«AG Cilander» erwägt die Schliessung: 190 Arbeitsplätze bedroht

Das Herisauer Textilunternehmen kämpft seit mehreren Jahren gegen laufend steigende Kosten und zusätzlich in den letzten Monaten gegen eine rapid sinkende Nachfrage für Textilprodukte aus dem In- und Ausland an. Eine wirtschaftliche Fortführung der Firma wird in Frage gestellt.

  • Sämtliche Mitarbeitende der «AG Cilander» könnten ihren Job verlieren – so auch jene von Herisau. (Archivbild: Hans Ulrich Gantenbein)

    Sämtliche Mitarbeitende der «AG Cilander» könnten ihren Job verlieren – so auch jene von Herisau. (Archivbild: Hans Ulrich Gantenbein)

Die jüngsten Entwicklungen in der Textilindustrie und bei Schlüsselkunden veranlassen das Unternehmen gemäss einer am Donnerstag veröffentlichten Pressemeldung, eine geordnete Einstellung der Geschäftstätigkeit der «AG Cilander» per Ende August 2024 zu erwägen. Von einer Schliessung wären rund 190 Mitarbeitende betroffen.

Vielseitige Einflüsse

Der Verwaltungsrat und das Management der «AG Cilander» sahen sich im vergangenen Jahr aufgrund des abrupten Nachfrageeinbruchs im In- und Ausland und überproportional steigender Kosten in der Schweiz gezwungen, die Unternehmensfortführung zu hinterfragen. Insbesondere die Inflation im Ausland, die den Konsum in der zweiten Jahreshälfte 2023 merklich gesenkt hat, sowie der starke Franken, in Kombination mit den hohen inländischen Energie- und Produktionskosten, haben seit Sommer 2023 zu einem Auftragseinbruch und zu hohen finanziellen Verlusten geführt, wie das Unternehmen mitteilt.
«Obwohl alle involvierten Parteien mit vollstem Einsatz gekämpft haben, sehen wir keinen gangbaren Weg, der die Handlungsfähigkeit des Unternehmens sichert. Die Produktionseinstellung und daraus folgend die Einstellung der Geschäftstätigkeit der ‹AG Cilander› auf Ende August 2024 scheint unumgänglich zu sein», sagt der Verwaltungsratspräsident Rolf Schmid.

Verschiedene Szenarien geprüft

Verwaltungsrat und Management bedauern die Situation ausserordentlich, Schmid untermauert die Bestrebungen zur Fortführung des Unternehmens. «In den letzten Monaten haben wir verschiedenste Szenarien geprüft. Eine rechtzeitige Schliessung ermöglicht den kontrollierten Marktrückzug. Ein schmerzlicher Schritt, aber gegenüber den Mitarbeitenden, Lieferanten und Kunden der verantwortungsvollste Weg.» Das Konsultationsverfahren werde aktiv genutzt, um weitere Ideen zu prüfen und Lösungen zu evaluieren, heisst es in der Medienmitteilung.

Konsultationsverfahren eingeleitet

Die Schliessung hätte die Entlassung aller Mitarbeitenden zur Folge. Das Konsultationsverfahren wurde heute gegenüber der Personalkommission eingeleitet. CEO Burghard Schneider stellt die Mitarbeitenden ins Zentrum: «Mit einer geplanten Schliessung können wir den Mitarbeitenden den ordentlichen Austritt unter Wahrung der vertraglichen Kündigungsfrist und Bezahlung der Löhne ermöglichen. Zudem unterstützen und begleiten wir unsere Mitarbeitenden bei ihrer beruflichen Neupositionierung. Auch ein Sozialplan ist bereits in Arbeit. Für die Ausarbeitung darf auf die Unterstützung der Steinegg Stiftung gebaut werden.»

Ebenfalls im Fokus ständen die Kunden, so der CEO. «Damit wir den Bedürfnissen unserer treuen und langjährigen Kunden gerecht werden, erhalten wir die Produktion möglichst lange aufrecht», sagt er. Die definitive Schliessung der Produktion an den drei Standorten Herisau, Flawil und Lützelflüh würde spätestens per Ende August 2024 erfolgen.

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