Ein Stradivari-Cello in Gonten

Im neuen Saal Huus Löwen haben der Cellist Jonas Kreienbühl und der Schauspieler Helmut Vogel mit einer höchst unterhaltsamen musikalisch-literarischen Darbietung über das legendäre Stradivari-Cello «Mara» überzeugt.

  • Cellist Jonas Kreienbühl und der Schauspieler Helmut Vogel bei ihrer Darbietung im Saal Huus Löwen. (Bild: Andrea Wiesli)

    Cellist Jonas Kreienbühl und der Schauspieler Helmut Vogel bei ihrer Darbietung im Saal Huus Löwen. (Bild: Andrea Wiesli)

Es war dies am Dienstag, 21. November, ein weiterer attraktiver Anlass des neugegründeten Vereins Appenzeller Forum, der sich zum Ziel gesetzt hat, renommierte Künstlerinnen und Künstler mit spannenden und innovativen Programmen in unserer Region zu präsentieren. Erneut konnte sich das Publikum in Gonten über ein geglücktes Konzertformat freuen, in dem Wort und Ton zur informativen Klangchronik verschmolzen.

Das weltberühmte «Mara»

«Darf ich mich vorstellen? Mit Vaternamen heisse ich Stradivari. Die Welt nennt mich Mara. The Mara. Das berühmte, weltberühmte Mara.» So beginnt Wolf Wondratscheks Erzählung über das zur Legende gewordene Meistercello. In unterhaltsamen Worten nimmt er den Leser mit auf den Spuren des Ich-Erzählers «Mara» und dessen Besitzer, und schweift dabei immer wieder zu allerlei Anekdoten ab, wobei auch mit Kritik am Kult um die alten Cremoneser Streichinstrumente nicht gespart wird: «Schade, dass keiner auf die Idee kam, den Experten einfach mal die Augen zu verbinden und abwechselnd echte und falsche Stradivaris zu Gehör zu bringen. Der eine oder andere hätte sich ganz schön blamiert.»
Der Wiener Schauspieler Helmut Vogel gestaltete die hervorragend ausgewählten Textpassagen pointiert und brachte das gebannt lauschende Publikum immer wieder zum Schmunzeln.

Bachs Suiten für Solocello

Zwischen den Texten musizierte der Zürcher Cellist Jonas Kreienbühl beseelt und virtuos die Suiten Nr. 3 und 4 für Violoncello solo von Johann Sebastian Bach. Die Verbindung dieser barocken Tanzsätze mit dem etwa zur gleichen Zeit entstandenen «Mara»-Cello erwies sich nicht nur als folgerichtige Kombination, sondern bildete zusammen mit dem Text ein ineinander verwobenes Ganzes, das viel Raum für Reflexion liess. Es war «Fingerspitzengefühlssache», wie ein solches Stradivari-Instrument überhaupt zustande kam, erzählt Wondratschek. Und ebensolche wusste Cellist Jonas Kreienbühl in seine Bach’schen Interpretationen einfliessen zu lassen. Seinem eigenen Cello, das aus der Schule des ungarischen Geigenbauers Samuel Nemessányi stammt, entlockte er einen wunderschönen Klang, der sich mit der hervorragenden Saalakustik auf ideale Weise verschmolz.

Mozart bewunderte «Mara»

Schon Mozart und Haydn hatten «Mara» gehört, ebenso Königinnen und Könige sowie Menschen in allen Erdteilen dieser Welt. Nach einer Schiffskatastrophe im Jahr 1954, nach der das Cello in zahlreichen Restaurationsstunden wiederhergestellt werden musste, landete es in einem Safe in London und war wieder käuflich: «Vier Millionen und ein paar Zerquetschte, was soll’s.» Das begeisterte Publikum in Gonten bedankte sich beim Duo mit lang anhaltendem Applaus.

1
4

Weitere Artikel

Schreibe einen Kommentar