70 Jahre Verband der Waldeigentümer

Der Verband der Waldeigentümer, WaldAppenzell, traf sich am Samstag im «Löwen» in Gonten zur diesjährigen Generalversammlung. Präsident Stefan Müller begrüsste die Anwesenden, zu denen neben Waldeigentümern auch Vertreter der Politik sowie die Oberförster Martin Attenberger (Innerrhoden) und Beat Fritsche (Ausserrhoden) zählten.

  • Trotz starkem Schneefall war die Generalversammlung von WaldAppenzell gut besucht. (Bilder: Sabine Itting)

    Trotz starkem Schneefall war die Generalversammlung von WaldAppenzell gut besucht. (Bilder: Sabine Itting)

  • Ausbildung erfolgreich absolviert: Markus Räss, Adrian Frischknecht und Daniel Signer (von links) zusammen mit WaldAppenzell-Präsident, Landeshauptmann Stefan Müller.

    Ausbildung erfolgreich absolviert: Markus Räss, Adrian Frischknecht und Daniel Signer (von links) zusammen mit WaldAppenzell-Präsident, Landeshauptmann Stefan Müller.

Im ersten Teil der Versammlung präsentierte Jan Schoch, Eigentümer des «Bären» und des «Löwen» in Gonten, das Neubauprojekt «Appenzeller Huus», bei dem Holz aus der Region als Baumaterial eine wesentliche Rolle spielt. Anschliessend wurden die Traktanden abgehandelt und über die Tätigkeiten des vergangenen Jahres sowie die aktuelle Situation auf dem Holzmarkt informiert.

70 Jahre Beständigkeit und Wandel

Es war nicht allen Anwesenden bewusst, dass der Verband vor exakt 70 Jahren gegründet worden war. Neben dem «halbrunden Jubiläum» gab es in diesem Jahr ein weiteres, welches ebenfalls gewürdigt wurde: Der Appenzellische Forstpersonalverband wurde 100 Jahre alt. Dass sich Forstarbeiter bereits vor einem Jahrhundert organisiert hatten, könnte mit den Löhnen oder der Arbeitssicherheit zu tun gehabt haben. Genaueres ist dazu nicht bekannt.

Zur Gründung des Verbands WaldAppenzell im November 1953 hatte der «Appenzeller Volksfreund» einen interessanten Bericht veröffentlicht. Die bereits damals formulierte Bestimmung des Verbandes als Vertretung der Waldeigentümer ist bis heute weitgehend gleich geblieben. Gewandelt haben sich allerdings die Themen rund um den Wald, daraus resultierend, dass Menschen heute eine andere Lebensweise haben als vor 70 Jahren. Der Wald selbst hat sich nicht verändert: Er lehrt die Menschheit Beständigkeit, Verlässlichkeit und auch Demut.

Entwicklung auf dem Holzmarkt

Unwetter, Schädlinge, hohe Inflation und gestiegene Energiekosten setzen zurzeit Waldbesitzern in Süddeutschland zu, zudem ist bei unseren deutschen Nachbarn die Baubranche eingebrochen. Ähnlich zeigt sich die Situation in Österreich, speziell in Tirol. Die Ostschweizer Sägewerke melden zwar eine rückläufige Auftragslage, jedoch können die Betriebe weiterhin über eine gute Nachfrage nach Schweizer Holz berichten. Negativ wirkt sich jedoch der tiefe Eurokurs auf den Absatz der normalen Massenware im angrenzenden Ausland aus. Viele Besteller greifen auf das billigste Produkt zurück. Der Brennholzbedarf nahm gegenüber dem Vorjahr um rund 20 Prozent ab. Die Rundholzbestände bei den Sägewerken sind gut bis sehr gut, die Nachfrage nach Frischholz ist derzeit gering. Aktuell kann noch nicht eingeschätzt werden, wie sich die Lage im Jahr 2024 entwickeln wird. Der Markt dürfte sich aber im Frühling erholen.

Nicht nur Klimawandel setzt Wald zu

Der Wald ist einerseits der Lebensraum zahlreicher Tiere und Pflanzenarten, anderseits ein wichtiger Erholungsraum. Vielen Menschen ist jedoch nicht bewusst, dass unsere Wälder kein Allgemeingut sind, sondern jemandem gehören. Zwar regelt das Gesetz die Zugangsrechte für Wald und Wiese und bestimmt, dass Wälder zu Erholungszwecken von jedermann betreten werden dürfen, ein Wald ist jedoch kein Veranstaltungsort. Schon immer nutzten Menschen die Möglichkeit, im Wald zu spazieren und sich zu entspannen. In den letzten Jahren hat allerdings die Rücksichtslosigkeit zugenommen: Work-Life-Balance ist das eine, egoistische Raumbeanspruchung das andere. Für die meisten Menschen ist es selbstverständlich, Wege und Pfade nicht zu verlassen und Rücksicht auf Flora und Fauna zu nehmen. Aber es gibt auch zunehmend Personen und Personengruppen, die neue Aktivitäten rücksichtslos in die Wälder verlegen und die Natur (zer-)stören. Waldbesitzer sehen sich dadurch völlig neuen Themen gegenüber, die es so früher gar nicht gab. Hier ist vor allem auch der Zusammenhalt von Kleinwaldbesitzern wichtig, die sich zunehmend mit einer 24-Stunden-Gesellschaft konfrontiert sehen.

Situation in den Ostschweizer Wäldern

Entspannung bei Schädlingen, Herausforderung durch Klimawandel: Die Wälder in der Ostschweiz hatten in diesem Jahr keine nennenswerten Probleme mit Borkenkäfern.  Auch die Zwangsnutzung des Waldes bedingt durch Sturm und Schädlinge hat sich entspannt. Auswirkung zeigt dagegen die Klimaveränderung: Einige Bäume, wie zum Beispiel die Rottanne, verziehen sich in höhere Lagen. Die Waldeigentümer sind deshalb zur Pflanzung und zum Schutz seltener Baumarten aufgerufen. Laubholz läuft sehr gut, hier sind vor allem Buche und Esche zu nennen. Die Nachfrage nach Ahorn ist eher gering. In Zeiten der Klimakrise gilt die Weisstanne als wichtiger Zukunftsbaum. Entscheidend ist, dass ein gesunder Mischwald angestrebt wird.

Ehrung der Lehrabgänger

Zum Abschluss der Generalversammlung wurden Adrian Frischknecht, Nicola Heeb (fehlte entschuldigt), Markus Räss und Daniel Signer geehrt, die ihre Ausbildung zum Forstwart mit Erfolg absolviert haben. Sie erhielten ein Geschenk und viel Applaus.

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