Besorgter Rückblick an der Hauptversammlung der GFI

Am vergangenen Freitag kam die Gruppe für Innerrhoden (GFI) nach Corona wieder wie üblich zur Jahreshauptversammlung zusammen. Der Rückblick über die letzten neun Monate stellte besorgniserregende Entwicklungen fest.

  • (Symbolbild: Archiv app24/H9)

    (Symbolbild: Archiv app24/H9)

Die ordentlichen Geschäfte waren schnell erledigt. Der sechsköpfige Vorstand wurde bestätigt und die Rechnung für 2021 mit positivem Abschluss genehmigt. Die neue Homepage www.gfi-appenzell.ch steht in Betrieb.
Im Jahresbericht bedauerte der Präsident Josef Manser die Rückweisung der Wildruhegebiete an der Landsgemeinde; die kleinste Einschränkung für ganz wenige zugunsten von Tier- und Umwelt ist nicht mehrheitsfähig. Auch die Neueinzonung von schönstem Landwirtschaftsboden für Gewerbe und Industrie in der «hinteren Rüti» an der Dunke wirkt widersprüchlich angesichts der vielerorts zu vernehmenden Kritik an Bauboom, Mehrverkehr, Pendlerströmen, Dichtestress und Landschaftsverschleiss. Im Nachgang tauchte die Frage auf, ob die Entscheide an offenen Gemeinden noch zeitgemäss sind und angesichts der Beteiligung wirklich die Meinung der breiten Bevölkerung abbilden.
Besprochen wurden auch die Hauptsachgeschäfte der kommenden Grossrats-Session vom 20. Juni, der Beitrag an die Sanierung des Klosters Maria der Engel und die Festsetzung der Windkraftstandorte im Richtplan, speziell die Interessenabwägung für die Honegg in Oberegg. Ausgehend von letzterem Thema entspann sich eine Grundsatzdiskussion über das Verhältnis von Umwelt und Energie, das durch den Ukraine-Konflikt sehr in den Fokus gekommen ist und etwa die Atomlobby, Wachstumsgläubige und Gegner von Umweltanliegen Morgenluft wittern lässt. Der Forderung nach Priorität der Nutzung aller Energiequellen wurde entgegengehalten, die Haltung der Umweltverbände basiere auf geltenden gesetzlichen Grundlagen, weswegen sie in den allermeisten Fällen auch Recht bekämen. Es gelte, die Verhältnismässigkeit zu bewahren und nicht die wenigen letzten Reste intakter Natur für kleinsten Zugewinn zu opfern. Man dürfe nicht in Panik verfallen und das Kind nicht mit dem Bade ausschütten. Vielmehr müsse man die bewährte umsichtige Politik weiterführen. Nötig sei ein grosses Bündel verschiedenster intelligenter Massnahmen, vom Sparen über technische Optimierungen bis zu Diversifizierung und Vermeidung von einseitigen Abhängigkeiten.
Die GFI wird sich weiter für ein demokratisches, soziales und umweltfreundliches Innerrhoden einsetzen, unabhängig, nicht nur für Berufs- und Brancheninteressen. Die Arbeitsgruppe Dorfkern befasst sich auch 2022/2023 mit der Verkehrsführung in Appenzell und der Gestaltung des Hauptortes. Ein Augenmerk soll zudem auf die Raumplanung gelegt werden, nicht zuletzt im Zusammenhang mit der laufenden Revision der Zonenpläne. Einen dritten Schwerpunkt bildet die formelle Totalrevision der Kantonsverfassung.

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