Die Erde bebte in der Ostschweiz

In der Ostschweiz hat am heute Morgen die Erde gebebt.

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Der Schweizerische Erdbebendienst der ETH geht davon aus, dass die Testbohrungen im St. Galler Sittertobel für ein Geothermieprojekt wahrscheinlich die Beben verursachten.

Der Erdbebendienst registrierte um 5.30 Uhr bei St. Gallen in vier Kilometern Tiefe ein Beben der Stärke 3,6, wie der Dienst am Samstag mitteilte. Es stehe «wahrscheinlich in direktem Zusammenhang» mit den Test- und Simulationsmassnahmen im Bohrloch des Geothermieprojekts in St. Gallen.

In den letzten Tagen habe es bereits mehrere Mikrobeben gegeben. Die Beben in der Nacht auf Samstag hätten in Stärke und Anzahl deutlich zugenommen. In den kommenden Tagen seien nach Einschätzung der ETH weitere Beben nicht auszuschliessen.

 

Arbeiten im Bohrloch vorläufig gestoppt

 

Nach den Erdbeben vom frühen Samstagmorgen sind die Arbeiten im Geothermie-Bohrloch im St. Galler Sittertobel vorläufig gestoppt worden. Wie es weiter geht, wird in einigen Tagen bekannt. Derzeit werden die Daten ausgewertet und das Bohrloch stabilisiert, teilten die Verantwortlichen  an einer Medienkonferenz vor Ort mit.


Keine Schadenmeldungen

Aufgrund des Erdbebens am frühen Samstagmorgen sind bei den Notrufzentralen der Polizeien St. Gallen und Appenzell Ausserrhoden keine Schadenmeldungen eingegangen. Das Beben war aber in der Region St. Gallen deutlich spürbar.

Der Sprecher der St. Galler Kantonspolizei, Gian Rezzoli, sagte, er selber sei durch den Erdstoss um 5.30 Uhr erwacht. Das Rütteln sei deutlich wahrnehmbar gewesen.

Schadenmeldungen gingen bei der St. Galler Kantonspolizei laut Rezzoli keine ein. Auch die Notrufzentrale der Appenzell Ausserrhoder Polizei erhielt keine Anrufe wegen des Erdbebens.

 

Bohrungen in St. Gallen seit März im Gang

 

Die Bohrarbeiten für das Geothermie-Projekt im St. Galler Sittertobel sind seit Anfang März Tag und Nacht im Gange. Nun steht das Projekt just vor der heissen Phase: In den nächsten Wochen sollte sich zeigen, ob in knapp 4500 Metern Tiefe das erhoffte Heisswasser gefunden wird.

Anders als in Basel, wo ein Geothermieprojekt Ende 2009 wegen Erdbeben gestoppt werden musste, waren in St. Gallen bislang spürbare Erschütterungen ausgeblieben.

Wurde in Basel versucht, unter Hochdruck einen künstlichen Wasserkreislauf zu erzeugen, so kommt in St. Gallen die schonendere hydrothermale Methode zur Anwendung.

Dabei soll eine natürliche wasserführende Schicht angezapft werden. Das Heisswasser gelangt über das Bohrloch an die Erdoberfläche, wird dort genutzt und durch ein zweites Bohrloch wieder in die Tiefe zurückgepumpt.

Die deutsche Itag Tiefbohr-GmbH installierte im März den 60 Meter hohen Bohrturm. Seither stehen die Arbeiter und Ingenieure rund um die Uhr, sieben Tage die Woche im Einsatz.

Eine vergleichbare Anlage, wie sie St. Gallen plant, liefert seit 2007 in Unterhaching bei München Heizwärme und seit 2009 auch Strom. Das Kraftwerk liegt wie Teile der Ostschweiz im Bereich eines Molassebeckens mit grossen Erdwärme-Ressourcen, wie die Stadt St. Gallen auf ihrer Geothermie-Website schreibt.

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