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Was macht eigentlich eine Gemeindeweibelin?

Seit vier Jahren hat Tatjana Frischknecht das Amt der Weibelin der Gemeinde Herisau inne. Mit Hingabe, Organisationstalent und einem Faible für den persönlichen Kontakt bringt sie tagtäglich Bewegung und Ordnung in den Verwaltungsalltag – oft unsichtbar, aber unentbehrlich.

  • Tatjana Frischknecht leistet auch logistische sowie organisatorische Unterstützung bei Wahlen und Abstimmungen.

    Tatjana Frischknecht leistet auch logistische sowie organisatorische Unterstützung bei Wahlen und Abstimmungen.

Tatjana Frischknechts Arbeitstag startet früh. Bereits um 6.30 Uhr beginnt ihre erste von drei Postrunden des Tages. «Schliesslich wollen die Gemeindeangestellten arbeiten können, wenn sie zur Arbeit kommen», erklärt sie. Der frühe Arbeitsbeginn mache ihr nichts aus. Im Gegenteil, sie geniesse die morgendliche Stille. Hat sie die Post sortiert, verteilt sie Frischknecht an die verschiedenen Abteilungen im und ausserhalb des Gemeindehauses. Einmal wöchentlich macht sie zudem Halt bei der Schulverwaltung, dem Sportzentrum und der Musikschule.

Ihre Arbeit als Gemeindeweibelin beschreibt Tatjana Frischknecht als vielfältig. Nebst dem Postdienst übernimmt sie die Vertretung am Empfang, organisiert die Räumlichkeiten der Gemeinde und sorgt für deren Unterhalt. Weiter kümmert sie sich um die logistische sowie organisatorische Unterstützung bei Wahlen und Abstimmungen, bereitet den Ratsaal für die Einwohnerratssitzungen vor, begleitet diese, indem sie beispielsweise schriftliche Anträge aus der Ratsmitte dem Büro übergibt, und steht der Gemeindeverwaltung bei zahlreichen administrativen und logistischen Aufgaben zur Seite. «An einem typischen Tag lege ich rund 15 Kilometer zu Fuss zurück», sagt sie.

Ein zufälliger Karrierewechsel
Der Weg zur Gemeindeweibelin war für Tatjana Frischknecht nicht vorgezeichnet, arbeitete sie ursprünglich doch als Verkehrsangestellte der Gemeinde Herisau. «Ich bin zufällig auf die Stellenanzeige gestossen, als ich nach einer Tageskarte suchte», erinnert sie sich. Mit dem Wunsch nach einer neuen Herausforderung bewarb sie sich. «Ich kannte die Gemeinde bereits gut und war mit den Aufgaben meines Vorgängers vertraut. Es schien für mich der richtige Moment für einen Wechsel.» Auch nach rund vier Jahren im Amt bereut sie diese Entscheidung nicht. «Ich liebe die Vielfältigkeit und den Kontakt mit den Menschen. Jeder Tag ist anders, ich weiss morgens nicht, welche Aufgaben mich erwarten. Dies macht meinen Beruf umso spannender.» Kaum jemand erhält so viele Einblicke in das tägliche Schaffen der Gemeinde wie sie. «Strengste Verschwiegenheit ist deshalb Pflicht», sagt sie und zitiert den Paragraphen 13 des am 6. August 1880 erstellten «Pflichtenheft für den Gemeindebwebel, zugleich Bedell im Gemeindehaus»: «Es wird dem Weibel strengste Verschwiegenheit über Amtshandlungen zur Pflicht gemacht.» Obschon ihr Stellenbeschrieb zwischenzeitlich aktualisiert wurde, wirft sie dennoch ab und zu einen Blick in das alte Pflichtenheft.

Von der Tradition zur Moderne
Traditionell hat der Weibel in anderen Verwaltungen zudem eine repräsentative Rolle, beispielsweise indem er Regierungsmitglieder bei offiziellen Aufgaben begleitet. Auch Tatjana Frischknecht steht bei einigen Veranstaltungen, wie bei der Jungbürgerfeier, begleitend zur Seite. Eine repräsentative Aufgabe mit offizieller Uniform hat sie jedoch nicht. Weiter hat sich auch die traditionelle Wohnsituation der Weibelin modernisiert. Historisch gesehen wohnte der Weibel direkt im Gemeindehaus. Diese Praxis garantierte eine ständige Präsenz und Sicherheit im Gemeindehaus. Ihr Vorgänger Walter Stricker war der erste Weibel, der nicht mehr direkt im Gemeindehaus lebte, sondern ins gegenüberliegende Haus zum Baumgarten zog. Damit brach er ein wenig mit der langen Tradition, ohne sie jedoch ganz aufzugeben. Auch bei Frischknechts Bewerbung war die Wohnsituation Thema. «Ich respektierte diese Tradition. Wäre es zur Bedingung geworden, wäre ich mit meinen Kindern ins Haus zum Baumgarten gezogen.»

Tatjana Frischknecht beweist, ihre Arbeit ist nicht nur ein Job, sondern eine Berufung, der sie mit Leidenschaft und Hingabe nachgeht. Und obwohl ihre Rolle oft im Verborgenen bleibt, ist Tatjana Frischknecht als Gemeindeweibelin für ein reibungsloses Funktionieren der Gemeindeverwaltung von Herisau unverzichtbar.

Eine Publikation der Gemeinde Herisau.

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