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Solarfaltdach: Die Abwasseranlage in Herisau produziert bald noch mehr Solarstrom

Bei der Abwasserreinigungsanlage (ARA) in Herisau wird bis Ende August ein Solarfaltdach installiert. Betriebsleiter Patrick Holderegger erklärt, welche Vorteile dieses mit sich bringt.

  • Patrick Holderegger ist Betriebsleiter der ARA.

    Patrick Holderegger ist Betriebsleiter der ARA.

  • Die Installation des Solarfaltdachs dauert rund sechs Wochen.

    Die Installation des Solarfaltdachs dauert rund sechs Wochen.

Über den Reinigungsbecken erheben sich stählerne Träger. Ein Kran hebt die nächsten Teile hoch, Mitarbeitende in orangen Leuchtwesten behalten die Last im Auge. Vorsichtig werden die Träger in die Betonbecken eingelassen. Mit dem neuen Solarfaltdach, das hier installiert wird, macht die ARA Herisau einen weiteren Schritt in die Zukunft. «Wenn die Anlage auf Hochtouren läuft, produzieren wir tagsüber etwas mehr Strom, als wir verbrauchen», sagt Betriebsleiter Patrick Holderegger. «Da wir an 365 Tagen im Jahr während 24 Stunden in Betrieb sind, werden wir zwar nachts nach wie vor Strom beziehen müssen. Aber mit der Anlage decken wir etwa 40 Prozent unseres Verbrauchs, was eine massive Verbesserung zur jetzigen Situation ist.» Der zweitgrösste Stromverbraucher der Gemeinde wird ab Ende August jährlich rund 294 000 Kilowattstunden Solarstrom produzieren. «Seit 2018 haben wir auf dem Betriebsgebäude bereits eine Photovoltaikanlage. Und jetzt nutzen wir auch die Flächen unserer Becken doppelt, nämlich zur Abwasserreinigung und zur Stromgewinnung.»

Wasser, Stahl und Seil
Das Solarfaltdach stammt von der dhp technology AG aus Landquart. Ziel des Unternehmens ist ebendiese Doppelnutzung industrieller Produktionsflächen. «Die Panels entsprechen der modernsten Technologie», so Holderegger. «Mit einer Art Seilzug werden sie über den Klärbecken aus und bei ungünstigen Witterungsbedingungen wieder eingefahren. Das geschieht alles vollautomatisch.» Installiert werden die Stahlträger auf den bestehenden Grundmauern der Becken. «Dafür mussten Kernbohrungen im Beton gemacht werden. Danach wird der Seilzug für die Panels angebracht und schliesslich alles verkabelt und getestet.»

Die Idee zur Umsetzung einer solchen Anlage stammt von Holderegger. «Ich habe das Solarfaltdach vor drei Jahren meinen Vorgesetzen vorgeschlagen und bin damit auf offene Ohren gestossen. Als erstes wurde eine Vorstudie in Auftrag gegeben. Basierend auf dem Abschlussbericht haben Gemeinderat und Einwohnerrat einen Verpflichtungskredit von 1.05 Millionen Franken zu Lasten der Spezialfinanzierung Abwasser für die Ausführung gesprochen. Im Anschluss wurde ein Baubewilligungsverfahren durchgeführt und die Baubewilligung erteilt.» Im Vorfeld der Realisation hat sich Holderegger Anlagen in Davos und Steinach angesehen. «Der Austausch mit meinen Kolleginnen und Kollegen war lehrreich, weil sie schon auf erste Erfahrungen zurückgreifen konnten. Das konnten wir in Herisau einfliessen lassen.»

Sparsamer Umgang mit Strom
Patrick Holderegger bezeichnet den ARA-Betrieb als sehr energiebewusst. Er erinnert sich an den vergangenen Herbst, als das Thema einer möglichen Strommangellage aufkam. «Als uns die Aufgabe gestellt wurde, zehn Prozent des Verbrauchs einzusparen, musste ich das verneinen. Wenn dies jetzt noch möglich wäre, hätte ich in der Vergangenheit meinen Job nicht richtig gemacht.» Holderegger und seine Mitarbeitenden bewegen sich in einem Umfeld, in dem sich die Technologien ständig weiterentwickeln.
«Deshalb beschäftigen wir uns täglich mit der Frage, wo und wie wir unsere Anlagen optimieren können.» Die einzige Option wäre das Abschalten von Anlagen gewesen, «aber dann hätten wir die Wasserqualität nicht mehr garantieren können. Das kam nicht in Frage.» Die ARA sei eben ein systemrelevanter Betrieb, der zu einer funktionierenden Infrastruktur beitrage. «Da sind uns irgendwann schlichtweg die Hände gebunden.»
Als Beispiel für die fortlaufenden Veränderungen nennt Holderegger die Aktivkohle. «Wir waren damals im Jahr 2015 die erste Abwasserreinigungsanlage, die damit Rückstände von Hormonen, Medikamenten und verschiedene schwerabbaubare Stoffe der Industrie aus dem Wasser filterte. Es gehört zu den spannenden Seiten meines Berufs, dass die Entwicklung niemals stillsteht.» Als Herausforderung für den Standort in Herisau sieht Patrick Holderegger die Industriebetriebe in der Gemeinde. «Das sorgt für grosse Mengen an belastetem Abwasser, mit dem wir klarkommen müssen. Eine weitere Besonderheit ist, dass wir auch für die Anlagen von Waldstatt, Hundwil und Urnäsch verantwortlich sind.» Die Gemeinden verfügten zwar über eigene Anlagen, diese werden aber von der ARA Herisau betrieben.

Tag der offenen Tür
Am 28. Oktober feiert die ARA Herisau ihr 50jähriges Bestehen mit einem Tag der offenen Tür. «Wir feiern das Jubiläum und auch ein wenig das neue Solarfaltdach», so Betriebsleiter Patrick Holderegger. Durch Führungen erhalten die Besucherinnen und Besucher einen Blick hinter die Kulissen der Kläranlage. «Die ganze Technik ist unter dem Boden. Da wollen wir den Menschen mal zeigen, was wir überhaupt machen
– und wie das alles funktioniert.» Die Details werden zu gegebener Zeit kommuniziert.

Eine Publikation der Gemeinde Herisau.

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