«De Simon vom Böhl» – berührend, witzig und charmant

Nach dem letzten Erfolg mit ihrer Lesung «Frau Grün» hat der Kulturverein 3 Eidgenossen die Gaiserin Anita Glunk wieder eingeladen, diesmal mit der wahren Geschichte des unglaublichen Lebens ihres Schafbocks «Simon vom Böhl», der vielen in Gais und Bühler in lebendiger Erinnerung bleibt.

  • Anita Glunk bei ihrer Lesung im Besucherzentrum Brauquöll. (Bilder: Myriam Schaufelberger)

    Anita Glunk bei ihrer Lesung im Besucherzentrum Brauquöll. (Bilder: Myriam Schaufelberger)

  • Für die musikalische Begleitung mit Bass, Hackbrett und Gesang waren Kathrin Zürcher (hinten) und Susanna Wettstein (vorne) zuständig.

    Für die musikalische Begleitung mit Bass, Hackbrett und Gesang waren Kathrin Zürcher (hinten) und Susanna Wettstein (vorne) zuständig.

Musikalisch begleitet mit Bass, Hackbrett und Gesang von Kathrin Zürcher und Susanna Wettstein liess Anita Glunk das Publikum im Besucherzentrum Brauquöll in Appenzell an Simons Leben teilhaben. Gut 13 Jahre lang hat der Schafbock «Simon vom Böhl» Anita Glunk in ihrem Leben begleitet, ein ungewöhnliches Leben, das die Autorin ihren Schafbock gleich selbst erzählen lässt, und damit die Zuhörerinnen und Zuhörer in eine andere Welt entführt, in die Welt eines Schafbocks, der diese aus seinem ganz eigenen Blickwinkel beschreibt.

So erzählt er, wie er als kleines Lämmchen die zuerst erschreckende Bekanntschaft mit einem «bellenden Monster» machte, und wie er zu seiner «Menschenfreundin Anita» gekommen ist, die ihn davor gerettet hat, nach einem Sturz in einen eiskalten Bach eingeschläfert zu werden. Am neuen Ort in Anitas Zuhause angekommen, lernt er viel Neues kennen, das er nicht versteht. Er macht Bekanntschaft mit weiteren Hunden, mit denen er sich anfreundet, und mit den Hühnern und den beiden Pferden, die mit ihm den Stall teilen, dabei aber die Nase rümpfen und meinen: «Der stinkt!»

Ein aufregendes Schafleben

In kurzen, einfachen Sätzen lässt Anita Glunk ihren Schafbock schildern, wie er kastriert wird, damit er «nicht pötscht», lässt ihn stolz erzählen von seiner neuen, ungewöhnlichen Frisur, die ihm Anita beim Scheren verpasst hat. Und dann die aufregende Reise ins Engadin, alle gemeinsam, seine «Menschenfreundin» und drei weitere Menschen, vier Pferde, zwei Hunde und Schafbock «Simon», ein Gespann, das auch in St. Moritz für Aufsehen sorgte. Simon genoss es in vollen Zügen. Er hatte auch eine Begegnung mit dem kleinen Hündchen Idefix, dem er gehörig Respekt einflösste.

So gingen die Jahre vorbei, in denen Simon viel Aufregendes und Schönes erlebte. Er durfte einen Wagen ziehen und war mit einer Samichlaus-Gruppe unterwegs, absolvierte mit seiner Menschenfreundin einen Paarlauf und besuchte einen Gottesdienst. Es gab aber auch traurige Momente, zum Beispiel als Hund Mischa starb oder als er ins Rheintal zügeln musste, weil die Stallbesitzer pensioniert wurden. Zwar waren im Rheintal viele andere Schafe mit ihm im Stall, doch er war weg von seinem Zuhause und weg von Anita.

Wieder zu Hause

Glücklicherweise konnte sie ihn aber später wieder zurück nach Hause holen, nachdem sie einen neuen Stall gefunden hatte. Er war überglücklich und verlebte eine gute Zeit mit vielen Abenteuern, doch langsam begannen ihn Altersbeschwerden zu plagen. Es wurde Zeit, über den Regenbogen zu gehen. Ein sehr emotionaler Moment, der keinen der Zuhörenden kalt liess. Doch es überwogen die schönen Erlebnisse, es gab zu lachen und zu schmunzeln. Insgesamt eine schöne Geschichte, die Anita Glunk in ihrer Lesung mit Fotos illustrierte, dazwischen gefühlvoll musikalisch ergänzt mit Hackbrett und Bass, mit lüpfigen Appenzeller Weisen, aber auch mit melancholischen Melodien, welche die Erzählungen Simons emotional aufluden.

Man merkte, dass Anita Glunk nicht nur Geschichten, sondern auch Theaterstücke geschrieben hat. So schuf sie mit den einfachen Erzählungen aus der Sicht des Schafbocks lebendige Bilder des ungewöhnlichen Lebens von «Simon vom Böhl», der das Publikum mit seiner ganz eigenen Wahrnehmung daran teilhaben liess.

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