Auf die Erinnerung ist kein Verlass

Ein fehlerhaftes Verfahren – mangelnde Verteidigung und Verzicht auf Konfrontationseinvernahmen – haben im Appenzeller «Mammut-Fall» letztlich zu Freisprüchen zweier Beschuldigter geführt, wie der Appenzeller Volksfreund in seiner morgigen Ausgabe berichtet.

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Wegen der Verfahrensfehler durften die Aussagen der Beschuldigten nicht als Beweismittel verwendet werden. Deshalb fehlte es an schlüssigen Beweisen für Urkundenfälschung, wie aus der Urteilsbegründung des Kantonsgerichts hervorgeht. Weil auf die Erinnerung kein Verlass ist, würde eine neue Einvernahme nicht zu neuen Erkenntnissen führen. Deshalb verzichtete das Gericht auf eine Rückweisung an die Staatsanwaltschaft.

Eine neue Einvernahme würde an der mangelnden Beweislage nichts zu ändern vermögen, schreibt das Kantonsgericht. Der Mangel des bisherigen Beweisverfahrens könne nicht mehr ganz behoben werden, weil es von Bedeutung sei, was diese Zeugen möglichst rasch nach dem umstrittenen Ereignis ausgesagt hätten. Je länger ein Ereignisse zurückliege, desto weniger wisse man noch davon. Das Gericht spricht von Verblassungstendenz. Je öfter eine Person zur selben Sache einvernommen werde, umso weniger erinnere sie sich an das Ereignis selbst und umso mehr an den Inhalt früherer Vernehmungen. Das Erinnerte erfahre im Langzeitgedächtnis vielfältige Veränderungen, Vereinfachungen, Anreicherungen und auch Verfälschungen. Beim Hören der Aussagen Mitbeschuldigter, der Anklage und Verteidigung könnten sich Fehler einschleichen.

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