«Es ist schön zu sehen, was entstehen kann»

Schulmaterial, ein überschwemmungssicheres Schulhaus oder ein neues Dach: Seit 15 Jahren unterstützt die Stiftung YLENIA Schulprojekte auf den Philippinen. Damit das nächste Projekt in Angriff genommen werden kann, braucht es aber noch Geld.

  • Charlotte Lenhard bei ihrem ersten Besuch auf den Philippinen: Am Schulgebäude hängt ein Schild, das die Unterstützung der Stiftung YLENIA zeigt. (Bild: zVg)

    Charlotte Lenhard bei ihrem ersten Besuch auf den Philippinen: Am Schulgebäude hängt ein Schild, das die Unterstützung der Stiftung YLENIA zeigt. (Bild: zVg)

«Ein Schulhaus aus den 60er-Jahren war von Termiten befallen, weil es wegen der Taifune jeweils überschwemmt wurde», sagt Charlotte Lenhard, Gründerin und Präsidentin des Stiftungsrates der Stiftung YLENIA. «Mit unseren Spendengeldern konnte das Gebäude neu erstellt werden – ein Meter über dem Boden, damit es nicht mehr überschwemmt wird.» Mit dem Geld wird jeweils auch Schulmaterial für die Kinder und Lehrpersonen gekauft.

«Viele Eltern sind arm»

Bei den Projekten, die vor Ort von der Organisation HBI betreut werden, werden die Eltern einbezogen. Sie helfen beim Bau mit und erhalten Schulungen – etwa zu Finanzen oder im Nähen – zur Verbesserung ihrer Lebensumstände, damit sie sich einen Zusatzverdienst erarbeiten können. Erscheinen die Kinder ein paar Tage nicht in der Schule, klärt ein Lehrer zusammen mit HBI mit einem Hausbesuch den Grund des Fehlens ab. «Viele Eltern sind arm und schicken ihre Kinder deshalb nicht in die Schule», sagt Charlotte Lenhard. Der Einsatz zahlt sich aus: Die Kinder fehlen nur noch selten, brechen die Schule nicht mehr vorzeitig ab und erzielen bessere Leistungen.

Die Schulklassen profitieren von der Unterstützung der Stiftung. (Bild: zVg)

2015 wurde zudem die Reisbank aufgebaut. Bauern können bei der Bank eine maximale Menge Reis ausleihen. Nach der Ernte wird dieser mit einem Aufschlag von zehn Prozent zurückerstattet. Dieser Zinssatz ist viel geringer als die landlosen Bauern normalerweise bezahlen müssen. Der Gewinn kommt der Schule und damit den Kindern zugute.

Dankbar für Unterstützung

Zweimal war Charlotte Lenhard selbst vor Ort und konnte mit Schülerinnen und Eltern reden. «Sie sind sehr dankbar für die Unterstützung», sagt sie. «Auch viele Lehrer profitieren davon und merken, was möglich ist.» Dass Lenhard die Philippinen ausgewählt hat, ist einem Zufall zu verdanken. «Eigentlich hätte ich gern Projekte in Rumänien unterstützt», verrät sie. «Eine Anfrage bei der Regierung blieb jedoch unbeantwortet.» Dann sei ihr die Organisation HBI empfohlen worden, die auf den Philippinen tätig ist. Sie sei ein verlässlicher Partner. Die Chefin achte auf die Finanzen. Und wenn die Betroffenen mit Wünschen an sie herantreten, kläre sie ab, was sie benötigen, und sage: «Ihr bekommt, was euch weiterhilft.»

Charlotte Lenhard wurde von den Schülerinnen und Schülern auf den Philippinen herzlich empfangen. (Bild: zVg)

Vor allem Privatspenden

In den vergangenen 15 Jahren hat die Stiftung 545 000 Franken gesammelt. «Es ist wahnsinnig schön zu sehen, was daraus entstehen kann», sagt die Pflegefachfrau. Sie hat die Stiftung 2007 gegründet, nachdem ihre Tochter Ylenia am 31. Juli entführt und am 15. September tot aufgefunden worden ist. «Ich habe in den sechs Wochen ihres Verschwindens beschlossen, dass ich etwas machen will um Kindern zu helfen», sagt Charlotte Lenhard. «Ausserdem wollte ich, dass Ylenia nicht vergessen geht.» Eine Fachstelle habe ihr geraten, sich auf Projekte zu konzentrieren, da es sein könne, dass auf einmal keine Spenden mehr eintreffen würden. Deshalb ist die Mutter von Ylenia stolz darauf, dass immer noch jedes Jahr zwischen 16000 und 31000 Franken zusammen kommen. Jährlich verschickt sie 50 bis 80 Dankesbriefe. In der Anfangszeit unterstützten häufig Schulklassen die Stiftung mit Kuchen- und Getränkeverkauf oder Putzaktionen, Vereine mit Sponsorenläufen oder auch einzelne Stiftungen. Heute spenden vor allem Privatpersonen. «Eine alte Frau spendet jeden Monat und schreibt mir auch Briefe, etwa am Todestag», sagt die Appenzellerin. Eine Mesmerin, die immer spendete, organisierte zu ihrem Abschied eine Sammlung.

Viertes Projekt geplant

Charlotte Lenhard betreibt jedes Jahr an der Chilbi, am Maimarkt und am Postplatzmarkt in Appenzell sowie am Christkindlimarkt in St.Gallen einen Stand. Dort verkauft sie Stricksachen der Lismi-Frauen aus Goldach, Socken, die eine Frau aus Appenzell strickt, oder Pulswärmerli, welche die Mutter der Spielgruppenleiterin von Ylenia strickt, dazu Karten, die eine Bekannte herstellt sowie Bilder und Karten von Roswitha Dörig. Lenhard schätzt es sehr, dass ihre Helferinnen, Sachspenderinnen, ihr Anwalt und die Revisionsstelle alle ehrenamtlich arbeiten. «Ich bin dankbar für ihre Unterstützung.» In der Schweiz fallen deshalb keine Personal-, sondern nur Standkosten an. Sie selbst steuert für die Märkte Zöpfli und Konfitüre bei. Für die Weihnachtsmärkte backt sie rund 25 Kilogramm Guetzli.

Mehrmals pro Jahr nimmt Charlotte Lenhard an Märkten teil und verkauft diverse Sachen zugunsten der Stiftung. (Bild: zVg)

Märkte bedeuten viel Aufwand und Organisation für Lenhard – sie macht es aber gern und sieht es als Hobby. «Ich mache weiter, so lange es geht», gibt sie preis. «Ich bin noch nicht bereit zum Aufhören.» Deshalb hofft sie, bald das vierte Projekt in Angriff nehmen zu können. Bisher sind 65000 Franken vorhanden – nötig wären 120000 bis 150000 Franken. «Ich hoffe, dass wir das fehlende Geld noch in diesem Jahr zusammenbringen», gibt sie sich zuversichtlich.

Weitere Informationen: www.stiftungylenia.ch

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