochsaison. Einige Sennen sind bereits auf ihre Alpen gezogen, jene vom Pfingstsamstag bei perfektem «Öberefahrwetter».

Die Tiere, sauber gestriegelt und geputzt, konnten es kaum noch erwarten, dass «abgloh» wird. Vorher wurde aber noch zusammengestanden und «Schölle gschöttet». Von der Hauptstrasse herauf hörte man es zauren. Erwin Koch aus Gonten war mit seinem Vieh auf die Alp Sämtis unterwegs, und postwendend wurde vom Rütirain herunter zurückgezaured. Von der Kaustrasse her klang es ebenfalls sehr sennisch, der «Züüsli» strebte Kau zu. Bald war dann auch der «Bleieli» flott «de Rinkebach ie» unterwegs. Vorneweg trippelten die schneeweissen Geissen so zielstrebig davon, dass der Gässbueb und die Gässmeedl alle Hände voll zu tun hatten, die quirligen Tiere im Zaum zu halten. Was ihnen aber gut gelang, denn keine ist ihnen entwischt. Wunderbar schallte das Singen und Zauren im Dorf, begleitet vom Klang der Schellen. Es heisst, das sei einer der schönsten Momente der Sennen – so durch die morgendliche, menschenleere Hauptgasse zu ziehen, während die ersten Sonnenstrahlen hereinfallen.

Sonnenstrahlen? Nicht bei allen. Weniger Wetterglück hatte zum Beispiel «de Fochs». Er war am Dienstag, 21. Mai, von Schlatt her in Richtung Gonten auf die Alp Blatten unterwegs. Bereits beim «Scheidweg» waren Mensch und Tier tropfnass. Das dämpfte aber die Sennenfreude keineswegs. Es sei trotzdem schön, «einfach ein bisschen anders», lachte Sepp, während ihm der Regen von der Nasenspitze tropfte.

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