Den Dorfkern und seine Umgebung «gelesen»

Anlässlich der Europäischen Tage des Denkmals besuchten am Samstag Scharen von Interessierten sanierte Gebäude und den Landsgemeindeplatz in Hundwil.

  • Von der Anhöhe aus ist die beispielhafte Siedlungsstruktur des Dorfes Hundwil gut zu lesen.  (Bilder: monica Dörig)

    Von der Anhöhe aus ist die beispielhafte Siedlungsstruktur des Dorfes Hundwil gut zu lesen. (Bilder: monica Dörig)

  • Das Haus an der Dorfstrasse 10 in Hundwil wurde mittels alter Handwerkstechniken restauriert.

    Das Haus an der Dorfstrasse 10 in Hundwil wurde mittels alter Handwerkstechniken restauriert.

  • In einer der beiden Küchen trifft die alte Ofenwand auf moderne Einbauten.

    In einer der beiden Küchen trifft die alte Ofenwand auf moderne Einbauten.

  • Die Neugierigen wurden durch die zahlreichen Räume geführt, zum Beispiel in die ehemalige Gaststube.

    Die Neugierigen wurden durch die zahlreichen Räume geführt, zum Beispiel in die ehemalige Gaststube.

  • Altes wurde mit Neuem kombiniert, Ursprüngliches mit Komfort, Geschichte mit moderner Kunst.

    Altes wurde mit Neuem kombiniert, Ursprüngliches mit Komfort, Geschichte mit moderner Kunst.

Die Besichtigungen im Rahmen der europäischen Denkmaltage von diesem Wochenende lockten am Samstagvormittag Scharen an Baukultur Interessierter nach Hundwil, darunter aktive und ehemalige Ausserrhoder Regierungsräte, die Hundwiler Gemeindepräsidentin Margrith Müller und Leute «vom Fach» und aus Baubehörden.

Der Rundgang im renovierten aus dem 17. Jahrhundert stammenden «Rothus» war rasch ausgebucht. Vor der Kirche versammelten sich am Vormittag über 60 Neugierige. Thomas Keller (Architekt und Fachmann für Städtebau) und Denkmalpfleger Hans-Ruedi Beck führten sie in das morphologische, historische und sozialräumliche Lesen des einst bedeutungsvollen Platzes ein, der eingerahmt ist von Häusern, die seit Jahrhunderten auf den Platz blicken.  Von 1600 bis 1997 wurden hier alle zwei Jahre (und davor schon ausserordentliche) Landsgemeinden abgehalten.

Nach einem kurzen Gang zum mutmasslich geschenkten Mammutbaum oberhalb des Landsgemeindeplatzes zeigte der Blick auf das Dorfzentrum, das von stark befahrenen Strassen durchschnitten wird, anschaulich die beispielhafte Bebauung und das Gehörte. Eines der bürgerlichen Appenzellerhäuser, die den Platz locker einrahmen, wurde nachher vom Besucheransturm «geflutet». Die Künstlerin Vera Marke hat das Gebäude an der Dorfstrasse erworben und in dreijähriger Arbeit saniert. Das Kulturobjekt, wie sie es nennt, veranlasste sie, alte Mal- und Handwerkstechniken zu erforschen und anzuwenden, um es in einen früheren Zustand zurückzuversetzen und nutzbar zu machen. Sie und Hans-Ruedi Beck geleiteten die Neugierigen gruppenweise mehrmals, bis in den Nachmittag hinein, durch die sorgfältig renovierten und gestalteten Räume.

Die Kombination von Altem und Neuem ganz im Sinne des diesjährigen Mottos der Denkmaltage «Reparieren und Wiederverwerten» zeigte auf inspirierende Weise, wie altes Kulturgut wertgeschätzt und wertvermehrend erhalten werden kann, wie alte Dorfhäuser – Ausserrhoden weist einen sehr hohen Bestand auf – mit Liebe zum Vorhandenen und zur Geschichte des Gebäudes für heutige Bedürfnisse bewohnbar gemacht werden können. Im stattlichen Haus erkennt man die Wiederaneignung im positiven Sinn, die auch in Bezug auf den Platz thematisiert wurde. «Wiederverwerten ist Wiederaneignen».

Fachleute im Publikum betonten, man soll manchmal etwas lassen wie es ist. «Wer weiss was in dreissig Jahren ist: Vielleicht hat sich die Mobilität der Gesellschaft verändert, vielleicht leben wir lokaler und der Verkehr ist leiser geworden, dann bekommt der Platz in Hundwil vielleicht eine neue Bedeutung».  Die Ausführung der Referierenden übertönten dank portabler Lautsprecher den Klang des unablässigen Verkehrsstroms. Seit der Entstehung der Siedlung um das Jahr 920 bis heute liegt Hundwil an wichtigen Verkehrswegen.

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