Den Goodwill nicht verspielen

Der Bauernverband Appenzell Ausserrhoden hat am Samstag, 6. April, an seiner 142. Delegiertenversammlung im Schönengrund getagt. Der Präsident Beat Brunner konnte die Traktanden zügig durchgehen. Bei den Abstimmungen herrschte Einigkeit.

  • Vorstand und Geschäftsführung des Bauernverbands AR (von links): Stefan Freund, Beat Brunner, Andreas Aemisegger, Ruth Tanner, Christian Brunner, Jeannine Riegg, Jakob Oertle, Priska Frischknecht und Roman Züst.   (Bilder: zVg)

    Vorstand und Geschäftsführung des Bauernverbands AR (von links): Stefan Freund, Beat Brunner, Andreas Aemisegger, Ruth Tanner, Christian Brunner, Jeannine Riegg, Jakob Oertle, Priska Frischknecht und Roman Züst. (Bilder: zVg)

  • Die Delegiertenversammlung fand in Schönengrund statt.

    Die Delegiertenversammlung fand in Schönengrund statt.

Heuer war die Hinterländer Gemeinde Schönengrund Austragungsort der Delegiertenversammlung. Bei schönstem Frühlingswetter kamen rund 140 Mitglieder und Gäste am Samstagvormittag ins Mehrzweckgebäude. «Wenn man sich heute fragt, mit welchen Herausforderungen die Landwirtschaft aktuell konfrontiert ist, dann stellt man fest, dass man darüber ein dickes Buch schreiben könnte», so der Präsident Beat Brunner in seiner Begrüssung. Weiter führte er aus: «Das macht es mir nicht unbedingt einfacher, die wichtigsten Inhalte aus diesem Buch in ein paar wenigen Minuten näherzubringen.» Relativ schnell könne jedoch festgestellt werden, dass das Wort «Nachhaltigkeit» fast schon stellvertretend für das ganze Buch stehe.

Nachhaltigkeit

«Abgeleitet auf unsere Produktion darf man festhalten, dass diese gemäss Definition ökologisch, wirtschaftlich und sozial vertretbar sein muss. Nur wenn alle drei Pfeiler in der ganzen Wertschöpfungskette gleichermassen berücksichtigt sind, kann von Nachhaltigkeit die Rede sein», so Beat Brunner. Die Landwirtschaft könne nicht alles alleine bewerkstelligen, sondern es brauche auch sämtliche vor- und nachgelagerten Bereiche in der Wertschöpfungskette bis hin zu den Konsumenten.
Bei der wirtschaftlichen und sozialen Komponente bestehen in der Landwirtschaft nach wie vor grosse Defizite. Die Einkommenssituation von vielen Bauernfamilien in der Schweiz ist noch immer ungenügend. Ein Grund für die schlechte finanzielle Lage ist mitunter die Teuerung, wodurch auch die Kosten für Vorleistungen steigen. Es ist dem Bauernstand nicht gelungen ist, diese auf dem Markt über höhere Produzentenpreise vollumfänglich weiterzugeben. Zentral für einen Landwirtschaftsbetrieb ist aber der Produkteverkauf. Jeden 4. von 5 Franken oder anders formuliert 80 Prozent vom Umsatz nimmt ein Durchschnittsbetrieb von den Märkten ein. Es braucht eine moderate Erhöhung der Produzentenpreise. Dabei spielen die Grossverteiler eine Schlüsselrolle. Eine weitere Schwierigkeit sind die laufend steigenden Anforderungen von der Politik im Bereich der Produktion.

Friedliche Aktionen

Die Bauernproteste haben sich mittlerweile über Frankreich auf die ganze Schweiz ausgeweitet. «Wir vom Vorstand verstehen den Frust, den viele Bäuerinnen und Bauern aktuell verspüren. Grundsätzlich haben wir nichts dagegen, wenn geordnete und friedliche Aktionen stattfinden, wie dies bis heute der Fall gewesen ist», sagte Beat Brunner. Es müsse aber allen bewusst sein, dass das Ganze ein schmaler Grat sei, um nicht den Goodwill bei der Bevölkerung zu verspielen. Die Landwirtschaft brauche den Goodwill der Bevölkerung nicht nur tagtäglich beim Einkaufen, sondern auch bei Abstimmungen. So im kommenden Herbst bei der sogenannten «Biodiversitätsinitiative».

Verbandsjahr 2023

Im letzten Frühling sind die Vorstände der Bauernverbände Appenzell Inner- und Ausserrhoden sowie St. Gallen nach Abwägen von verschiedenen Möglichkeiten einstimmig zum Schluss gekommen, dass es für die Kunden wie auch für die involvierten kantonalen Bauernverbände am besten sei, wenn die «Agrisano»-Regionalstelle Haslen vom Ausserrhoder Bauernverband an die Versicherungsabteilung vom St. Galler Bauernverband ausgelagert wird. So erfolgte per Ende 2023 die Geschäftsaufgabe respektive die Übergabe per 1. Januar 2024 an den St. Galler Bauernverband. Beat Brunner konkretisierte: «Das alles unter der Bedingung, dass der Kunde weiterhin im Zentrum steht, nach wie vor sehr gut betreut wird und die Kundennähe weiterhin gewährleistet ist.» Da sämtliche Kosten und Erträge, die im Jahr 2024 aufgrund der Geschäftsaufgabe der «Agrisano»-Regionalstelle anfallen, bereits im Jahresabschluss 2023 berücksichtigt worden sind, schloss die Rechnung im Minus.

Einhelligkeit herrschte bei den Gesamterneuerungswahlen: Die Mitglieder des Ausserrhoder Bauernverbands wählten ihren Vorstand und die Revisoren einstimmig wieder. Nach dem geschäftlichen Teil ging es zum Mittagessen über.

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