Es hiess wieder: «Me fahrid öbere»

Entgegen den Befürchtungen, der Wetterbericht könnte recht haben mit dem angekündigten eher graunassen Wetter, erwachte der Tag mit einem wunderbar heiteren Himmel. Das Gras glitzerte im Tau, als die Sonne hinter der Fähnern aufging.

Die guten Wetterbedingungen erfreuten natürlich die zahlreichen Sennen, die an diesem Morgen auf ihre Alpen zogen. Zauren und Schellen kündigten sie schon von weitem an, und dann hörte man auch das freudige Singen. Die klare, frische Luft transportierte all die sennischen Klänge über das Land. Blitzsauber kamen sie alle daher, die Sennen mit ihren Helfern, Gäss­buebe ond Gässmeedle. Die Kühe und Geissen waren gestriegelt und sogar der Bläss schien einem Bad unterzogen worden zu sein. Wie jener von «Heischis Bruno», aufgeregt aber immer sehr folgsam unterstützte er seinen Meister beim Antreiben der Kühe und schien sogar auch ein Auge auf die Geissen zu haben.

Zum 25. Mal

Einen wunderbaren Anblick boten die Sennen den Zuschauern am Strassenrand. Und da standen sehr viele, trotz der morgendlichen Frühe. Einige Sennen waren zu Hause schon um 5 Uhr aufgebrochen, damit man sich auf dem Weg zum Alpstein nicht in die Quere kam. Der «Chauses Migg» war deshalb schon tags zuvor von Meistersrüte auf die Untere Neuenalp gezogen – und das exakt zum 25. Mal, wie er glücklich berichtete.

Dass die Tradition des «Öberefahre» mit Herzblut gelebt wird, haben auch die vielen Kinder bewiesen. Diese sind von klein auf im Stall mit dabei und lernen so den Umgang mit den Tieren. Jene, die noch zu klein sind für das «Amt» des Gässmeedli oder Gässbueb, dürfen dennoch das Hochgefühl vom «Öberefahre» miterleben, indem sie mit ihrem Vater ein mehr oder weniger langes Wegstück mitgehen. Die Buben selbstverständlich ebenfalls schon im «Sennehäss», die Mädchen im Trächtli. Die Freude und der Stolz, die ihnen dann aus den freudestrahlenden Äuglein blitzen … – das geht direkt ins Herz. Die Kinder sind sich ihrer wichtigen Rolle durchaus bewusst. So auch der kleine «Määtele». Er hielt seine kleine Schwester fest an der Hand. Oder sie ihn?

Hoffen auf einen guten Sommer

Der vierjährige Kilian von der «Bilchen» durfte vom Restaurant Ruhesitz bis zur Alp ganz allein vorausgehen – mit einem verschmitzten Strahlen im Gesicht vor lauter Stolz und mit grossen Schritten. Dennoch sah er sich immer wieder pflichtbewusst um, ob ihm auch alle folgen können. Auf der Alp angekommen, freute sich das «Vech» auf das saftige Alpengras. Auch die Sennen hatten Speis und Trank verdient. Bei «Schölleschötte» und Gesang wurde ein hoffentlich wieder prächtiger und vor allem gesunder Sommer für Mensch und Tier eingeläutet.

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