Die Bekämpfung des Waldbrandes geschult

Laut Experten nimmt die Waldbrandgefahr aufgrund des Klimawandels stetig zu. Entsprechend gilt es, für diese Tendenzen gewappnet zu sein. Und genau darum ging es im Weiterbildungskurs der Kommandanten der Feuerwehren beider Appenzell. Direkt am Gefahrenort übten sie den Ernstfall.

  • Waldbrandspezialist und Feuerökologe Michael Sautter (rechts) veranschaulichte die Herausforderungen, die ein Waldbrand stellt. (Bilder: zVg)

    Waldbrandspezialist und Feuerökologe Michael Sautter (rechts) veranschaulichte die Herausforderungen, die ein Waldbrand stellt. (Bilder: zVg)

  • Feuerwehrinstruktor und Waldbrandexperte Joseph Amacker vermittelte hilfreiches Wissen.

    Feuerwehrinstruktor und Waldbrandexperte Joseph Amacker vermittelte hilfreiches Wissen.

  • Die Atemschutz-Tauglichkeit wurde in einem Parcours getestet.

    Die Atemschutz-Tauglichkeit wurde in einem Parcours getestet.

Die häufigste natürliche Quelle für Waldbrände sind Blitzeinschläge auf trockenes Holz oder Gras. Bei längeren Trockenperioden und starken Föhnlagen erhöht sich die Gefahr. Dabei sind Nadelwälder häufiger betroffen als Mischwälder mit Laubbäumen. Laut Bundesamt für Umwelt werden jedoch mehr als 60 Prozent der Bodenfeuer und Waldbrände durch Menschen ausgelöst, weil sie unachtsam handeln, die Trockenheit unterschätzen und Warnmeldungen missachten.

Wissen erweitern und Taktiken üben

Die Bekämpfung eines Waldbrandes ist schwierig, da das Löschen mit herkömmlichen Feuerwehrmaterialien streng und umständlich ist. Zu schnell kann sich das Feuer grossflächig ausbreiten. Eine weitere Herausforderung ist, genügend Wassermengen beziehen zu können. Gerade in abgelegeneren Regionen, wie es im Appenzellerland der Fall ist, stossen Löschfahrzeuge oft an ihre Grenzen. Dann braucht es andere Wege der Wassertransporte und strategisch geschickte Einsatztaktiken, teilweise kann auch nur mit dem Einsatz von Löschhelikoptern gelöscht werden. «Aufgrund der Topografie, also vorwiegend Mischwälder, ist bei uns die Gefahr eines Waldbrandes zwar geringer, trotzdem müssen wir auf jedes mögliche Feuer gut vorbereitet sein», sagt Walter Hasenfratz von der Assekuranz AR und Feuerinspektor der Kantone Appenzell Inner- und Ausserrhoden. Deshalb wurden die Feuerwehrkommandanten und ihre Stellvertreter kürzlich zu einem eintägigen Weiterbildungskurs in Appenzell aufgeboten. Ziel des Kurses war die Wissensauffrischung und -erweiterung im Wald- und Flurbrand mit praktischen Übungssequenzen direkt am Gefahrenort. Geübt wurde im Kauwald Appenzell, zusammen mit drei externen Waldbrandexperten.

Strategien durchspielen

Das Wichtigste bei einem solchen Einsatz ist der rasche und strategisch kluge Entscheid sowie die gut organisierte Führung der Einsatzmannschaft. Entsprechend waren die Kommandanten gefordert: Sie übten die Taktiken mit der trockenen und nassen Haltelinie, studierten die Typografie vor Ort, das Wetter und die Prognose für die kommenden Stunden, bedachten die aktuelle Gefahrenstufe in der Region und wägten die Gefahren aufgrund der Tageszeit ab. «Es ist unabdingbar, dass die Kaderangehörigen vor unzählige waldbrandspezifische Probleme gestellt werden, denn im Notfall muss die Taktik sitzen», erläuterte Joseph Amacker, Feuerwehrinstruktor und Waldbrandexperte. Darüber hinaus galt es die richtigen Entscheide zu fällen sowie die Szenarien wie Wetter- und Windwechsel, Sicherheitszonen, Materialeinsatz sowie die Einteilung der Einsatzkräfte durchzuspielen. «Tendenzen und Studien belegen, dass die Waldbrandgefahr aufgrund des Klimawandels immer früher anfängt und länger dauert, umso wichtiger ist gut ausgebildetes Feuerwehrpersonal», so Michael Sautter, Waldbrandspezialist und Feuerökologe.

Atemschutz-Tauglichkeitsprüfung

Im Zuge dieses Kurses fand die Atemschutz-Tauglichkeit statt, und zwar in einem neu definierten Parcours, den die Instruktoren danach in ihren regionalen Feuerwehren umsetzen sollen. Dieser wird ab 2023 in der ganzen Ostschweiz eingeführt. Jede Einsatzkraft muss den Atemschutz-Tauglichkeitstest einmal jährlich absolvieren, und dieser ist nichts für schwache Lungen und Nerven: Die verschiedenen Posten müssen in 16,5 Minuten durchlaufen sein, dabei muss die Atemschutzmaske permanent getragen werden. Die Luft wird dünner und dünner, wenn man unter anderem 90 Treppentritte rauf- und runtersteigen, unter der Lattenhöhe hindurchkriechen und mit zwei gefüllten Kanistern hin- und herlaufen muss. «Diese regelmässigen Tests dienen der Sicherheit, damit wir uns auf unsere Einsatzkräfte jederzeit verlassen können und dieser neue Parcours erfüllt unseren Anspruch noch besser», so Hasenfratz.

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  • Symbolbild: bigstock

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