Der Optimismus nimmt zu

Die wirtschaftliche Lage bei den Ostschweizer Unternehmen hat sich weiter abgeschwächt. In den exportorientierten Branchen besteht nach wie vor ein Mangel an Auslandsaufträgen. Allerdings scheint der Tiefpunkt erreicht und der Optimismus nimmt zu. Der Binnenmarkt ist weiter robust. Im Bausektor ist nach dem Boom bei den energetischen Sanierungen eine Normalisierung im Gange.

  • (Symbolbild: Bigstock)

    (Symbolbild: Bigstock)

Die Abkühlung in der Ostschweizer Wirtschaft fand im letzten Quartal eine erneute Fortsetzung, teilte die IHK St.Gallen-Appenzell in ihrem jüngsten Quartalsanalyse mit. Erstmals seit Ende 2020 wird die Geschäftslage nicht mehr als positiv eingeschätzt. Dies ist in erster Linie der weiterhin schwachen konjunkturellen Lage im Exportsektor geschuldet.

Erste Aufhellungen sichtbar

In der Industrie trübte sich die Stimmung nochmals ein und wird noch knapp als befriedigend eingeschätzt. Die Auftragslage, insbesondere im Export, erweist sich weiterhin als herausfordernd. «Vier von zehn Ostschweizer Industrieunternehmen berichten von einem zu kleinen Auftragsbestand», erklärt Jan Riss, Chefökonom der IHK St.Gallen-Appenzell. Es zeigen sich aber auch erste Aufhellungstendenzen in einzelnen Industriezweigen. Positive Zeichen kommen insbesondere aus der Datenverarbeitungs- und Elektronikbranche. Die ersten positiven Signale aus der Industrie dürften sich in den kommenden Monaten weiter verstärken. Die Ostschweizer Industrieunternehmen rechnen in der Folge mit einer leicht verbesserten Geschäftslage für die nächsten sechs Monate.

Bauwirtschaft weiter robust

Weiter solide, aber nicht mehr ganz so rund läuft es im Bausektor. Die Auftragslage ist weiterhin gut und reicht bis weit ins zweite Halbjahr hinein. «Allerdings ist insbesondere im Baunebengewerbe eine gewisse Normalisierung nach dem Boom bei energetischen Sanierungen festzustellen», so Schiffhauer. Die Stimmungslage hat sich auf hohem Niveau etwas eingetrübt. Das Bild bestätigt sich in der Tendenz auch auf gesamtschweizerischer Ebene, wenn auch nicht so ausgeprägt. «Das Hauptproblem der Baubranche bleibt aber nach vor der Mangel an Arbeitskräften. Weiterhin ist rund jedes zweite Unternehmen davon betroffen», führt Beat Schiffhauer, Konjunktur- und Finanzexperte der St.Galler Kantonalbank, aus.

Gastgewerbe und Detailhandel

Sowohl die Gastronomie als auch die Hotellerie vermelden eine leicht verschlechterte Geschäftslage. «Die Verschlechterung in der Ostschweizer Hotellerie kommt allerdings ausgehend von einem Beinahe-Rekordjahr an Übernachtungen im Jahr 2023. Belastend wirken zudem weniger die Nachfrage als die kostenseitigen Treiber wie Energie und Personal», ergänzt Jan Riss. Der wichtigen Sommersaison blicken die Ostschweizer Hotels zudem mehrheitlich optimistisch entgegen.
Wieder besser läuft es im Detailhandel. Insbesondere das Geschäft mit Nahrungs- und Genussmitteln sowie IT-Geräten wird als gut bewertet. Eher schwierig ist das Geschäft mit Haushaltsgeräten und Kraftstoffen an Tankstellen. Die befragten Unternehmen äussern sich sowohl zur erwarteten Geschäftslage als auch zum erwarteten Gesamtumsatz optimistisch. «Die hohe Arbeitsplatzsicherheit sowie die wieder vorherrschende Preisstabilität stützen den privaten Konsum», so Riss.

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