Der Spitalverbund verfehlt sein finanzielles Ziel

Das Jahr 2021 stand im Spitalverbund Appenzell Ausserrhoden (SVAR) im Zeichen von Corona und der Schliessung des Spitals in Heiden. Im Zuge der Bewältigung dieser Ereignisse sind dem SVAR finanzielle Verluste entstanden. So muss der Spitalverbund zum Jahresende 2021 ein Gesamtdefizit von 6,9 Millionen Franken verkraften.

  • Das vergangene Jahr hielt für den Ausserrhoder Spitalverbund verschiedene Herausforderungen bereit. (Bild: Archiv app24/H9)

    Das vergangene Jahr hielt für den Ausserrhoder Spitalverbund verschiedene Herausforderungen bereit. (Bild: Archiv app24/H9)

Obwohl das Jahresergebnis damit gegenüber dem Vorjahr um 0,3 Millionen Franken verbessert werden konnte, verfehlt der SVAR sein finanzielles Ziel. Der Ausserrhoder Spitalverbund erwirtschaftete 2021 einen Umsatz von 106,5 Millionen Franken. Dies entspricht einem Rückgang von rund 6,9 Mio. Franken gegenüber dem Vorjahr. Dabei ist zu berücksichtigen, dass im Vorjahresumsatz Entschädigungen und Abgeltungen für die Corona-Pandemie von 6,5 Mio. Franken enthalten sind. Ohne diese Beträge reduzierte sich der Umsatz gegenüber Vorjahr entsprechend um 0,4 Mio. Franken. Der SVAR schliesst mit einem nachhaltigen operativen Cashflow vor Steuern (Ebitda) von minus 5,5 Mio. Franken ab. Die Ebitda-Marge beträgt entsprechend tiefe minus 5,1 Prozent.

Corona als Herausforderung

Die Corona-Pandemie führte insbesondere zu Beginn des Jahres zu einer tiefen Auslastung und entsprechender unterdurchschnittlichen Ertragsentwicklung der Spitäler in Herisau und Heiden. Gleichzeitig stellte die Behandlung von Covid-19-Patientinnen und -Patienten die Spitalangestellten erneut vor anspruchsvolle Herausforderungen. Gesamthaft wurden im Spital Herisau im vergangenen Jahr 224 bestätigte Covid-19-Patientinnen und -Patienten behandelt. 33 davon auf der Intensivpflegestation (IPS). Die durchschnittliche Spitalaufenthaltsdauer aller Covid-19-Patientinnen und -Patienten betrug 8,12 Tage. Die Aufenthaltsdauer der 33 Patientinnen und Patienten welche intensivmedizinisch behandelt werden mussten, betrug durchschnittlich 18,15 Tage auf der IPS.

Status quo nicht mehr finanzierbar

Geänderte Rahmenbedingungen und die hohe Versorgungsdichte waren für den Spitalverbund bereits in den vergangenen Jahren herausfordernd. Es wurden zahlreiche Optimierungen und Kostenreduktionen vorgenommen. 2021 musste dennoch nüchtern festgestellt werden, dass sich eine weitere Kostenreduktion auch alleine auf der Basis der notwendigen Vorhalteleistungen, nicht mehr bewerkstelligen liess. In Anbetracht dieser Ausgangslage war das Fortführen des Status quo nicht mehr finanzierbar und nicht mehr zu rechtfertigen. Der Ausserrhoder Regierungsrat hat deshalb am 20. April den Antrag des Verwaltungsrates zur Schliessung des Spitals Heiden per spätestens Ende 2021 genehmigt. Mit der Schliessung des stationären Bereichs Ende Juli und dem stetigen Rückgang der ambulanten Fallzahlen bis Ende Jahr, fiel entsprechend auch der Umsatz aus dem Spital Heiden kontinuierlich weg. Naturgemäss bildeten sich die Kosten nicht zum gleichen Zeitpunkt im gleichen Ausmass zurück, da Ressourcen wie Personal, Gerätschaften, Infrastruktur etc. erst Ende 2021 vollumfänglich aufgelöst werden konnten.

Turbulente Situation im PZA

Ebenfalls zum Umsatzrückgang beigetragen hat die in der ersten Jahreshälfte 2021 turbulente Situation im Psychiatrischen Zentrum AR (PZA). Aufgrund von Personalausfällen mussten vorübergehend wenige Betten geschlossen werden, was das Ertragspotenzial geschmälert hat. Diese Umsatzverluste konnten – trotz Beruhigung der Situation im PZA seit Herbst 2021 – bis Ende Jahr nicht mehr vollumfänglich aufgeholt werden.
Nach dem Entscheid zur Fokussierung auf das Akutspital und die Psychiatrie am Standort Herisau ab 2022, hat der SVAR seine Unternehmensstrategie überprüft und auf die Jahre 2022 bis 2026 neu ausgerichtet. Der Spitalverbund hat den Anspruch, im Einzugsgebiet erste Wahl für Patientinnen und Patienten mit akutsomatischen und psychischen Behandlungsbedürfnissen zu sein und mittelfristig positive finanzielle Ergebnisse zu erwirtschaften.

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