Am Muttertag war auch Stosswallfahrt

Am Sonntag, 12. Mai, haben sich Innerrhoderinnen und Innerrhoder wie jedes Jahr zur traditionellen Prozession von Appenzell zur rund 9 Kilometer entfernten Stoss-Schlachtkapelle getroffen.

Rosarote Wölkli am frühen Morgenhimmel kündigten einen wunderbaren Tag an. In das Gezwitscher der Vögel mischten sich am Sonntagmorgen in der Früh Klänge der Musikgesellschaft Harmonie. Beim Rathaus in Appenzell versammelten sich schon viele Frauen und Männer und vor der Kanzlei die Behördenmitglieder im schwarzen Leichenmantel. Der regierende Landammann kam sportlich mit dem Velo daher. Bald darauf setzte sich der Zug pünktlich um 6 Uhr in Bewegung. Zügig ging es Meistersrüte zu, herrlich dem Sonnenaufgang entgegen.

Beim Sammelplatz verlas Ratschreiber Markus Dörig den Fahrtbrief, der in altertümlicher Schrift geschrieben ist. Darin wird die Schlacht am Stoss von 1405 geschildert. Die gefallenen Appenzeller sowie die verbündeten Glarner und Schwyzer werden jeweils aufgezählt und man gedenkt ihrer mit fünf «Vaterunser».

Dank an die Mütter

Danach hat sich der lange Zug mit den rund 200 Pilgerinnen und Pilgern betend wieder auf den Weg Richtung Stoss gemacht, teilweise der Strasse entlang, vor Gais ging es dann aber über die tauglitzernden Wiesen. Die Grillen zirpten und Kühe kamen «wönderig» heran, um das nicht alltägliche Geschehen aus der Nähe zu betrachten. Bereits etwas nach 8 Uhr war das Ziel, die Stosskapelle bei Gais, erreicht und Standespfarrer Lukas Hidber hielt einen feierlichen Gottesdienst. Würdig begleitet und umrahmt von Musikanten «vo ösere Harmonie». Im Anschluss dankte Pfarrer Hidber zur Feier des Muttertages den Müttern, und als kleine Geste der Anerkennung erhielt jede «e Schoggeläädli».

«Schwarzfahren» erlaubt

Die Männer wurden derweil magisch vom Grill mit den feinen Würsten angezogen, und auch Durst leiden musste niemand der Pilgerinnen und Pilger. Dieses ungewöhnliche Frühstück hatten auf jeden Fall alle verdient. Genüsslich verweilte man noch eine Weile an diesem geschichtsträchtigen Ort, bevor es auf den Heimweg ging. Viele taten das wieder zu Fuss, andere reisten mit der Bahn zurück. Drei Abfahrtszeiten standen zur Verfügung – mit ausdrücklicher Genehmigung zum «Schwarzfahren», wie Pfarrer Hidber schmunzelnd verkündete.

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