Comedy-Karriere inklusive Integrationsprogramm

Auf dem Weg die grossen Comedy-Bühnen zu erobern, legte Stand-up-Comedian Reena Krishnaraja am Montag einen Zwischenstopp in Heiden ein: Sie hat nicht nur die Lachmuskeln des Publikums trainiert, sondern mit gesellschaftspolitischen Themen auch zum Nachdenken angeregt.

  • Stand-up-Comedian Reena Krishnaraja begeisterte das Publikum im Kursaal Heiden. (Bild: Saara Iten)

    Stand-up-Comedian Reena Krishnaraja begeisterte das Publikum im Kursaal Heiden. (Bild: Saara Iten)

Eine Minute zu spät startete am Montagabend um 19.20 Uhr die Veranstaltung mit Stand-up-Comedian Reena Krishnaraja im Kursaal Heiden. Das sei aber überhaupt kein Problem, Comedy starte nämlich nie pünktlich, stellt Krishnaraja klar. Der Tanzsaal im Kursaal platzte aus allen Nähten: Um den Bühnenauftritt der jungen Comedian zu verfolgen, nimmt das Publikum sogar einen Sitzplatz auf der Treppe oder einen Stehplatz in Kauf – wie passend, dass sich genau an diesem Abend alles um Stand-up-Comedy dreht.

Gesellschaftsfragen vs. Comedy

Jeden ersten Montag im Monat lädt das Dunant-Museum zur Veranstaltungsreihe «immer wieder montags». Der legendäre Tanzsaal verwandelt sich dann zur Bühne oder zum Diskussionsforum rund um aktuelle Gesellschaftsfragen. Was Comedy mit Gesellschaftsfragen zu tun hat, machte Krishnaraja in der nächsten Stunde klar: Auf freche und schlagfertige Art und Weise erzählte sie Anekdoten aus dem Leben. So machte sie beispielsweise deutlich, wie es ist, als Landei in die weite Welt hinauszugehen, aus dem behüteten Elternhaus in die erste eigene Wohnung zu ziehen oder dass sie die Zeit nach ihrem Gewinn manchmal mehr an ein Integrationsprogramm als eine Comedy-Karriere erinnert.
Eine Anfrage für «Mini Chuchi, dini Chuchi» hat sie nämlich dankend abgelehnt, nach einem Auftritt am Arosa Humorfestival» gleich ihre Ski-Skills geschärft und bei der Teilnahme am Samschtig-Jass gemerkt, dass «Arschlöcheln» nicht gleich Jassen ist. Jetzt fehle nur noch die Anfrage für «Bauer, ledig, sucht…», so die 20-Jährige. Krishnaraja unterhielt das Publikum aber nicht nur, sondern gab ihm unterschwellig auch eine tiefere Message mit auf den Weg. Denn gerade Themen wie Rassismus oder Sexismus sind zwar besonders vulnerabel, aber schlussendlich machte die junge Frau auch schon weniger schöne Erfahrungen, die ihr bisheriges Leben prägten.

«Humor ist Humor»

Zum Schluss stellte sich Krishnaraja einigen mehr oder weniger tiefgründigen Fragen von Andreas Ennulat, Präsident des Vereins Henry-Dunant-Museum. Gefragt wurde unter anderem, was Satire dürfe oder was ein absolutes No-Go sei. Ausserdem wollten auch vereinzelte Zuhörerinnen oder Zuhörer noch mehr über den Star aus dem Appenzeller Vorderland in Erfahrung bringen – für die Gruberin war der Auftritt in Heiden nämlich ein Heimspiel und im Publikum sassen zahlreiche bekannte Gesichter.
Die Frage nach ihrer beruflichen Zukunft wusste Krishnaraja sofort zu beantworten: Comedy habe definitiv einen wichtigen Stellenwert in ihrem Leben – weshalb sie auch ihr Studium der Sozialwissenschaften und Politik nur noch in Teilzeit absolviere. Aktuell träumt sie also von einer abendfüllenden Soloshow oder sogar einer eigenen Serie. «Da ich aber erst zwanzig Jahre alt bin, hat das noch etwas Zeit», so Krishnaraja. Dafür hat die Comedian aber bereits einiges auf dem Kasten und vieles im Leben verstanden. Das macht sie noch einmal deutlich, als sie sich vom Publikum verabschiedet und die Zuschauerinnen und Zuschauer gleichermassen schmunzelnd und nachdenklich zurücklässt: «Humor ist Humor. Egal von welchem Geschlecht!»

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