Der Tod von Pfarrer Johann Kühnis weckt Bedenken um die Nachfolgeregelung

Anlässlich der ordentlichen Kirchgemeinde-Versammlung am Mittwochabend in Oberegg rückten die traktandierten Geschäfte in den Hintergrund. Der Stand der Dinge bezüglich Seelsorge stand im Fokus. Gezeigt wurde eine Retrospektive auf das Wirken von Pfarrer Johann Kühnis (†).

  • Annamaria Greiner Wolten führte zügig durch die Versammlung. (Bild: Rolf Rechsteiner)

    Annamaria Greiner Wolten führte zügig durch die Versammlung. (Bild: Rolf Rechsteiner)

Der Tod von Johann Kühnis – er hätte am 31. März seinen letzten Arbeitstag gehabt – wirkt nach. «Seine Demission hat uns klar vor Augen geführt, dass wir zur Seelsorgeeinheit über dem Bodensee gehören. Jetzt stellen wir uns der ganz neuen Situation», führte Kirchenpräsidentin Annamaria Greiner Wolten in ihrer Begrüssung aus. Es werde eine Neuorganisation brauchen, denn «vorbei sind die Zeiten, wo sich alles auf eine Person konzentriert.»

Es muss weitergehen

Die Seelsorgeeinheit (fünf Pfarreien in drei Kantonen) sei bestrebt, die Gottesdienste in Oberegg in bisherigem Umfang weiterzuführen. An zwei Sonntagen werde eine Eucharistiefeier mit Pfarrer Eugen Wehrli stattfinden, eine weitere werde nach Möglichkeit von einer Aushilfe betreut, und der Wortgottesdienst ohne geweihten Priester werde Einzug halten müssen. Vorübergehend wird Eugen Wehrli als Pfarradministrator ad interim amten, wie das Bistum mitteilte. Damit ist sichergestellt, dass die nötigen pfarramtlichen Unterschriften erteilt werden können.

Oberegg wird einen Pfarreibeauftragten suchen müssen, der als Ansprechperson für die Pfarrgemeinde, für Sekretariatsarbeiten, die Mitwirkung bei Projekten, die Zusammenarbeit mit den kirchlichen Vereinen und die Betreuung der Heime zuständig sein wird. Erschwert wird die Situation durch den Umstand, dass Albert Kappenthuler, der Pfarreibeauftragte von Heiden-Rehetobel und damit der engste Mitarbeiter von Johann Kühnis, im Sommer in Pension geht. Auch dort steht eine Neubesetzung an; die Frist für Bewerbungen ist soeben abgelaufen. Die definitive Rollen- und Pensenzuteilung könne erst erfolgen, wenn die vakanten Posten wieder besetzt sind.

Für den Moment sei klar, dass bis zu den Sommerferien auf St. Anton keine heiligen Messen stattfinden werden, sagte die Kirchenpräsidentin nicht ohne Bedauern. Dafür fehle es definitiv an Priestern.

Geschäfte ohne Wortmeldungen

Greiner Wolten führte zügig durch die traktandierten Geschäfte. Pflegerin Karin Schnetz beschränkte sich in ihren Ausführungen zur Rechnung 2021 auf die Tatsache, dass die vor Jahresfrist beschlossene Steuersenkung zu einem Minderertrag von 100 000 Franken führte. Die Annahmen des Budgets (528 000 Franken) wurden mit 495 000 Franken deutlich unterschritten. Schnetz sprach von einer «Delle», die sich wieder auffüllen werde. Bei einem Gesamtaufwand von 586 000 Franken resultierte ein Rückschlag von knapp 8000 Franken. Das Eigenkapital per Ende 2021 belief sich auf 829 000 Franken. Der Steuersatz von 19 Prozent (für Reute AR 0,75 Einheiten) kann gehalten werden. Der Jahresbericht der Präsidentin, die Rechnung und das Budget wurden genehmigt.

In der Kirchenverwaltung lagen keine Demissionen vor. Annamaria Greiner Wolten und Vizepräsident Walter Breu wurden einstimmig und mit grossem Applaus im Amt bestätigt, ebenso die Pflegerin. Vakant bleibt der Sitz des Pfarrers (von Amtes wegen), bis die Nachfolge geregelt ist. Cornelia Rohner, Johannes Sonderegger-Mutzner und Tobias Sonderegger wurden in globo wiedergewählt. Auch die dreiköpfige RPK beliebte in bisheriger Besetzung.

Mit Präsenten und dankbarem Applaus beschenkt wurden die Pfarreisekretärin Erika Ulmann und Mesmer Rolf Hochreutener, die in den vergangenen Monaten alles unternommen haben, um Pfarrer Johann Kühnis nach Kräften zu entlasten – ohne Blick auf das Pflichtenheft und oft in der Freizeit.

Bildreiche Retrospektive

Tim Haas wartete auf mit einer reich bebilderten Retrospektive auf das Wirken des jüngst verstorbenen Pfarrers. Er erinnerte unter anderem an dessen nachhaltige Leistungen. Dass die Kuhn-Orgel anstelle des fehlenden Hochaltars im Chor aufgebaut wurde, ist sein Verdienst. Auch bei der Renovation der Pfarrkirche und der Kapellen St. Anton und St. Anna hatte sein Wort grosses Gewicht. Nicht zu vergessen die Photovoltaik auf dem Kirchendach, die auf seine Initiative zurückgeht.

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