Abgelenkt – und dann geht es sehr schnell

Am Freitagmorgen, 18. August, hat sich in Oberegg ein seltenes Spektakel geboten. An der Sekundarschule war das TCS-Projekt «Tatort Schule» zu Gast. Thema: die Ablenkung im Strassenverkehr, die eine fatale Verkettung von Ereignissen zur Folge haben kann.

  • Mit dem Kickboard aus dem Gleichgewicht gebracht – hinten nähert sich der Personenwagen. (Bilder: zVg)

    Mit dem Kickboard aus dem Gleichgewicht gebracht – hinten nähert sich der Personenwagen. (Bilder: zVg)

  • Das Unheil nimmt seine fatale Fortsetzung.

    Das Unheil nimmt seine fatale Fortsetzung.

  • Die Jugendlichen sind an der Dorfstrasse von Oberegg hautnah dabei.

    Die Jugendlichen sind an der Dorfstrasse von Oberegg hautnah dabei.

  • Marcel Stucki, der Chef der Stuntmen, kommentiert die Aktion.

    Marcel Stucki, der Chef der Stuntmen, kommentiert die Aktion.

  • Projektleiter Peter Iseli (rechts) und Marcel Stucki informieren über den Verlauf des Vormittags.

    Projektleiter Peter Iseli (rechts) und Marcel Stucki informieren über den Verlauf des Vormittags.

  • Roland Siegenthaler bespricht sich mit einer Gruppe Jugendlichen in einem Workshop.

    Roland Siegenthaler bespricht sich mit einer Gruppe Jugendlichen in einem Workshop.

«Wenn das Postauto vorbeigefahren ist, sperrt die Polizei den Strassenabschnitt oben und unten», ruft Marcel Stucki am Freitag kurz nach 8.30 Uhr ins Megaphon. Ein deutscher Tourist, der mit einem Rollkoffer auf dem Trottoir an der Dorfstrasse steht, wundert sich. «Ist das die Begrüssung für mich?» – Nein.

Marcel Stucki führt in Bern eine professionelle Stuntfirma; seine Mitarbeiter und er sind Protagonisten des TCS-Projekts «Tatort Schule». Dieses macht in Ober­egg Station. Die Stuntmen sind normalerweise mit Stürzen, Flügen, Crashes, Flammen in Kriminal- und Actionfilmen wie «Alarm für Cobra 11» oder in Werbespots im Einsatz. Diesmal arbeiten sie für die Verkehrsprävention. Gegen 40 Schülerinnen und Schüler der 2. und 3. Sekundarklasse werden Zeuge von spektakulären Szenen. Marc Rechsteiner, Präsident der TCS-Regionalgruppe Appenzell Innerrhoden, ist ebenfalls vom Geschehen beeindruckt.

Ereignisse überschlagen sich

Ein Skateboardfahrer, ein Mann auf einem Kickboard, ein Velofahrer, ein Automobilist in der Gegenrichtung: Sekundenschnell überschlagen sich die Ereignisse – ganz wörtlich. Die Verkehrsteilnehmer sind unvorsichtig, abgelenkt durch Musik, durch den Blick auf das Handy, durch Verträumtheit. Die Stuntmen fliegen ineinander und auf die Strasse, prallen auf das Auto, in die geöffnete Tür. Die Schülerinnen und Schüler belohnen den Einsatz mit Applaus. Damit hat es sich aber nicht. Wer hat was falsch gemacht? Im Plenum tragen die Jugendlichen die Fehler zusammen.

Vor vier Jahren ist dieses Programm als Pilotprojekt in Bern lanciert worden. Unterdessen hat sich «Tatort Schule» etabliert; die Nachfrage ist sehr gross. «In diesem Jahr führt es der TCS an 15 Orten durch», sagt Projektleiter Peter Iseli.

Impuls für die Fortsetzung

Nach dem kurzen Rückblick auf das Spektakel wirken die Stuntmen in vier Schulzimmern als Leiter von Workshops: In den Modulen geht es um Kernthemen wie Ablenkung, Fahrtüchtigkeit, Vorbeugung und Unfallfolgen. Filmeinspielungen ergänzen die theoretischen Ausführungen der Fachleute und die Diskussionen der Jugendlichen.

Die Profis erzählen aus ihrer beruflichen Arbeit. «Wir trainieren solche Szenen immer und immer wieder. Das Wichtigste ist auch bei uns der Sicherheitsaspekt: Wir wollen alle am Abend gesund nach Hause gehen», erzählt Roland Siegenthaler, der auf der Strasse den Part des Velofahrers eingenommen hat. Im Gegensatz zu den im Projekt «schauspielenden» Stuntmen sind «gewöhnliche» Personen im Verkehrsalltag nicht auf plötzliche Ereignisse vorbereitet. Umso schlimmer können die Folgen von Ablenkung sein.

Die Lehrpersonen erhalten an diesem Morgen didaktische Ideen für den Einsatz mit den Schülerinnen und Schülern im Unterricht. Peter Iseli sagt, es genüge nicht, dass «wir einfach einen schönen und interessanten Vormittag haben». Die spektakuläre Demonstration auf der Strasse und die Workshops sollen Impulse darstellen für die Fortsetzung der Präventionsarbeit in den Oberegger Schulzimmern.

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