Da spielt Appenzell gegen Chelsea

Als erster Amateurverein ist der FC Appenzell Mitglied der Organisation «Football is more». Einen ersten Fixpunkt stellt die Teilnahme am Helvetia-Cup im August im St. Galler Gründenmoos dar. Es ist ein Inklusionsturnier.

  • FCA-Präsident Rayco Gutierrez (links) beantwortet Fragen von Thomas Hengartner. (Bilder: Lukas Pfiffner)

    FCA-Präsident Rayco Gutierrez (links) beantwortet Fragen von Thomas Hengartner. (Bilder: Lukas Pfiffner)

  • Armin Ospelt, Vizepräsident des Stiftungsrates, und Cengiz Bicer, Projektleiter, informieren über die Ziele.

    Armin Ospelt, Vizepräsident des Stiftungsrates, und Cengiz Bicer, Projektleiter, informieren über die Ziele.

  • Cem Kirmizitoprak, Leiter Beratungsstelle Inklusion St. Gallen: «Eigentlich sollte sich die Fifa engagieren.»

    Cem Kirmizitoprak, Leiter Beratungsstelle Inklusion St. Gallen: «Eigentlich sollte sich die Fifa engagieren.»

  • Dem FC Appenzell werden in der Gruppe 4 illustre Namen zugelost.

    Dem FC Appenzell werden in der Gruppe 4 illustre Namen zugelost.

Die Szenerie hatte am Donnerstag, 30. Mai, fast die edle Ambiance einer Champions-League-Auslosung: Im Rahmen einer Medienkonferenz wurde im St. Galler Hotel Säntispark über den International-Helvetia-Cup vom 8. bis 11. August im Gründenmoos informiert. Und sowohl für das Turnier der internationalen Spitzenteams der U17 als auch für den Special European Cup entschied eine Ziehung von Kugeln aus einer Schüssel über die Zusammensetzung der Vorrundengruppen. Da gab es ein Schmunzeln: Der FC Winterthur Brühlgut, die Brunau Stiftung Zürich, Chelsea, der FC St. Gallen und Appenzell treffen in der Gruppe C aufeinander.

Rayco Gutierrez ist seit dem Frühling 2024 Präsident des FC Appenzell. «Dieser soll aus unterschiedlichen Fussballerinnen und Fussballern bestehen. Ich bin davon überzeugt, dass Vielfalt eine Bereicherung ist, und ich möchte dazu beitragen, dass alle Menschen die Möglichkeit haben, ihre Talente zu entfalten.»

Der erste Amateurverein

Organisator des Helvetia-Cups (benannt nach dem Sponsor) ist die Stiftung «Football is more» (FIM). Der Fussballclub Appenzell sei der erste Amateurverein, der offiziell aufgenommen werde, sagte Armin Ospelt, Vizepräsident der Stiftung. Man freue sich darüber; es sei das Ziel, die Inklusion (die gemeinsame Aktivität) nicht nur mit grossen Clubs, sondern auch in der Region voranzutreiben. Das Appenzeller Team wird an allen vier Turniertagen im Einsatz sein. Zunächst macht es am «Inklusionsturnier Walking Football» mit; Rennen und harter Körperkontakt sind dabei verboten, es wird in heterogenen Teams gespielt. Am zweiten und dritten Tag nimmt Appenzell am Special European Cup teil, und am Sonntag finden die Finalspiele statt.

Resonanz ist positiv

Rayco Gutierrez ist daran, ein Team zusammenzustellen. Er hat Anfragen an Heime und Institutionen in Inner- und Ausserrhoden gerichtet und Kontakte geknüpft. «Es zeigen einige Personen mit Beeinträchtigungen Interesse, Jugendliche wie Erwachsene.» Auch bei den Behörden sei die Resonanz positiv, sagt Gutierrez. Er ist an einem Trainerkurs auf FIM aufmerksam geworden, hat eine spezielle Ausbildung absolviert und vor zwei Jahren ein «Special Team» des FC St. Gallen trainiert. Die gemeinnützige Stiftung wurde 2011 in Vaduz gegründet. Der Zweck: benachteiligte Menschen durch die Kraft des Fussballs zu unterstützen, zu fördern und nachhaltig zu stärken. Ein besonderes Augenmerk wird auf Kinder und Jugendliche gelegt, die sozial benachteiligt, geistig respektive körperlich beeinträchtigt sind oder in Krisengebieten und Entwicklungsländern leben.

«Es ist sehr schön, aber …»

Mit der Mitgliedschaft bei FIM hat sich der FCA verpflichtet, ein Team für Menschen mit Behinderung aufzubauen und sie im Verein zu integrieren. Durch Trainings und Turniere soll die sportliche Entwicklung gefördert und ein Gefühl der Gemeinschaft geschaffen werden. Zudem haben die Innerrhoder die Möglichkeit, sich mit Vereinen auszutauschen, an Weiterbildungsprogrammen für Trainerinnen und Trainer teilzunehmen und von einem Netzwerk zu profitieren. Thomas Hengartner, Stiftungsratsmitglied und ehemaliger Spieler des FC St. Gallen, führte als Moderator durch den Anlass vom Donnerstag. Zahlreiche Gäste aus Kreisen der Politik, Verbände, Vereine und Sponsoren waren anwesend. «Es ist sehr schön, dass Sie sich auf diese Weise einsetzen», sagte in einem eindrücklichen Votum der im Rollstuhl sitzende Cem Kirmizitoprak (Leiter Beratungsstelle Inklusion St. Gallen). «Aber eigentlich sollte sich der Fussballweltverband Fifa engagieren.»

Erstmals Amputee-Teams

Angereist waren auch Vertreter des FC Liverpool und des VfB Stuttgart. Sie sprachen von einer Herzensangelegenheit. Am 12. Helvetia-Cup machen als Premiere vier Amputee-Football-Teams mit, darunter zwei aus der Ukraine. Über 800 Personen werden teilnehmen, dazu rund 100 Volunteers. Dominique Blanc, der Präsident von Swiss Football, wird als Schiedsrichter amtieren. Das Budget für die Veranstaltung liegt bei fast 700’000 Franken. Der Gesamtumsatz der Trägerorganisation FIM, die nebst dem Turnier weitere Aktivitäten durchführt, beträgt jährlich 1 bis 1,5 Millionen Franken. «Dabei achten wir darauf, dass der administrative Aufwand gering ist. 92 Prozent unserer Mittel fliessen direkt in die Projekte», sagte Geschäftsführer Hanspeter Rothmund.  Finanziert wird die Organisation von Stiftungen, Sponsoren und Privaten.

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